Erreger: EBV
(Epstein-Barr-Virus), ein Serotyp.
Klinik:
Inkubationszeit (bis Fiebereintritt): 5-7 Wochen bei Adoleszenten (unsicher, da meist
Mehrfachkontakt). Prodromi: Unwohlsein, Appetitlosikeit, Müdigkeit,
Abgeschlagenheit, Mißstimmungen.
Hauptsymptomatik in der akuten Phase: Fieber (nicht sehr hoch, intermittierend); Lymphdrüsenschwellungen ab 2. Fieberwoche, vorwiegend am Hals, wenig schmerzhaft; seltener sind axilläre, inguinale und mesenteriale Lymphknoten vergrößert. Zusammen mit Diarrhöen. Erscheinungsbild des »akuten Bauchs«. Rachenangina (Tonsillitis mit manchmal starken Anschwellungen, katarrhalisch oder mit pseudomembranösen Belägen; Pharyngitis). Blutbildveränderungen: zunächst normal oder Granulozytopenie; ab 1.-2. Woche mehr als 50% mononukleäre Zellen, Lymphozyten und Monozyten, mit atypischen Lymphozyten (Pleomorphismus); ab 2.-3. Woche: 10000-20000 Leukozyten/mm³.
Nebensymptomatik: Exantheme (Röteln-ähnlich, kein Juckreiz, flüchtig). Enanthem der Gaumenschleimhaut. Milz- und Leberschwellung. Hepatitis mit starker Reaktion des RES: Rundzellinfiltrate in den periportalen Feldern, Endothelschwellungen, Wucherung der v. Kupfferschen Sternzellen, wenige Einzelzellnekrosen. Transaminasen nicht höher als 10x Normalwert, meist unter dem 5fachen Wert. Herz: Myokarditis /lymphomononukleäre Infiltrate). Niere: Herdnephritis mit Hämaturie. Lunge: Hilusschwellungen, interstitielle Pneumonie. Konjunktivitis, Gesichtsödeme, symmetrisch.
Rekonvaleszenz: Abklingen der akuten Erscheinungen innerhalb 2-3 Wochen, in vielen Fällen wochen- und monatelang protrahierte Verläufe (leichte körperliche und geistige Erschöpfbarkeit), daneben Einzelsymptome wie Fieber, Kopfschmerz, Pharyngitis, Lymphadenopathien, Myalgien, die aber auch fehlen können (chronisch rezidivierender Verlauf). Bei 29 von 34 Kindern unter 10 Jahren wurde bei rezidivierender Parotisschwellung hohes Anti-VCA und Anti-EBNA (s.u.) ferner bei 19 von 34 Anti-EA (s.u.) nachgewiesen, möglicherweise als Ausdruck persistierender rekurrierender EBV-Infektionen.
Komplikationen: Meningoenzephalitis (0,1% der klinisch apparenten Fälle), schwerste Form mit Bewußtseinstrübung, Krämpfen, Seh- und Sprechstörungen, Meningismus (50% Letalität). Polyneuritis; Guillain-Barré-Syndrom; Hypersplenismus: hämolytische Anämien; Agranulozytose; Thrombozytopenie (Blutungen in Haut und Schleimhäuten, auch in inneren Organen). Milzruptur. Interstitielle Pneumonie. Im Kindesalter zu mehr als 90% subklinische oder unauffällige Infektionen; bei Schülern und Studenten 40-45% Manifestation. Letalität bei manifesten Infektionen (<0,1%). Erstinfektionen in der Schwangerschaft sind häufig, jedoch für Mutter und Kind folgenlos, ebenso wie die Reaktivierung einer latenten Infektion (Anti-EA positiv), die in der Frühschwangerschaft nicht selten (55%) beobachtet wird. Keine Indikation für Schwangerschaftsabbruch.
Diagnostik:
Klinisch sind Fieber, Angina, Lymphdrüsenschwellungen und Blutbild charakteristisch.
Angina und Blutbildveränderungen können jedoch auch fehlen. Die serologische und
virologische Diagnostik ist außerdem für alle nicht-EBV-bedingten nononukleoseartigen
Erkrankungen erforderlich. Für die Mehrzahl der Mononukleosefälle anderer Ätiologie ist
das HCMV verantwortlich .
Antikörper: Anti-VCA (Viruscapsidantigen); Anti-EA (»early antigen«; zwei Formen: D und R); Anti-EBNA (»Epstein-Barr-nuclear-antigen«), heterophile Antikörper. Akute infektiöse Mononukleose bei Erwachsenen: IgM- und IgG-Anti-VCA, Anti-EA-D und heterophile Antikörper positiv. Späte Rekonvaleszenz: IgG-Anti-VCA, Anti-EBNA positiv. Chronisch rezidivierender Verlauf: IgG-Anti-VCA, Anti-EA-R positiv, Burkitt-Lymphom: IgG-Anti-VCA, Anti-EBNA und Anti-EA-R positiv. Nasopharynxkarzinom: IgG-IgA-Anti-VCA, IgG- und IgA-Anti-EA-D, Anti-EBNA positiv.
Therapie:
Symptomatisch; bei bakteriellen Superinfektionen kein Ampicillin, da in >90%
Manifestation einer Ampicillinallergie.
Pathogenese:
Die initialen Zielzellen scheinen B-Lymphozyten und epitheliale Zellen des Oropharynx zu
sein. Rezeptor ist bei beiden Arten der Komplement-Rezeptor CR2 für C3d,g. Aus C3b
entstandenes C3d,g scheint B-Zellwachstum zu induzieren. Zytolyse und persistierende
Infektion von B-Lymphozyten. Rekonvaleszenz ist wahrscheinlich Folge der lytischen
Einwirkung zytotoxischer T-Lymphozyten auf die infizierten B-Lymphozyten. Übergang in
latente, persistierende Infektion mit Sitz in B-Lymphozyten (auch zirkulierenden) ist in
jedem Fall nach Erstinfektion zu erwarten: EBNA-positive B-Lymphozyten können aus fast
allen Blutproben von Rekonvaleszenten mit Anti-VCA isoliert werden.
Hämolyse könnte durch Auto-Antikörper gegen die Triosephosphat-Isomerase, das Auftreten von Gesichtsödemen in der akuten Phase durch Auto-Antikörper gegen Superoxiddismutase vom Mn-Typ bedingt sein.
Gehäuftes Auftreten latenter Infektionen mit dem EBV bei Burkitt-Lymphom, nasopharyngealem Karzinom und verschiedenen anderen Lymphomen. Ob Zusammenhang mit Ätiologie und Pathogenese ist unklar.
Epidemiologie:
Vorkommen: Die infektiöse Mononukleose ist eine Zivilisationskrankheit. 25% der
15jährigen und 90% der 30jährigen in der BRD haben Anti-VCA.
Reservoir: infizierter Mensch
Übertragung: orale Kontakte (»kissing disease«)
Risikopersonen: nicht definiert
Prophylaxe: Keine passive Immunprophylaxe; die aktive Impfung ist im Versuchsstatium am Menschen.
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