| Rezensionen |
Konkordanz zur syrischen Bibel. Die Propheten. Bearb. von W. Strothmann unter Mitarb. von K. Johannes u. M. Zumpe. Teil I: A-D. Teil II: H-L. Teil III: M-'A. Teil IV: P-T. IX. V. VI, VI. 2679 Wiesbaden: Harrassowitz 1984, S. gr. 8. = Göttinger Orientforschungen. I. Reihe: Syriaca, 25 - Bespr. von P. Kawerau, Marburg
Diese Konkordanz stellt in jeder Hinsicht einen bedeutenden Fortschritt im Felde der syrischen Studien dar, besonders hinsichtlich der syrischen Lexikographie. Zwar bietet sie vorerst nur einen Teil dessen, was eine Konkordanz des syrischen Alten Testaments enthaIten muß. Der Pentateuch, die ,,Schriften" und die Eigennamen fehlen noch. Aber schon jetzt stellt diese Konkordanz eine Grundlage für die syrische Lexikographie dar, die man zur Hand haben muß, wenn man mit dem Thesaurus Syriacus arbeitet. Dessen lexikalisches Material ist, was die Sprache der Peschitta angeht, ohne besondere Aufmerksamkeit behandelt worden. Eine vollständige Konkordanz zur syrischen Bibel wird deshalb einmal eine entscheidende Hilfe sein.
Man hat früher häufig gemeint, daß ohne eine kritische Ausgabe des Peschitta-Textes an eine Konkordanz zur syrischen Bibel nicht zu denken sei. Julius Welhausen hat den Gedanken an eine solche Konkordanz seinerzeit lebhaft begrüßt, doch schien ihm ihre Schaffung wegen des Fehlens eines kritischen Textes nicht möglich. Bei näherem Zusehen bemerkte man jedoch, daß eine textkritische Bearbeitung und Herausgabe der Peschitta ein Unternehmen sei, dessen Umfang und Schwierigkeiten sich kaum absehen ließen. Und was wäre der Erfolg gewesen? Ein wesentlich besserer Text der Peschitta wäre dadurch nicht zustande gekommen. Demgemäß erklärte im Jahre 1914 Theodor Nöldeke, daß er nie daran gedacht habe, eine kritische Ausgabe der Peschitta zu schaffen, weil er das Empfinden habe, daß dabei nicht viel herauskommen würde. Und schon vor hundert Jahren hat Franz Buhl im Hinblick auf die Anfänge einer kritischen Feststellung des Peschittatextes sich dahingehend geäußert, daß man von einer künftigen Textkritik bedeutende Resultate nicht zu erwarten habe.
Die vorliegende Konkordanz hat das Problem des Peschitta-Textes in der einzig richtigen Weise gelöst, indem sie zwei Druckausgaben zugrunde gelegt und auf den Versuch, den "Urtext der Peschitta" zu rekonstruieren, gänzlich verzichtet hat. Die beiden Hauptrezensionen der Peschitta, die nestorianisch-ostsyrische und die jakobitisch-westsyrische, werden durch die Urmia-Bibel der amerikanischen Missionare von 1852 und durch die Pariser Polyglotte von 1645 repräsentiert. Der jakobitisch-westsyrische Text der Pariser Polyglotte liegt bei Walton in der Londoner Polyglotte von 1657 und bei Samuel Lee in der Ausgabe der BFBS von 1823/24 (zuletzt 1979) praktisch im Reprint vor. Strothmann hat die Londoner Polyglotte und die Urmia-Bibel zur Grundlage seiner Konkordanz gemacht und damit alle billigen Ansprüche an Textkritik erfüllt, soweit das unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt möglich ist. Die Konkordanz ist einspaltig in syrischer Originalschrift gedruckt und zeichnet sich durch gut lesbare, große Schrifttypen (Estrangela) aus. Im Vergleich zu Mandelkern wirkt das Schriftbild großzügig und übersichtlich. Die Lemmata sind nach der Reihenfolge von Karl Brockelmann, Lexicon Syriacum, Reprint Hildesheim 1982 geordnet, doch ergeben sich gelegentlich Umstellungen, wenn die Reihenfolge der Wortgruppen in der Konkordarnz von den Ordnungsprinzipien bei Brockelmann abweicht, zum Beispiel Jerem. 7, 21 'alata sacrificium und 'alli exaltavit, Brockelmann 526 und 527=Konkordanz 1902. An dem Druck des Werkes in syrischer Schrift hat die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung in Göttingen entscheidenden Anteil, und der Benutzer ist dankbar, ein in philologischer, theologischer und literargeschichtlicher Hinsicht so wichtiges Hilfsmittel zur Verfügung zu haben. Man wünscht sich das baldige Erscheinen der übrigen Bände.
Dieser Wunsch ist inzwischen in Erfüllung gegangen. Die vier Bände der Konkordanz zum Pentateuch sind jetzt erschienen. Für sie sind die gleichen Vorzüge geltend zu machen, wie ich sie bei der Konkordanz zu den Propheten genannt habe. Die Eigenamen fehlen auch hier. Sie werden nach Abschluß der Konkordanz in einem besonderen Band zusammengestellt werden.
(Orientalische Literaturzeitung 83
(1988) 4, S. 426 ff.)