Who is who? - Prof. Werner Strothmann 3/12


Lic. Dr. Dr. Werner Strothmann †
Professor für Syrische Kirchengeschichte an der Universität Göttingen


Professor Werner Strothmann ist am 19.06.1996 im Alter von 89 Jahren in Göttingen gestorben und wurde am 24.06.1996 in Anwesenheit seiner Familienangehörigen, des Erzbischofs der syrisch-orthodoxen Diözese von Mitteleuropa Mor Julius Yeshu Çiçek, der Vertreter der Universität Göttingen und seiner Braunschweigischen Landeskirche beigesetzt.

Mit dem Tode Prof. Werner Strothmanns haben sowohl die Syrologen als auch die Syrer einen guten Theologen und Wissenschaftler verloren. Er war eine Persönlichkeit, die durch Sympathie, Freundschaft und Menschlichkeit beliebt war. Durch seine Publikationen hat er vieles für die syrischen Studien geleistet und den Weg für weitere Arbeiten bereitet. Strothmann war ein Vorbild für viele Theologen, die sich mit den orientalischen Kirchen beschäftigen. Er war eine Hauptfigur auf den internationalen syrischen Symposien und eine Schlüsselgestalt in der Syrologie.

Als Sohn eines Dortmunder Pfarrers studierte Werner Strothmann an den Universitäten zu Gießen, Tübingen, Halle und Göttingen Evangelische Theologie und orientalische Sprachwissenschaft, schloß das eine Studium im Jahre 1931 mit dem ersten theologischen Examen ab und das andere im selben Jahr mit der Promotion an der Philosophischen Fakultät zu Tübingen. Dem Doctor philosophiae folgte nur kurze Zeit später der theologische Lizentiat an der Universität Göttingen mit einer bei Prof. Hermann Dörris angefertigten Arbeit. Dem damit vorgezeichneten wissenschaftlichen Weg, an dessen Beginn eine mehrjährige Mitarbeit am Septuaginta-Unternehmen der Göttinger Akademie der Wissenschaften stand, folgte der Theologe freilich nicht unter Verzicht auf die praktisch-kirchliche Tätigkeit. Das zweite theologische Examen führte Strothmann in die Braunschweigische Evangelisch-lutherische Landeskirche, in deren Dienst er nahezu dreißig Jahre lang als Gemeindepfarrer, Probst und Kirchenrat stand. In dieser Zeit blieb er als Mitglied der Prüfungskommission seiner Kirche weiterhin dem akademischem Leben verbunden. Den endgültigen Rückweg an die Universität wies ein noch aus dem Pfarramt heraus seit dem Jahre 1958 wahrgenommener Lehrauftrag an der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen für "Syrische Kirchengeschichte, insbesondere Einführung in die Lektüre des syrischen Bibeltextes”. Im Jahre 1964 habilitierte sich Werner Strothmann mit dem Thema "Johannes von Apamea” für das Fach Syrische Kirchengeschichte, und ein Jahr später kehrte er als Wissenschaftlicher Rat und Professor vollends aus dem Kirchendienst nach Göttingen zurück.

Prof. Strothmann brachte auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1972 sein Fach der Syrischen Kirchengeschichte zu internationalem Ansehen. Dazu trugen seine unermüdliche Arbeit an syrischen Handschriften und seine zahlreichen Veröffentlichungen zur syrischen Literatur und Kirchengeschichte bei. Ebenso begeisterte er Studenten für ein im theologischen Studiengang nicht obligatorisches Fachgebiet. Er koordinierte die wissenschaftliche Arbeit im Mitarbeiterkreis und regte langfristige Projekte an. Als Initiator eines "Göttinger Arbeitskreises für Syrische Kirchengeschichte” brachte Prof. Strothmann den christlichen Orient im Rahmen eines von ihm selbst geleiteten Teilprojekts in den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Göttingen getragenen Sonderforschungsbereich Orientalistik ein und führte ihn damit in die lebhafte wissenschaftliche Diskussion mit den Fachvertretern der Religionsgeschichte, Ägyptologie, Iranistik und Orientalistik. Auf internationaler Ebene initiierte Werner Strothmann das erste Symposium Syriacum in Anwesenheit des verstorbenen Patriarchen Mor Ignatius Yakob III., zusammen mit dem derzeitigen Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas, damals Erzbischof von Bagdad, und mit den Erzbischöfen Mor Athanasius Yeshue Samuel und Mor Gregorius Saliba Shemun in Göttingen 1971.Im Jahre 1972 wurde Prof. Strothmann deutsches Gründungsmitglied eines ständigen Exekutivkomitees zur Durchführung internationaler Syrologen-Kongresse, des sog. "Symposium Syriacum”. Die siebte Tagung dieser Reihe fand vor kurzem vom 11.-14.8.1996 an der Universität Uppsala (Schweden) statt. In gleicher Weise leitete Werner Strothmann die von einem deutsch-finnischen Arbeitskreis gestalteten Makarios-Symposien in die Wege, deren erstes im Jahre 1980 durchgeführt wurde.

Den Dank für das Geleistete und die Anerkennung der ungebrochen fortgeführten Forschungstätigkeit des Gelehrten bezeugen zwei Festschriften, die Schüler und Freunde, Wissenschaftler des In- und Auslandes, Prof. Werner Strothmann zur Vollendung des 70. und 80. Lebensjahres überreichten. 1988 ehrte ihn die Theologische Fakultät der Åbo Akademi (Finnland) mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde. Mehr als zwanzig Jahre hindurch bis zum letzten Tag seines Lebens hat er an dem von ihm geleiteten Projekt "Konkordanz zur Syrischen Bibel” gearbeitet und das gesamte Alte Testament bearbeitet. Außerdem nahm er die Aufgabe einer kritischen Edition des Harklensis-Textes des syrischen Neuen Testaments auf sich, die er durch seinen Tod nicht zum Abschluß bringen konnte.