Georg-August-Universität

Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Georg-August-Universität Göttingen
Direktor: Prof. Dr. G. Emons

Interdisziplinäre Risikosprechstunde für Patientinnen
mit familiärer Häufung von gynäkologischen Tumorerkrankungen


Frauenklinik

Humangenetik

Klinik für Psychosomatik

Direktor: Prof. Dr. G. Emons

Direktor: Prof. Dr. W. Engel

Direktor: Prof. W. Rüger

Fr. Dr. M. Knieß

Fr. Dr. U. Engel

 

I

Mit finanzieller Förderung des Landes Niedersachsen, wird an der Universitäts-Frauenklinik Göttingen eine Tumorrisikosprechstunde angeboten. Angesprochen werden Frauen und Männer, in deren Familien gehäuft Brust-und Eierstockkrebs aufgetreten sind. Es werden Früherkennungs- und Betreuungsstrategien für Mitglieder von Hochrisikofamilien entwickelt. Durch die Zentralisierung der epidemiolgischen Daten mit denen anderer Zentren in Deutschland sollen Erkenntnisse über den Anteil der familiär bedingten Tumoren in einem Gesamtkollektiv von Tumorpatientinnen gewonnen werden. Die genetischen Analysen von Blut bzw. Tumormaterial dieser Patientinnen und ihrer Verwandten können zu neuen Erkenntnissen der Tumorbiologie und damit zu spezifischen Präventions- bzw. Therapiekonzepten führen. Die Ratsuchenden werden im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit der Frauenklinik, der Humangenetik und der Klinik für Psychosomatik beraten und betreut.

Hintergrund

In Deutschland erkrankt jede 10. Frau ( jeder 1000.Mann) an einem Mammakarzinom, und etwa jede70. Frau an einem Ovarialkarzinom. Insgesamt 5% aller Mamma- und Ovarialkarzinomerkrankungen sind erblich bedingt. Dies entspricht bei 40.000 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr etwa 2000 erblich bedingten Krebsfällen. Die Gene BRCA1 und BRCA2 werden wiederum für 60-70% dieser erblichen Fälle verantwortlich gemacht und können molekulargenetisch bereits vor Manifestation der Erkrankung untersucht werden. Männer mit BRCA I -Mutationen haben ein leicht erhöhtes Risiko für Darm - und Prostatakrebs. Männer mit einer BRCA II-Mutation haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs.

Eine ausführliche Beratung kommt für folgende Personen in Frage:
 

  •  Mindestens zwei Frauen der Familie (z.B. Mutter, Schwester, Tochter oder selbst an Brustkrebs und/oder Eierstockskrebs erkankt), wobei mindestens eine Frau zum Zeitpunkt der Erkrankung unter 50 Jahre alt gewesen ist.
  • Eine Frau der Familie (Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt) mit einseitigem Brustkrebs, wobei die Erkrankung im Alter von 30 Jahren oder früher aufgetreten ist.
  • Eine Frau der Familie (z.B. Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt) mit beidseitigem Brustkrebs, wobei die Erkrankung im Alter von 40 Jahren oder früher aufgetreten ist.
  • Eine Frau der Familie (z.B. Mutter, Schwester, Tochter oder selbst erkrankt) mit Eierstockskrebs, wobei die Erkrankung im Alter von 40 Jahren oder früher aufgetreten ist.
  • Ein Mann in der Familie mit Brustkrebs.
     

Die Tumorrisikosprechstunde bietet

  • eine humangenetische Beratung mit Erstellung eines Stammbaumes, Aufklärung über den genetischen Hintergrund sowie Hilfe in der Entscheidungsfindung für oder gegen eine genetische Untersuchung
  • eine psychologisch/psychotherapeutische Beratung bezüglich der Hintergründe der Entscheidung für oder gegen eine genetische Untersuchung
  • eine gynäkologische Beratung bezüglich präventiver und therapeutischer Möglichkeiten.

Wenn die Ratsuchende sich für die genetische Untersuchung entscheidet, wird eine umfassende klinische, humangenetische und psychosomatische Betreuung eingeleitet, in die auf Wunsch auch Angehörige einbezogen werden können.

Diese Betreuung wird auch Ratsuchenden angeboten, die sich gegen eine genetische Untersuchung entscheiden. Es werden ausführlich die jeweils nach Risiko zu intensivierenden Vorsorgemaßnahmen und gegebenenfalls die Notwendigkeit von diagnostischen Maßnahmen im Sinne eines Früherkennungsprogramms besprochen.

Die genetischen Untersuchungen sind sehr aufwendig und dauern gegenwärtig mehrere Monate bis zum Vorliegen der Befunde.

Während des gesamten Verlaufes wird eine psychologisch/psychotherapeutische Betreuung angeboten, um der Ratsuchenden bei der Bewältigung der besonderen Situation und im Umgang mit dem Krebsrisiko zu helfen.

Termine für die Tumorrisikosprechstunde können an der Leitstelle der Frauenklinik
unter der Telefonnummer.: 0551-396560 vereinbart werden.

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