Bassam Tibi Prof.Emeritus, Goettingen

vita

Bassam Tibi ist Begründer der Wissenschaft der historisch-sozialwissenschaftlichen Islamologie als Analyse des postbipolaren Konflikts; er ist ab dem 1. Oktober 2009 Emeritus nach 36 Jahren der Lehre als Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen. Bis 2010 ist er noch A.D. White Professor an der Cornell University, USA, neben seiner Tätigkeit als Senior Research Fellow an der Yale University, USA. Seinen Hauptwohnsitz behält er jedoch in Deutschland. 

Am 4. April 1944 in Damaskus in die Damaszener Notablenfamilie der Banu al-Tibi geboren, erhielt er auch dort das Abitur (das franz. Baccalauréat). Am 26.10.1962 kam er nach Frankfurt und studierte dort nach dem Erlernen der deutschen Sprache Sozialwissenschaften, Philosophie und Geschichte u.a. bei Horkheimer, Adorno, Habermas, und Fetscher. Seine Promotion erlangte er ebenfalls 1971 in Frankfurt, hiernach die Habilitation in Hamburg. Er ist Autor von 28 Büchern in deutscher Sprache sowie von neun original in Englisch verfassten Monographien, u.a. Islam, World Politics and Europe. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt. Seine letzten deutschen Bücher sind´: Die islamische Herausforderung, veröffentlicht in 3. Auflage 2007 und Euro-Islam 2009; beide bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft/WBG und Primus Verlag. 2010 veröffentlicht Yale University Press sein Buch „Islamism and Islam,“ mit dem er seine akademische Laufbahn beendet.

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Wissenschaftlicher Werdegang

Bassam Tibi lehrte vom Sommersemester 1973 bis zu seiner Emeritierung 2009 als Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen, wo er 1988, nach der Ablehnung eines Rufes auf den Stein-Rokkan-Lehrstuhl für Comparative Politics an die Universität Bergen (durch Royal Resolution von König Olav V.), Leiter der neu gegründeten Abteilung für Internationale Beziehungen wurde. Seit Juli 2004 war er parallel A.D. White Professor at Large an der US-Elitehochschule Cornell University und seit 2008 wirkt er an der  Yale University. Zwischen 1982 und 2000 war er in verschiedenen Funktionen an der Harvard University - teils beurlaubt, teils parallel zu seiner Tätigkeit in Göttingen. Diese "affiliations" begannen im akademischen Jahr 1982/83 in Harvard als Visiting Scholar. Tibi wirkte hiernach für viele Jahren als Research Associate in Harvard ehe er dort 1990/91 als Akademie-Stipendiat der Volkswagen-Stiftung und später mit DFG-Mitteln seine Forschungstätigkeit fortsetzte. Der Höhepunkt dieser Harvard-Jahre war die Zeit zwischen 1998 bis 2000 als Tibi The Bosch Fellow of Harvard war. 2004/05 kehrte er als Visiting Scholar nach Harvard zurück, um danach ging er im Sommer 2005 als Senior Research Fellow an die National University of Singapore (NUS), wo er am Asia Research Institute (ARI) über Islam und Pluralismus forschte.

 

Zwischen 1989 und 1993 war Prof. Tibi neben seinem Wirken in Göttingen und Harvard Mitglied des Fundamentalism Project der American Academy of Arts and Sciences. Als Fellow der Rockefeller Foundation am Bellagio Center am Comer See/Italien hat er seine in Chicago und Cambridge, MA betriebene Forschung fortgesetzt. Er ist Mitautor der fünfbändigen bei Chicago University Press erschienenen Veröffentlichung des „Fundamentalism Project“ sowie Autor der bei University of California Press erschienenen Monographie: The Challenge of Fundamentalism. In den Jahren 2003 - 2006 war er Mitglied des Culture-Matters-Project/CMP an der Fletcher School (Tufts University) und ist Mitverfasser des zweibändigen 2006  bei Routledge erschienenen Werkes „Developing Cultures“ und auch des Cornell-Forschungsprojektes „Religion in an Expanding Europe“ (erschienen 2006 bei Cambridge University Press). Zwischen 1999 und 2001 war er für drei Jahre unter den Fellows des World Economic Forums/WEF in Davos und gehörte in diesem Zeitraum auch zu dem Cambridge-Workshop, der das jährliche Davos-Forum mit vorbereitete.

 

Prof. Tibi hatte in seiner Laufbahn 18 Gastprofessuren weltweit inne. So wirkte er zwischen 1986 und 2004 in den USA, in Asien und Afrika (u.a. in Khartoum im Sudan und in Jaoundé in Kamerun). Darüber hinaus hielt er öffentliche Vorlesungen an ca. 30 Universitäten auf allen fünf Kontinenten. So war er Visiting Professor an der University of California in Berkeley (1994) und wieder im Spring Term 1995 und 1998 an der Bilkent University in Ankara, Türkei. Er hatte Research Fellowships in Princeton (1986/87), Ann Arbor/Michigan (Rockefeller Fellowship 1988) sowie am Asian Research Institute der NUS (Singapore 2005) inne. Weitere Gastprofessuren folgten 2003 an der Hidayatullah Islamic State University of Jakarta (Indonesien) und im selben Jahr war er O'Brian Distinguished Professor am European Union Center of California Scripps College, Claremont, sowie im akademischen Jahr 2003/04 als Visiting Professor für Islamologie an der Universität St. Gallen. Von 2004 bis 2009 lehrte er jedes Semester einen Kurs über Islamologie an der Diplomatischen Akademie in Wien. Zu den prominenten „Lectures“, die Tibi hieltf, gehört „Die Wiener Vorlesung“ (1999 und 2000) in der Wiener Hofburg, „The Global Village Lecture“ im Ridder Huset in Stockholm und die Leysen Lecture and der Université de Louvain sowie die „Bosch-Vorlesung“ in Stuttgart (1994).

 

Die Parallelposition von Prof. Tibi als A.D. White Professor at Large bekam er 2004 auf der Basis der einstimmigen Nominierung von sieben Departments. Der ehemalige Präsident der Cornell University Jeffrey S. Lehman berief Herrn Tibi auf diesen angesehenen Lehrstuhl an der Cornell University. Im Jahr 2008 war Tibi Senior Research Fellow am Center for Advanced Holocaust Studies/CAHS am Memorial Museum in Washington DC, um über den Antisemitismus in Europa zu forschen. Den letzten Sabbatical 2008/09 vor Abschluss seiner akademischen Laufbahn verbrachte Tibi als Senior Resarch Fellow an der Yale University in New Haven/Connecticut. Im Jahr 2010 kehrt er zum CAHS zurück.


Tätigkeiten außerhalb der Forschung

Außerhalb der Academia hatte Prof. Tibi in vielen Institutionen gewirkt, u.a. war er für fünf Jahre als Mitglied der Goethe-Versammlung und ebenso für fünf Jahre als Mitglied des Bosch-Kollegs für postgraduierte Förderung. Bundespräsident Roman Herzog verlieh Prof. Tibi 1995 das Bundesverdienstkreuz 1.Klasse für seine Wirkung "für ein besseres Verständnis des Islam in Deutschland und für seine Vermittlung zwischen den Zivilisationen". 1997 wurde er vom „Biographical Institute“ (USA) zum „Man of the Year“ gewählt. Im Jahr 2003 teilte Prof. Tibi den Jahrespreis der Schweizer Stiftung für Abendländische Besinnung mit dem jüdischen Gelehrten Michael Wolffsohn in Anerkennung des Einsatzes beider für europäische Werte. Prof. Tibi prägte den Begriff "europäische Leitkultur" und ist Begründer der Denkrichtung "Euro-Islam". Er ist Mitglied des Kuratoriums der CIVIS-Medien-Stiftung der ARD und wurde 2002 auch in die Werte-Kommission der CDU als erster Muslim in dieser Funktion einberufen, verließ diese aber 2005 mit einem Protestschreiben der Enttäuschung an Bundeskanzlerin Angela Merkel, worin er gegen die inkompetente Integrationspolitik der Bundesregierung argumentiert. Das Austrittschreiben an Merkel blieb unbeantwortet, ebenso wie seine Beschwerde bei der niedersächsischen CDU-Landesregierung gegen die Schließung der Islamologie und der „International Studies“ an der Universität Göttingen nach der Emeritierung von Prof. Tibi 2009. Hiernach wurde Tibi aus allen Medien der Bundesrepublik Deutschland herausgenommen. Seitdem wirkt er nur noch international, nachdem er von 1987 bis 2000 Gastautor der „F.A.Z.“ war, in allen Rubriken schrieb sowie im „Spiegel“ von 1992 bis 2000 Essays und für den „Focus“ Standpunkte. Auch war er 1990 bis 2001 der Islam- und Nahostexperte des ZDF. Er ist auch seit ihrer Gründung 2000 Kolumnist bei „Financial Times Deutschland“. Seit 2007 ist er consulting editor der internationalen Fachzeitschriften  “Totalitarian Movements and Political Religions”, und “Theoria. A Journal of Social and Political Theory” sowie Board Member des “International Journal of Humanities”.  In seinem 2009 erschienenen letzten deutschen Buch  “Euro-Islam” (Primus Verlag) erklärt Tibi seine Entscheidung, sich vom Gefecht zurückzuziehen und als Privatmensch zu leben, jedoch in Deutschland und nicht in den USA.


Neuerscheinungen

Euro-Islam
Die Lösung eines Zivilisationskonfliktes
(Primus Verlag 2009)
Islam's Predicament
with Modernity
Religious reform and cultural change
(Routledge 2009)

                       

Die islamische Herausforderung
Religion und Politik im Europa des 21. Jahrhunderts,

3. Auflage
(Primus-Verlag 2008)
Political Islam, World Politics and Europe
Democratic Peace and Euro-Islam
versus Global Jihad
(Routledge 2007)

www.bassamtibi.de