Masern
Erreger Klinik Diagnostik Therapie Pathogenese
Epidemiologie Prophylaxe
Erreger: Masernvirus; ein stabiler Serotyp
Klinik:
Masern:
Exanthem: Beginn retroaurikulär, von dort Ausbreitung über den ganzen Körper in den nächsten 24 Stunden, z.T. makulopapulös, z.T. konfluierend. Nach 4-5 Tagen Rückgang aller Symptome. Exanthemrelikte: schwache Pigmentierung, kleieförmige Schuppung. Rasche Erholung. Manifestation jenseits des 1. Lj. praktisch 100%. Gute Prognose. Lebenslange Immunität.
Komplikationen: Masernkrupp (s. akute stenosierende Laryngotracheitis bei Parainfluenzavirusinfektionen)
Primäre Masernpneumonie: Bronchiolitis und interstitielle Pneumonie. Auskultatorisch und perkutorisch schwer faßbar: Dyspnoe. Röntgenbefund.
Riesenzellpneumonie: selten; nur bei akuter Leukämie und Retikuloendotheliose.
Myokarditis
Keratitis: multiple, punktförmige, epitheliale Läsionen an der Kornea.
Diarrhoe, Appendizitis, generalisierte Lymphadenitis
Bakterielle Sekundärinfektionen: infolge partieller Immundepression Infektanfälligkeit: Bronchopneumonie (insbesondere nach oder bei interstitieller Viruspneumonie), Otitis media, eventuell Mastoiditis.
Enzephalomyelitis: 3-10 Tage nach Exanthembeginn. Bei Patienten >6 Jahre häufiger als bei Kleinkindern. Fieber, Kopfschmerz, Bewußtseinstrübung, meningeale Reizung (Nackensteifigkeit, Erbrechen u.a.): Rückgang nach 1-3 Tagen. Meist keine Klinikeinweisung erforderlich. Schwere Form: zerebrale Krämpfe, Funktionsstörung des Großhirns, des Kleinhirns und des Rückenmarks. Herdförmige oder diffuse Ausbreitung. Häufigkeit: Nach Einführung der Masernimpfung sinkt die Zahl ständig: <10/Jahr/BRD. Letalität: 20%; Defektheilungen: 20-40%.
Subaktue sklerosierende Panenzephalitis (SSPE):
1 auf 106 Masernfälle: ca. 0-30 Fälle/Jahr/BRD; nur bei nicht gegen Masern
geimpften Kindern. Monate bis Jahre nach akuter Maserninfektion. 1. Stadium: psychische Störung und Demenz.
2. Stadium: Myoklonien, epileptische Anfälle.
3. Dezerebrationssyndrom. Langsam progredienter Verlauf über 1-3 Jahre. In 20% akuter
Verlauf. Hoher Masernantikörpertiter im Liquor. Masernvirusnukleokapside in Ganglien- und
Gliazellen. Isolierung eines Masernvirus mit defektem M-Protein: »SSPE-Virus«.
Letalität 100%.
Thrombozytopenische Purpura: 2-3 Wochen nach Exanthemausbruch; spontane Rückbildung; selten.
Einfluß der Masern auf andere Erkrankungen: ungünstiger Einfluß auf chronische Infektion der Atemwege, auf Tuberkulose, auf Mukoviszidose und Asthma.
Masern in der Schwangerschaft: selten. Vor Einführung der Impfung ca. 0,03%. Eine intrauterine Infektion des Kindes kann stattfinden. Keine typischen Mißbildungen und keine signifikante Erhöhung der Zahl der Mißbildungen, jedoch leichte Erhöhung der Sterberate der Säuglinge im 1. und 2. Lj. bei Infektion im 1. Trimenon. Keine Indikation für Schwangerschaftsabbruch.
Diagnostik: nur in Zweifelsfällen virologische Diagnostik erforderlich: IgM-Anti-Masernvirus.
Therapie: Symptomatisch. Antibiotika nur dann, wenn bakterielle Komplikation eingetreten ist. Bettruhe.
Pathogenese:
Virusaufnahme über Respirationstrakt und Konjunktiva. Vermehrung im Schleimhautepithel
und im lymphatischen Gewebe des Organismus. Ausbreitung über Blut- und Lymphwege. Mit
Beginn der Prodromi ist das Virus in Rachenabstrichen, im Urin und im Blut nachweisbar,
auch in den Koplik-Flecken.
IgM-Antikörper treten zum Zeitpunkt des Exanthems auf. IgG-Antikörper etwas verzögert, aber dann lebenslang persistierend. Normaler Krankheitsverlauf auch bei Agammaglobulinsyndromen, nicht bei hereditären Störungen des zellulären Immunsystems. Demnach letzteres für normalen Krankheitsverlauf entscheidend. Im einzelnen unklar. Während der akuten Phase der Erkrankung partielle Depression der zellulären Immunität gegen verschiedene Erreger, z.B. M. tuberculosis (negative Tuberkulin-Haut-Reaktion).
Epidemiologie:
Vorkommen:
(Liste der globalen Mortalität 1998: Akute Infektionen der unteren Luftwege: 3 745 000, 7,2 % aller Sterbefälle; Tuberkulose: 2 910 000, 5,6 %; Diarrhoen: 2 455 000, 4,7%; HIV/AIDS: 2 300 000, 4,4%; Malaria: 1,5-2,7 Mill. 2,9-5,2%; Masern: 960 000, 1,8%; Hepatitis B: 605 000,1,2%; Pertussis: 410 000, 0,8%; Neonataler Tetanus: 275 000, 0,5%; Dengue-Fieber: 140 000, 0,3%. Schwere Verlaufsformen (hohe Letalität an Masernpneumonie bis 25%) in manchen Entwicklungsländern, insbesondere der Sahelzone in Afrika.
In USA und Osteuropa Rückgang infolge Massenimpfung. Bei hoher Durchimpfung in den USA 1998 nur noch 100 bestätigte Fälle; davon waren 26 importiert, 74 endemisch, jedoch 45 von ihnen wurden von importierten Fällen angesteckt, nur 29 waren nicht importiert. Der Anteil der nicht importierten sank seit 1995 ständig: 1995 85%, 1996: 72%; 1997: 41%,1998: 29%. 32 der 45 importierten Fälle traten bei einem Ausbruch in Alaska auf: Besucher aus Japan) Von 2961 vom 15.4.99-4.2.00 in Holland gemeldeten Masernfällen (Meldepflicht! starben 3, erkrankten 5 an Enzephalitis, wurden 63 aus versch.Gründen hospitalisiert, erkrankten 130 an Lungenentzündung, 170 an Otitis media, 26 an Pneumonie und Otitis media, 56 an anderen respiratorischen Erkrankungen und 57 an anderen Erkrankungen. Ohne Komplikationen 2451 = 82,8%. Betroffen waren vor allem Gemeinden mit hohen Anteilen religiöser Sekten, die Impfungen ablehnen. MMWR 2000 Nr.299.
Übertragung: Tröpfcheninfektion. Hohe Kontagiosität.
Reservoir: Mensch
Risikopersonen: alle exponierten nicht geimpften Personen. In den USA infolge der Impfung Verschiebung in höhere Altersgruppen: 1984 29% bei den 10-14jährigen, 33% bei den 15-19jährigen nicht geimpften Personen.
Prophylaxe:
Aktive Schutzimpfung: Lebendimpfstoff aus attenuierten Viren. Eine
Dosis subkutan. Nicht vor dem 15. Lebensmonat verabreichen wegen Inhibition durch
diaplazentar erworbene Antikörper. Kombination mit Mumps und Röteln möglich. Wirksamkeit: sehr gut. Verträglichkeit:
gut. Selten Exanthem, Arthritis, Fieber, keine EEG-Veränderungen, keine SSPS.
Ziel: Ausrottung der Masern. Im Prinzip möglich, da ähnliche Kriterien erfüllt wie bei Ausrottung der Pocken: Manifestation 100% (alle Restfälle sind erkennbar); keine Virusausscheidung in der Inkubationszeit (Quarantäne möglich und sinnvoll); hochwirksamer Impfstoff (keine inapparenten Infektionsquellen bei geimpften Personen); Mensch einziger Wirt.
Problem: Dauer des Impfschutzes: Zunahme der Erwachsenenmasern - auch von Schwangeren - in USA beobachtet, da Masern dort noch nicht vollständig ausgerottet. Eventuell Nachlassen des Impfschutzes bei Adoleszenten oder Erregerwandel. Z.Zt. Diskussion der Frage eines Zusammenhanges zwischen Masernschutzimpfung und Morbus Crohn. Impfung wird weiterhin empfohlen.
Passive Immunisierung mit Masernimmunglobulin:
Bis zum 6. Tag der Inkubation können 0,2 ml/kg Masern verhindern (75-80%). Spätere
Applikation bis zum 9. Tag oder geringere Dosis führt zur Mitigation mit abgewandeltem
Masernbild. Dauer des passiven Schutzes: 3-4 Wochen.
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RS-Virusinfektion
Erreger Klinik Diagnostik Therapie Pathogenese Epidemiologie Prophylaxe
Erreger: RS-Virus; ein stabiler Serotyp
Klinik:
Grippaler Infekt: (s. Rhinovirusinfektionen) bei Kindern und Erwachsenen. Inapparente Infektionen.
Bronchiolitis: Inkubationszeit: 2-3 Tage. Bei Kindern unter 4 Jahren einschl. Neugeborenen nach starkem Schnupfen, Husten und bei hohem Fieber Krankheitserscheinungen, bedingt durch entzündliche Veränderung der Bronchiolen, mitbedingt durch die physiologische Enge der Atemwege und der noch schwach ausgebildeten Atemmuskulatur: exspiratorische Dyspnoe mit der Konsequenz eines obstruktiven alveolären Emphysems: Rechtsherz, Stauungsleber, Überblähungszeichen in der Lunge. Dauer 3-10 Tage. Bei weiterer Ausdehnung Pneumonie (interstitielle Pneumonie und Bronchopneumonie), Herz- und Kreislaufversagen. Letalität 5-7%, trotz antibiotischer Therapie.
Krupp: (s. akute stenosierende Laryngotracheitis bei Parainfluenzavirusinfektionen.)
Diagnostik: Antikörpertiteranstieg
Therapie: symptomatisch. Bei Verdacht auf bakterielle Superinfektion: Antibiotika, Ribavirin in Erprobung bei Säuglingen mit Vorschäden.
Pathogenese:
Nach Anwendung experimenteller Impfstoffe aus abgetöteten Viren beobachtete man im Falle
einer darauffolgenden Infektion schwere bronchiolitische Verläufe. Deshalb Hypothese,
daß der Zellschaden ein immunpathologischer Prozeß ist. Schweregrad der Erkrankungen bei
Neugeborenen möglicherweise Ausdruck der Beteiligung passiv übertragener mütterlicher
Antikörper. Lebenslange Immunität.
Epidemiologie:
Vorkommen: weltweit. Bei uns vor allem in den Wintermonaten. Vor allem
bei Bronchiolitis, Krupp und Pneumonie (ca. 10%), weniger bei Tonsillitis und Pharyngitis
(1-2%). Epidemien und sporadische Fälle.
In den USA
meldeten von Juli 1998- Juni 1999 72 Laboratorien in 45 Staaten 128 579 Teste auf RSV
(Antigennachweis, Virusisolierung), von denen 18
418 positiv waren. Höhepunkte: S: Dez./Jan.; NO:Dez/Febr.;W: Febr./Apr.; Mittel - W: Jan
u. März/April. Nur ungefähre Daten. MMWR 1999,Nr.1104.
Infektionsquelle: Mensch
Übertragung: Tröpfcheninfektion
Risikopersonen: manifeste Infektionen bis zum 15. Lj.
Bis zum 5. Lebensjahr 10-20% aller respiratorischen Infektionen. Hoch gefährdet sind Neugeborene und Säuglinge. Bei Erwachsenen kommen Reinfektionen vor, die meist symptomlos bleiben oder nur Schnupfen auslösen. Es gibt keine sichere antiinfektiöse Immunität.
Prophylaxe: keine wirksame und unschädliche Vakzine verfügbar.
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