Coronaviridae und Paramyxoviridae
CoronaviridaeGenus Coronavirus: menschliches Coronavirus; Mäusehepatitisvirus (MHV, Modellvirus für Hepatitispathogenese); Coronavirus MHV-JHM der Maus (Modellvirus für akute und chronische demyelinisierende Infektionen des ZNS).
Coronavirusinfektionen
Das menschliche Coronavirus ist Erreger von Schnupfen und Infekten der unteren Luftwege. Harmlos. Ätiologische Bedeutung bei Enteritis noch ungeklärt.
SARS
Man ist im Irrtum, wenn man meint, dass das Spektrum der verschiedenen krankheitsauslösenden Mikroben, der Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten, nach den Anfängen Robert Kochs vor ca 120 Jahren inzwischen vollständig bekannt sei. Man müsse vielmehr mit neuen Erregern rechnen,
solchen die aus irgendwelchen topographischen Nischen ausbrechen und zu einer Gefahr für die
Weltbevölkerung werden können wie z.B. aus den Urwäldern Afrikas kommend das HIV,
der Erreger von AIDS,
solchen, die durch eine genetische Variation,
z.B. eine Mutation einen bestehenden Immunschutz unterlaufen und dann zu Pandemien führen
können wie die Influenzaviren oder die durch Mutationen
entstehenden anibiotikaresistenten Bakterien, die uns in der Klinik viel Mühe
machen,
Erkrankungen, die der Klinik als Einzelfälle
schon lange bekannt waren, deren Erregernatur jedoch allererst offenbar wurde, als es zu
den ersten größeren Ausbrüchen kam wie bei Marburgvirus, Ebolavirus, Lassavirus oder dem Muerto
Canyon Virus, dem Erreger einer tödlichen Lungenentzündung in den USA.
Obwohl man in der Bekämpfung von
Infektionskrankheiten durch Therapie und Prophylaxe große Erfolge erzielt hat, dürfen
die Gefahren, die natürlicherweise von mikrobiellen Krankheitserregern ausgehen, nicht
unterschätzt werden. Zudem werden in den letzten Jahren die Möglichkeiten der
bioterroristischen Verbreitung hochpathogener
Mikroben wie z.B. der Pocken diskutiert .
In diesem
Zusammenhang ist das seit dem 16. November 2001 zuerst
in der Provinz Guangdong, in Südchina auftretende severe acute respiratory syndrom SARS, zu deutsch Schweres akutes
Atemwegssyndrom zu stellen, ein weiteres
Beispiel für eine ansteckende, oft tödliche Erkrankung mit einem zunächst unbekannten Erreger, der dann einige Monate später
als ein neues Virus der Coronaviridae Gruppe identifiziert werden konnte.
Erreger:
Nach anfänglicher Fehleinschätzung als Paramyxovirus konnte durch Anzüchtung in
Zellkulturen (z.B. Vero E6 Zellen), Immunfluoreszenz mit Rekonvaleszentenseren,
Elektronenmikroskopie , RT-PCR NS-Sequenzierung und Tierversuchen der Erreger unter
maßgeblicher Beteiligung des Instituts für Virologie (FaM, Prof. Dr. Doerr), und des
Tropeninstituts Hamburg (Prof.Fleischer), als ein bislang nicht bekanntes Coronavirus identifiziert werden: Vorläufige
Bezeichnung: SARS - CoV.
Krankheitsbild:
Inkubationszeit: 10 Tage.
WHO Definition für Verdachtsfälle: Hohes Fieber ( > 380C),
Husten, Kurzatmigkeit, sonstige Atembeschwerden, Hypoxie,
in den letzten 10 Tagen vor Auftreten der Symptome enger Kontakt mit an SARS
erkrankten Personen oder Reise in ein Gebiet mit SARS. Definition eines wahrscheinlichen Falles: 1. Röntgenbefund einer
Pneumonie oder eines Ateminsuffizienzsyndroms (RDS: respiratory distress
syndrome). 2. Nicht erklärbare Erkrankung des
Der Manifestationsindex der Infektion ist
unbekannt, insbesondere weiß man nicht, ob es infektiöse gesunde Träger des Virus gibt.
Epidemiologie
Die Erkrankung wurde erstmals am 11.Februar
2003 vom Gesundheitsministerium in China bekannt gemacht. Vom
1.November 2002 - zum 18.Juni 2003 wurden der WHO weltweit aus 29 Ländern 8465 Kranke als wahrscheinliche SARS-Fälle
gemeldet, darunter 801 Todesfälle (Letalität 9,5%). Wie unsicher die Klassifizierung
dieser Fälle ist, zeigen z.B. die Verhältnissse in den USA: In den USA wurden aus 42
Staaten den CDC in dem genannten Zeitraum 409 Fälle gemeldet, 334 ( 82%) als verdächtige
Fälle und 75 (18%, der WHO gemeldet) als wahrscheinliche Fälle (schwere Erkrankung mit
Pneumonie und akuter Ateminsuffizienz) eingestuft. 136 Verdachtsfälle und 45
wahrscheinliche Fälle wurden virusserologisch auf Antikörper gegen das SARS-CoV
untersucht. Von den verdächtigen Fällen war keiner positiv, von den wahrscheinlichen Fällen 8 ( = 18%). Von den 8 bestätigten Fällen
waren vier 10
Tage vorher in Hong Kong, 2 in Toronto und einer sowohl in Singapore als auch in Taiwan.
Der 8. Fall ist die Ehefrau eines bestätigten SARS -Patienten nach Besuch in Hong Kong.
Die Schwierigkeiten der Erkennung erschwert
die epidemiologische Analyse (s.o.). Ca. 5 % aller Reisekranheiten sind
Lungenentzündungen verschiedener Ursache. Allein in
einem Land wie den USA werden alljährlich ca 500 000 Kranke mit Lungenentzündungen
hospitalisiert, von denen nur die Hälfte ursächlich geklärt wird.
SARS trat nach den ersten Erkrankungen wenig
später nicht nur in angrenzenden Ländern auf, wie in Hongkong, in Singapore, Vietnam,
Thailand und Taiwan, sondern auch in Kanada und in den USA, in insgesamt 28 Länden, für
die WHO ein Hinweis, dass sich wie bei Virusgrippen eine Pandemie entwickeln könnte (entspr. Warnung Mitte März 2003). Die
epidemiologische Brisanz solcher Ereignisse wird deutlich, wenn man bedenkt, dass allein
im Jahre 2000 83 Millionen Menschen China besuchten, 13 Millionen Hongkong und 2 Millionen
Vietnam, umgekehrt reisten allein 460 000 Einwohner dieser Länder in die Vereinigten
Staaten.
Infektionsreservoir: unbekannt
Ansteckungsweg: Tröpfeninfektion, enger
Kontakt. Oft nosokomiale Ausbreitung, daneben durch Haushaltskontakt. Es gibt sekundäre
und tertiäre Ausbrüche vor allem in anderen Krankenhäusern (oft durch zu frühe Entlassung der primären Fälle
hervorgerufen).
Bevorzugtes Übertragungsmilieu: Krankenhäuser. Die Kontagiosität der Infektion ist generell gesehen mittelgradig. In manchen Fällen überraschenderweise sehr hohe Kontagiosität unbekannter Ursache.
Pathogenese. Es scheint sich um
ein durch den Erreger selbst hervorgerufenes
primäres Lungensyndrom zu handeln, bei der ein schwerer Verlauf nicht unbedingt durch
bakterielle Superinfektion verursacht wird.
Pathologisch - anatomisch steht eine Bronchiolitis obliterans im Vordergrund.
Diagnose:
Aus Sputum oder Bronchiallavage in der akuten Phase kann eine RT-PCR versucht werden.
Primer stehen zur Verfügung. Später (3 - 36 Tage nach Beginn der Erkrankung) treten mit
Immunfluoreszenz oder im ELISA nachweisbare spezifische
Antikörper gegen das Virus auf, die z.Zt
.noch eine hohe ätiologische Validität besitzen, da das Virus für die Weltbevölkerung
unbekannt war. Eine negative Labordiagnose erfolgt erst dann, wenn Antikörperbestimmung
am 21. Tag oder später immer noch negativ
ist.
Therapie: Symptomatisch; u.a. ev. Beatmung (im Raum sollte Unterdruck herrschen; Abzug mit virusdichtem Filter). Vorsichtshalber gibt man wegen der Gefahr einer bakeriellen (typische und atpyische Erreger) Superinfektion Breitbandantibiotika. In einem Fall gab man zusätzlich Oseltamivir , in einem anderen Corticosteroide. Ribavirin hat in-vivo keine Wirkung, dagegen in vitro Süssholzextrakt (Lakritzensaft) ( Mittlg.Doerr).
Prophylaxe:
Handschuhe, Mundschutz; Händedesinfektion. Kein spezifischer Immunschutz durch
Schutzimpfung.
Genus Paramyxovirus: Parainfluenzavirus, Mumpsvirus, Newcastle Disease Virus (NDV).
Genus Morbillivirus: Masernvirus.
Genus Pneumovirus: Respiratory Syncytial Virus (RS-Virus)
Parainfluenzavirusinfektionen
Erreger:
Parainfluenzaviren, Typen 1-4.Klinik: Grippaler Infekt:
Akute stenosierende Laryngotracheitis (Laryngitis subglottica,
Grippekrupp): subglottische tracheal-bronchialwärts fortschreitende Entzündung. 50%
aller Fälle Parainfluenzavirus 1 und 2. Beginn mit grippalem Infekt, allmählich oder
plötzlich dyspnoische Erscheinungen, Stridor, Atemnot, Husten, vor allem nächtlicher
Husten; Schmerzen am Kehlkopf. Die Symptome können rasch abklingen, langsam zurückgehen
oder auch zunehmen. Schwere Komplikationen, insbesondere bei bakterieller Superinfektion,
sind eitrige Tracheitis und eitrige Bronchopneumonie, Atelektase mit lebensgefährlichen
Kreislaufstörungen.
Differentialdiagnose: einfache Laryngitis, Pseudokrupp (Schwellungen der
Kehlkopfschleimhaut ohne Entzündungszeichen: nächtliche Hustenanfälle,
Erstickungserscheinungen unbekannter Genese), Epiglottitis (supraglottisch lokalisierte
entzündliche ödematöse Schwellung des Kehlkopfeingangs).
Bronchiolitis: s. RS-Virus-Infektion
Pneumonie (nur bei Säuglingen und Kleinkindern): Erstisolierung von Parainfluenza 1 bei Neugeborenenpneumonie, am häufigsten Parainfluenza 3.
Diagnostik:
Klinische Diagnostik maßgebend: Zyanose, Atemfrequenz, Stridor, Husten. Inspektion des
Nasen-Rachen-Raumes, evtl. Laryngoskopie; Perkussionsbefund meist gering. Auskultation:
feinblasige Rasselgeräusche; Röntgen: Thorax und Nebenhöhlen. Differentialdiagnose:
Laryngitis subglottica vs. Epiglottis; Bronchopneumonie vs. atypische Pneumonie;
Pertussis, pertussiformer Husten, Mukoviszidose. Mikrobiologische Diagnostik: Domäne der
Virusserologie: KBR. Titeranstieg. Eventuell bakteriologische Untersuchung.
Therapie
der stenosierenden Laryngitis: bei leichten Formen abschwellende lokale Maßnahmen (Spray,
kalte Kompressen, Calcium, Freiluft), entzündungshemmende Mittel, eventuell Antibiotika
(bei bakterieller Entzündung), Antitussiva, Sekretolytika. Antipyretika nur bei sehr
hohen Temperaturen. Bei schweren Formen: Tracheotomie oder Intubation. Komplikationen bei
Tracheotomie: Pneumothorax, Mediastinitis, Emphyseme.
Pathogenese:
Virusvermehrung in den Epithelien der Schleimhaut des Respirationstraktes mit
Zellschädigung. Bakterielle Superinfektion. Nur partielle Immunität. Superinfektionen
kommen vor, bei Erwachsenen dann nicht manifest oder mit geringer Symptomatik.
Epidemiologie:
Vorkommen:
Infektionsquelle: Mensch
Übertragung: Tröpfcheninfektion
Risikopersonen: Kinder <4 Jahre
Prophylaxe: Keine spezifische Prophylaxe
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