1974 - 1999
25 Jahre Demokratie in Portugal
 

Portugaltage
(26.04. – 07.05.1999)

Programm



Montag, 26.04.1999

18.00 Uhr, Raum: PH 20

Eröffnung der Portugaltage
 

18.30 Uhr, Raum: PH 20

Filmvorführung:

Viva Portugal - Dokumentation über die "Nelkenrevolution" von Christiane Gerhards, Malte Rauch und Samuel Schirmbeck
 

Dienstag, 27.04.1999

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Moritz Trebeljahr, Universität Göttingen

Die Ahnen der Revolution
 

Mittwoch, 28.04.1999

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Dörthe Dürr, Universität Göttingen

Nach der Diktatur:

Zu den politischen Ereignissen in den ersten anderthalb Jahren nach der Nelkenrevolution in Portugal
 

Donnerstag, 29.04.1999

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Alain Pierre, Universität Braunschweig

Die Nelkenrevolution in José Saramagos Roman "Levantado do chão"
 

Freitag, 30.04.1999

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Christophe Bouyssi, Universität Hannover

L´importance de la Révolution des Oeillets au Portugal pour comprendre les partis politiques français
 
 

Montag, 03.05.1999

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Priv. Doz. Dr. Dorothea Kullmann, Universität Göttingen / Universität Heidelberg

Erzähltechnische Experimente mit der Geschichte: Der moderne historische Roman in Portugal
 

Dienstag, 04.05.1999

14.00 Uhr, Raum: PH 20

Dr. Ute Hafner, Universität Trier

Untersuchung zur Herausbildung eines politischen Wortschatzes im Salazarismus
 

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Dr. Eva Missler

Alternde Diva, Schwester der Schwermut, Hafenbraut - Das Bild Lissabons in der deutschen Reiseliteratur des 20. Jahrhunderts
 

Mittwoch, 05.05.1999

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Joaquim Peito, Universität Göttingen

Wandmalereien im April. Kurzlebige Farben. (Vortrag mit Lichtbildern)
 

Donnerstag, 06.05.1999

20.00 Uhr, Raum: PH 20

Henrike Schön, Göttingen / Köln

Mythen im Untergrund.

Geschichts-Bilder und Azulejokunst in Lissabonner Metrostationen.

(Vortrag mit Lichtbildern)
 

Samstag, 07.05.1999

20.00 Uhr, Foyer Internationaler Begegnung (Burgstr. 51, 1. Stock, 37073 Göttingen)

Abschluß der Portugaltage
 



Vorträge


Montag, 03.05.1999, 20.00 Uhr, Raum: PH 20
 

Erzähltechnische Experimente mit der Geschichte: Der moderne historische Roman in Portugal
 

Vortrag von PD Dr. Dorothea Kullmann

Die Geschichte, auch die eigene Nationalgeschichte, ist im heutigen Portugal viel präsenter als in Deutschland. Dies gilt auch für die Literatur: Romane, die sich in der einen oder anderen Weise auf die Geschichte Portugals beziehen, haben einen hohen Anteil an den Neuerscheinungen. In Deutschland kennt man vor allem die Werke von António Lobo Antunes. Hier sollen zwei andere moderne Autoren vorgestellt werden, die historische Romane verfassen: Fernando Campos und Seomara da Veiga Ferreira.

Historische Romane unterscheiden sich von anderen Romanen dadurch, daß ihr Handlungsablauf feststeht oder zumindest von feststehenden Ereignissen konditioniert ist; dennoch enthalten sie Spannung. Wie ist das möglich?

Anhand zweier Romane (Campos, A Esmeralda partida; Ferreira, Crónica Esquecida d'EI-Rei D. Joao II) über denselben historischen Stoff aus dem 15. Jahrhundert soll gezeigt werden, wie diesem Stoff mit modernen erzählerischen Techniken neue Aspekte abgewonnen werden und wie die grundsätzlich bekannte Geschichte doch wieder spannend wird - ohne Einbuße an Lesbarkeit.
 

Dorothea Kullmann, geboren 1962 in Freiburg i.Br., studierte Romanische und Klassische Philologie in Freiburg, Göttingen und Rennes. Sie wurde 1990 in Göttingen promoviert und habilitierte sich, ebenfalls in Göttingen, 1998, mit einer Arbeit über "Die Beschreibung im französischen Roman des 19. Jahrhunderts. Theorie und Praxis von Chateaubriand bis Zola". Sie unterrichtet seit 1989 an der Universität Göttingen, vertritt aber zur Zeit einen Lehrstuhl für Romanische Philologie an der Universität Heidelberg. Nachdem sie zunächst vor allem über französische und italienische Literatur gearbeitet hat, beschäftigt sie sich seit einigen Jahren intensiver mit der portugiesischen Literatur. Ein wichtiger Gegenstand ihrer Forschung ist die Geschichte der Erzähltechnik.
 

Dienstag, 04.05.1999, 20.00 Uhr, Raum: PH 20
 

Alternde Diva, Schwester der Schwermut, Hafenbraut - Das Bild Lissabons in der deutschen Reiseliteratur des 20. Jahrhunderts
 

Vortrag von Dr. Eva Missler
 

Alternde Diva, Schwester der Schwermut, Hafenbraut - Das Bild Lissabons in der deutschen Reiseliteratur des 20. Jahrhunderts
 

Erstaunlich eindeutig läßt sich das Bild der "melancholischen, maroden und charmanten Stadt am südwestlichen Rand Europas" im gesamten Spektrum der Reiseliteratur über Lissabon ausmachen. Auch in Romanen, in denen Lissabon als Ort der Handlung gewählt wurde, ist es wiederzuerkennen. Mit Zitaten von bekannten und weniger bekannten Schriftstellen sollen die einzelnen Facetten dieses Bildes vorgestellt und Gründe für das Zustandekommen aufgezeigt werden.
 

Eva Missler arbeitet als Autorin von Reiseführern und Rundfunkbeiträgen über verchiedene Länder, Städte und Regionen in Europa.. Sie studierte in Hildesheim Kulturpädagogik und lebte eine Zeitlang in Lissabon
 

Donnerstag, 29.04.1999, 20.00 Uhr, Raum: PH 20
 

Die Nelkenrevolution in José Saramagos Roman Levantado do chão
 

Vortrag von Alain Pierre

 a.pierre@tu-bs.de

José Saramago, Literaturnobelpreisträger 1998, setzt sich in vielen seiner Romane mit der Geschichte seines Landes auseinander; immer wieder entmythisiert er die offizielle Geschichte Portugals und schreibt am Beispiel einzelner historischer Episoden eine Geschichte des kleinen Mannes. 1980 erschien sein Roman Levantado do chao die Saga einer Landarbeiterfamilie aus dem Alentejo, die zur Zeit der Nelkenrevolution endet. Wie Saramago dieses historisch-politische Ereignis literarisch verarbeitet, soll dargestellt werden und in der anschließenden Diskussion besprochen werden.
 

Alain Pierre studierte in Paris Germanistik und Italianistik und ist heute tätig als Wissenschaftlicher Angestellter am Romanischen Seminar der Technischen Universität Braunschweig. Im Oktober 1997 hielt er auf dem 2. Deutschen Lusitanistentag in Berlin einen Vortrag zu José Saramagos Roman "O Evangelho segundo Jesus Cristo".
 

Mittwoch, 28.04.1999, 20.00 Uhr, Raum: PH 20
 

Nach der Diktatur:

Zu den politischen Ereignissen in den ersten anderthalb Jahren nach der Nelkenrevolution in Portugal
 

Vortrag von Dörthe Dürr

Der 25.April 1974 bezeichnet das Ende der Diktatur in Portugal. Über die notwendige Abschaffung des bestehenden Regimes bestand bei den Verantwortlichen Einigkeit, nicht aber über die Gestalltung der Zukunft. In den folgenden anderthalb Jahren wurden maßgeblich die Weichen für Portugals politischen Weg bis in die heutige Zeit gestellt. Rückblickend sollen die entscheidenden Ereignisse dieser bewegten Zeit zusammengefasst werden, wobei Texte von José Gomes Ferreira, die jeweils in der damaligen Tagespresse veröffentlicht wurden, die Darstellungen begleiten sollen.

Dörthe Dürr (geb. 1965) studierte Ethnologie und Romanistik an den Universitäten Marburg und Göttingen und beschäftigt sich seitdem schwerpunktmäßig mit Themen auf dem Gebiet der Lusitanistik.
 

Donnerstag, 06.05.1999, 20.00 Uhr , Raum: PH 20
 

Mythen im Untergrund.

Geschichts-Bilder und Azulejokunst in Lissabonner Metrostationen.

(Vortrag mit Lichtbildern
 

Vortrag von Henrike Schön

haaschoen@aol.com
 

Mythen im Untergrund. Geschichtsbilder und Azulejokunst in Lissabonner Metrostationen
 

Lissabons Metrostationen sind Kunstwerke. Azulejo-Fresken und Skulpturen dokumentieren in einem der "längsten Museen der Welt" historische Ereignisse. Die Künstler, die sie geschaffen haben, greifen in ihren Auftragsarbeiten ebenso auf die grossen Mythen und Namen der portugiesischen Historie zurück, wie sie sich mit den Geschichten der Lissabonner Stadtteile in Beziehung setzen. So reicht die Spannweite der künstlerischen Reflexion von der dekorativen Illustration über die ironische Brechung bis zur geschichtsphilosophischen Betrachtung.

Der Spaziergang unter der Stadt stellt einige der schönsten dieser Stationen vor. Dabei wird auch ein Blick auf die Tradition der portugiesischen Azulejokunst geworgen, die auch im 20. Jahrhundert, bis zu den jüngsten Werken, eine faszinierende Innovationskraft zeigt.
 

Henrike Schön

Philologin und freie Journalistin. Jahrgang 1960
Studium der Germanistik, Hispanistik und Philosophie in Göttingen und Würzburg (1979-1986)
Studienaufenthalt an der Universität Salamanca/Spanien (1982/83)
Lehrbeauftragte für Deutsch als Fremdsprache und Mitarbeiterin der "Dokumentationsstelle für deutschsprachige Gegenwartsliteratur" an der Universität Göttingen (1986-1992)
DAAD-Lektorin an der Universität Coimbra/Portugal (1992-1997) Redaktionsmitglied der Zeitschrift Runa. Revista Portuguesa de Estudos Germanisticos (1994-1997)
Seit 1997 Wohnsitz in Göttingen und Köln. Reintegrationsprogramm des DAAD. Arbeitet an einer Dissertation ueber ''Autorenlesungen im Nationalsozialismus und schreibt für Printmedien über Portugal mit Schwerpunkten in Kunst, Architektur und Hochschulpolitik.
 

Freitag, 30.04.1999, 20.00 Uhr, Raum: PH 20
 

L´importance de la Révolution des Oeillets au Portugal pour comprendre les partis politiques français
 

Vortrag von Christophe Bouyssi

bouyssi@mbox.fsz.uni-hannover.de

Trotz der radikalen politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Umwälzungen, die von einer totalitären Staatsform zu einer Demokratie führte, könnte die portugiesische Nelkenrevolution von 1974 von Frankreich aus betrachtet falsch interpretiert werden. Im Land der mythischen Révolution française bedeutet Revolution: Unruhe, Gewalt und spektakuläre Hinrichtungen. Es ist also interessant zu sehen, wie dieser relativ friedliche politische Aufstand in der damaligen französischen Presse dargestellt wurde, und dabei zu untersuchen, ob man die Spaltung der französischen politischen Parteien besser erkennen kann.
 

Christophe Bouyssi, geboren 1964 in Paris, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paris Sorbonne und arbeitete gleichzeitig als Assistent eines französischen Schriftstellers und Theaterproduzenten in Paris. Nach seinem Studium hat er weiter im Kultur- und Theaterbereich in Paris gearbeitet und hat in diesem Zusammenhang zahlreiche Reisen unternommen (in Europa, Amerika und Afrika).

Er unterrichtet seit 1992 im Fachsprachenzentrum der Universität Hannover als Lektor für Fachsprache Französisch (Wirtschafts-, Rechts-, Politik- und Sozialwissenschaften).
 

Dienstag, 04.05.1999, 14.00 Uhr, Raum: PH 20
 

Untersuchung zur Herausbildung eines politischen Wortschatzes im Salazarismus
 

Vortrag von Dr. Ute Hafner

hafner@uni-trier.de

Auf der Grundlage eines 1931 von Salazar mit António Ferro – seinem späteren "Chef"-Propagandisten – geführten Interviews soll ersten Ansätzen eines politischen Wortschatzes in einer Wortfeldstudie nachgegangen werden.
 

Ute Hafner, geboren 1962 in Stuttgart-Bad Cannstatt studierte Romanistik und LDV in Trier. Seit 1991 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Portugalzentrum der Universität Trier.
 

Dienstag, 27.04.1999, 20.00 Uhr, Raum: PH 20

Die Ahnen der Revolution

Vortrag von Moritz Trebeljahr

 trebelmo@hotmail.com
 

Ein Datum - der 25. April 1974 - ist zum Symbol für das heutige, das demokratische, das "europäische" Portugal geworden. Doch ein portugiesisches Heute wird erst verständlich, wenn auch ein Blick auf das Gestern des Landes geworfen wird: Wie konnte das Regime eines Salazar sich ein halbes Jahrhundert lang halten und die Revolution überhaupt erst erforderlich machen? 800 Jahre portugiesischer Geschichte mögen zur Beantwortung dieser Frage gerade ausreichen - ein Versuch, Portugal aus sich selbst heraus zu erklären.
 

Moritz Trebeljahr wurde am 9. Juli 1976 in Frankfurt am Main geboren. Als sich seine Eltern 1983 trennten, folgte er seiner Mutter nach Cascais/Portugal. Seit 1996 studiert er Geschichte und Portugiesisch in Göttingen und ist als freier Mitarbeiter für das StadtRadio Göttingen tätig.
 

Mittwoch, 05.05.1999, 20.00 Uhr, Raum: PH 20
 

Wandmalereien im April. Kurzlebige Farben.
 

Vortrag von Joaquim Peito

jpeito@gwdg.de
 

Am 25. April 1999 jährt sich zum fünfundzwanzigsten Mal ein Ereignis, das mit dem wohlduftenden Namen "Revolution der Nelken" in die Annalen der portugiesischen und internationalen Geschichte eingegangen ist. Diese Revolution – eine friedliche und die letzte in Westeuropa, begann als ein gewaltiges Volksfest. Über Nacht füllten sich die Fassaden mit politischen Parolen und bunten Wunschbildern der zukünftigen, besseren Welt. Jeder pinselte und sprühte, was er fühlte.

In diesem Vortrag soll einem Teil des revolutionären Prozesses nachgegangen werden, indem die Grundlage des politischen Kampfes und der künstlerischen Praxis anhand von Wandmalerein, Plakaten, Karikaturen und Fotografien nachvollzogen werden können.
 

Joaquim Peito, geboren 1961 in Espinho, studierte Geschichte und Literaturwissenschaften in Porto und Hannover. Seit 1997 ist er als Lektor für Portugiesisch an der Georg-August-Universität Göttingen tätig. Während und nach seinem Studium hat er sich als Mitarbeiter in Forschungs- und Studienprojekten mit Themen der portugiesischen Kultur, Literatur und Gesellschaft wissenschftlich auseinandergesetzt. Des Weiteren entwickelte er didaktische Konzepte des Portugiesischlernens.