"Ertrag und Probleme einer kritischen Edition der Versio Harklensis des NT" *
Strothmann analysiert die Varianten aus der griechischen Handschrift D05, dem Codex Bezae Cantabrigiensis aus dem 6. Jhdt. und aus syrischen Übersetzungen, die Thomas aus Harqel seiner Übersetzung beifügte. Die Untersuchung der Asterisken, die J. White in seiner Ausgabe übernommen hat, ergibt, daß diese nicht von Thomas stammen können und in allen griechischen Ausgaben des NT (in NA27 über 200 Doppelasterisken) getilgt werden müssen.
Strothmann hält es für möglich, daß Thomas beide Schriften, D05 und Harklensis, verfaßt hat. Es kann sich jedoch auch um ein Lehrer/Schülerverhältnis bei den Verfassern handeln, da der zeitliche Abstand zwischen den Schriften nicht geklärt werden kann.
Thomas hat eine große Anzahl von Varianten aus D05 aufgezeichnet, die aus der mündlichen Tradition des 2. bis 6. Jahrhunderts stammen und mit dem Bibeltext harmonisiert wurden. Die Handschrift D05 ist für Jahrhunderte verschollen gewesen; den harmonisierten Text von D05 haben aber die Kopten im sahidischen Dialekt übernommen. Während heute die Handschrift D05 als western text eingestuft wird, folgert Strothmann, daß die koptischen und syrischen Zeugnisse aus der Frühzeit genügen, um sie als eastern text zu kennzeichnen.
* Am 27.09.1995 wurde dieser Aufsatz von
Prof. Dr. Strothmann mit diesem Titel auf dem XXVI. Deutschen
Orientalistentag in Leipzip von Herrn Ass. K. Johannes -
Göttingen - verlesen. Der Aufsatz erscheint voraussichtlich im
Frühjahr 1997 in Oriens Christianus.