Suryoyo Online’s News


Mor Athanasius Yeshue Samuel

Metropolit der Syrisch-Orthodoxen Diözese
von den USA und Kanada

 

 

Mor Athanasius Yeshue Samuel ist am Weichnachtstag, den 25.12.1907, als Sohn von Ehepaar Saume aus Midyat und Hatun aus Beth-Sbirino im Dorf Hilwa in der Nähe von Nisibis geboren. Er verlor seinen Vater früh während der Massaker an den Armeniern und Aramäern durch die türkische Regierung, als Cholera in der Region ausbrach. Sein kleiner Bruder Malke wurde mit vielen anderen Dorfbewohnern massakriert. Er und seine Mutter konnten zuerst Schutz bei seinem Onkel Yusuf finden und versorgt werden, bis anschließend die von den Massakern übrig gebliebenen Dorfbewohner aus dem Dorf 1916 fliehen mussten. Er und seine Familie flohen mit dem Flüchtlingszug Richtung Tur`Abdin und wollten Schutz im Kloster Mor Malke finden. Trotzdem kamen sie und die anderen Flüchtlinge nie zur Ruhe. Denn sie wurden ständig von Kurden überfallen, und sein Onkel wurde dort umgebracht. Als die Flüchtlinge das Kloster Mor Malke verlassen mussten, ist der kleine und sehr kranke Yeshue für drei Tage vermisst gewesen, bis der Pfarrer Dimet von Harabale ihn schreiend gefunden und ihn nach Hause mitgenommen hat. Er und seine Mutter verbrachten den Winter 1917 in Nisibis. Von dort retteten sie sich mit anderen Flüchtlingen nach Aleppo, wo sie mehrere Monate verbrachten.

  • Als Schüler

Nach der Besatzung der Franzosen im Süden der Türkei kehrte er mit seiner Mutter wieder in die Türkei zurück und blieb in Adana. Hier ging Yeshue in die neu gegründete Schule für die vom Holocaust übrig gebliebenen syrischen Waisenkinder, wo er zum ersten Mal Fr. Hanna Dolabani (später Erzbischof von Mardin) als Lehrer kennen lernte. Die Schulzeit hielt leider nicht lange an. Als man erfuhr, dass Adana wieder unter der türkischen Herrschaft stand, wurde die Schule evakuiert. Yeshue und seine Mutter flüchteten diesmal in das Heilige Land auf dem Weg von Homs, Damaskus und Beirut und kamen in der Karwoche des Jahres 1923 in Jerusalem an. Yeshue setzte seine Schulausbildung in der Schule des Klosters Mor Markus in Jerusalem fort und erhielt dann im selben Jahr die Subdiakonatsweihe. Damals war der Schuldirektor Pater Yakub Salahi. In dieser Schule traf er sich mit einigen alten syrischen Schulkameraden von Adana wieder, wie Butrus und Abrohom Saume, der heute in Brasilien lebt und als Autor der Reihe der mardutho d-suryoye anzunehmen ist, und Bulus Cillif, der als Bischof später zu den Katholiken konvertiert sein dürfte, und aber auch mit Pater Hanna Dolabani, seinem Lehrer in der syrischen Waisenschule in Adana. Andere später bekannte Schulkameraden waren u.a. Mor Estethaus Kyriakos, der verstorbene Erzbischof von Hassake, und wahrscheinlich auch Mor Gregorius Circis Behnam von Aleppo. Pater Hanna Dolabani kam 1926 in der Begleitung des Patriarchen Mor Ignatius Eliyas III. Shakir nach Jerusalem. Der Patriarch wollte möglicherweise seine Residenz in das Kloster Mor Markus aus Sicherheitsgründen wegen der türkischen Herrschaft verlegen, weil sie damals wie auch heute die vom Massaker von 1915 übrig gebliebenen Syrer und Armenier aus ihrem Territorium vertrieb. 

  • Als Mönch

Der Patriarch gründete nun nach der Erholung von der massiven Verfolgung der Christen, durch die die syrische Kirche viel erlitten hat und die Zahl der Kleriker dezimiert wurde, das Priesterseminar im Kloster Mor Markus. Er ernannte Pater Hanna Dolabani zum Direktor. Der junge Yeshue begann mit dem Studium der Theologie und der Vertiefung der syrischen Literatur und entschied sich im Jahre 1927 zum Eintritt in den Orden des Mönchtums. Die Ordensweihe spendete der Patriarch Eliyas Shakir. Nebenbei kümmerte er sich auch um die Bibliothek des Klosters, wo er zum ersten Mal die Beschäftigung mit den alten syrischen Manuskripten und wichtigen Dokumente kennen lernte. Nach kurzer Zeit entschloss er sich, mit einigen anderen Studenten für zwei Jahre im koptisch-theologischen Kolleg in Kairo zu studieren. 1928 kehrte er wieder in das Kloster Mor Markus nach Jerusalem zurück, in der Hoffnung, auch die christliche Archäologie zu studieren. Möglicherweise wurde er dann mit Butrus Saume und Bulus Cillif zum Lehrer im neu gegründeten Priesterseminar vom Patriarchen ernannt.

Der Erzbischof von Jerusalem und Rektor des Priesterseminars, Mor Kyrillos Anton, stellte Fr. Yeshue als Sekretär für Patriarch Eliyas III. Shakir auf der pastoralen Reise nach Indien zur Verfügung. So begleitete er ihn am 13. Februar 1931 bis Kerala, wo es damals ca. drei Millionen Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien gab. Später löste sich ein geringer Teil von ihnen und ist bis heute unabhängig.  Genau nach einjährigem Aufenthalt am 13. Februar 1932 verstarb dort unerwartet der Patriarch Eliyas III. und wurde dort im Kloster Mor Ignatius beigesetzt. Damit ist er der erste in Indien beigesetzte Patriarch der syrischen Kirche. Fr. Yeshue blieb zunächst beim Erzbischof Mor Julius Eliyas Qoro ( 1962), dem apostolischen Delegat bei der syrisch-orthodoxen Diözese Indiens. Auf seine Anregung weihte er ihn am 4. April 1932 zum Priester. Im selben Jahr verließ Pater Yeshue Indien und kam wieder in sein Kloster Mor Markus zurück. Hier übernahm er die Arbeit der Herausgabe der Patriarchalzeitschrift mgaltho phatiryarkoyto  und der Betreuung der westlichen Stipendiaten bzw. Syrologen beim Studium der Handschriften und der syrischen Sprache. In dieser Zeit verbrachte er auch einige Zeit als Forscher der syrischen Handschriften im ehem. syrischen St. Katharinen-Kloster am Sinai (heute auf ägyptischem Territorium). In der Klosterbibliothek befanden sich früher viele alte syrische Handschriften und bis heute noch 257 Kodizes. Hier wurden die zwei ältesten Bibelmanuskripte (NT), der sog. syrische Codex Syro-Sinaiticus (Syr. 30) aus dem 5. Jahrhundert von A.S. Lewis und M.D. Gibson 1892 und der griechische Codex Sinaiticus aus dem 4. Jahrhundert von C. v. Tischendorf entdeckt. Das Kloster gehört z.Zt. zu den Melkiten, also den Rum-Orthodoxen.

  • Als Erzbischof

Nach dem Tode des Erzbischofs Mor Kyrillos Anton weihte der Patriarch Mor Ignatius Ephrem Barsaum 1939 Pater Yakub Salahi als Philoxenos zum Erzbischof von Jerusalem. Er leitete leider nicht lange seine Diözese, denn er verstarb nach kurzer Zeit, d.h. vor dem Ende des 2. Weltkrieges. Nun wurde Pater Yeshue wegen seines Engagements erst als Patriarchalvikar ernannt, und  er kümmerte sich um die Angelegenheiten der Diözese. Im Jahre 1946 kurz vor Weihnachten wurde er in Homs, in der damaligen Patriarchalresidenz, durch den Patriarchen Ephrem Barsaum als Nachfolger des verstorbenen Mor Philoxenos Yakub Salahi als Athanasius zum Erzbischof von Palästina und Transjordanien geweiht. Zum Weihespruch nahm er Jesus als wahrer und mitfühlender Hohepriester aus dem Hebräerbrief 5,1-4. In dieser Zeit arbeitete er hart als neues Oberhaupt sowohl in pastoralen als auch in kulturellen Aktivitäten für seine neue Diözese im Heiligen Land. Leider dauerte dort in Palästina der Friede nicht lange, da der Unabhängigkeitskrieg aus-brach. Im Krieg zwischen Arabern und Juden litt die Diözese wie die ganze Bevölkerung Palästinas.

·         Der Erwerb entdeckter Qumran-Rollen

Während dieses Unabhängigkeitskrieges des Staates Israels geschah etwas Neues im Leben des Erzbischofs Mor Athanasius, wodurch er begonnen hat, weltweit bekannt zu werden. Die Qumran-Rollen wurden im Februar oder März 1947 von einem 15jährigen Beduinenhirten in den Höhlen (1Q) von Khirbit Qumran am Toten Meer zufällig entdeckt, als er einen Stein nach seiner entlaufenen Ziege in eine Höhle warf und den Krug klirren hörte, der die Handschriften aufbewahrte.

Der Hirte brachte erst die Schriftrollen zu einem Scheich seines Marktfleckens Bethlehems. Dieser sah, dass die Schrift nicht arabisch war, und da er sie für syrisch hielt, schickte er den Beduinen zu dem syrisch-orthodoxen Kaufmann Iskender genannt Kando", der auch einen anderen syrischen Kaufmann George Isaiah in Jerusalem benachrichtigte. Der letztere gab dann die Nachricht an den Erzbischof Mor Athanasius weiter. Als die beiden eine der Schriftrollen in das Kloster Mor Markus brachten, erkannte der Erzbischof sofort die Schrift, dass sie nicht Syrisch, sondern Hebräisch war und zwar auf Leder oder Pergament sein müsse. Trotz der stark verschmutzten Rollen konnte er das Geheimnis enthüllen und sie als Heilige Schrift vermuten. Er sagte den beiden Syrern, er wolle die Schriftrollen kaufen. Nach einigen Wochen, also im Juli, kamen die Beduinen zum Wochenmarkt nach Bethlehem mit den Schriftrollen. Kando" telefonierte sofort mit dem Erzbischof über das Kommen der Beduinen in das Kloster. Als sie dort ankamen, wurden sie leider von einem Mönch am Eingang des Klosters nicht zum Erzbischof reingelassen, da dieser meinte, der Erzbischof kaufe diese bedeutungslosen, schmutzigen und zerrissenen Rollen nicht. Als der Erzbischof erfuhr, dass die Beduinen abgewiesen worden waren, rief er ziemlich aufgeregt den Kando". Dieser sagte zu ihm, zwei davon sind wieder zurückgekommen und stellten ihre Rollen bei mir ab, nachdem sie unterwegs mit einem jüdischen Kaufmann übereingekommen waren, ihm die Schriftrollen zu verkaufen. George Isaiah, der sie angeblich bis zum Kloster begleitete, überredete sie, das Angebot abzuschlagen. Der dritte Beduine aber, der auch bei der Entdeckung der Rollen dort war, suchte einen anderen Käufer und befand sich beim Scheich der Moslems in Bethlehem. Seinen Teil der Schriften erwarb dann ein Professor der Hebräischen Universität. Zwei Wochen später kamen die zwei Beduinen mit George Isaiah ins Kloster, und der Erzbischof konnte erst jetzt von ihnen die fünf Schriftrollen, die noch in ihrem Besitz waren, für 97,20 US-Dollar kaufen.

Unter diesen Rollen befanden sich u.a. das gut erhaltene Buch Jesajas (7,20 m), der Kommentar zu Habakuk (1,5 m),  das Handbuch der Unterweisung (1,80 m), ein aramäischer Midrash zu Genesis und die Schriftrolle vom Krieg der Söhne des Lichtes mit den Söhnen der Finsternis (über 2,75 m). Die Rolle der Dankpsalmen hatte der jüdische Professor Sukenik schon vorher gekauft. Die älteste Handschrift der Jesaia-Rolle wurde als aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. datiert. 

Nachdem Mor Athanasius Kontakt wegen des genauen Inhalts und Alters der Manuskripte mit mehreren Wissenschaftlern in Jerusalem aufgenommen hatte, brachte er sie Anfang September 1947 nach Syrien und zeigte sie dem Patriarchen Ephrem Barsaum in Homs. Danach hat er sie wieder nach Jerusalem gebracht. Der Krieg aber zwischen den Juden und Arabern hatte sich zugespitzt und man hatte Angst davor, dass diese Handschriften vernichtet werden könnten. Mor Athanasius versuchte daher, die Schriftrollen mit Pater Butrus Saume, Mönch des Klosters Mor Markus, in ein anderes syrisch-orthodoxes Kloster außerhalb Palästinas in Sicherheit zu bringen. Nach einigen Wochen, am 16. Mai, wurde jedoch das Kloster Mor Markus durch Granatfeuer beschädigt und dabei Pater Butrus Saume getötet.

Die erste Pressenachricht der New-Yorker Zeitung The Times rüttelte die Welt auf, als sie den Bericht von Miller Burrows, Professor im Amerikanischen Institut für Orientforschung in Jerusalem, am Montag, den 12. April 1948, unter der Überschrift Alte Handschriften in Palästina gefunden" brachte. Die Nachricht verbreitete sich blitzschnell in den Medien der ganzen Welt. In der Presse tauchte allerdings ein Irrtum auf, nämlich statt zu schreiben dass die Rollen vom syrisch-orthodoxen Kloster St. Markus erworben wurden", war die Meldung noch aufreizender: Die Rollen seien viele Jahrhunderte lang in der Bibliothek des syrisch-orthodoxen Klosters St. Markus in Jerusalem aufbewahrt worden“. Die Medienberichte schätzten schon damals den Wert der Fundrollen auf die Summe von einer Million Dollar. Mor Athanasius brachte die Qumran-Rollen zur Sicherheit für acht Monate in eine Bank nach Beirut und verschonte sie vor dem verwüstenden, palästinensisch-jüdischen Krieg. Das war, als der Patriarch Ephrem Barsaum im Oktober 1948 an die syrisch-orthodoxen Gläubigen in den Vereinigten Staaten und Kanada wegen finanzieller Unterstützung der Gläubigen im Heiligen Land appellierte. Er beauftragte Mor Athanasius, diese Hilfsaktion zu organisieren. Mor Athanasius nützte diesmal bei seiner Reise in die USA die Gelegenheit, die Qumranschriften nach Amerika zur Rettung und Erforschung zu bringen. Er erreichte am 19. Januar 1949 auf dem Seewege Jersey City, New Jersey. Während seiner ersten zwei Jahre in Amerika wurden sie untersucht und in einigen Institutionen öffentlich ausgestellt, zuerst in der Kongressbibliothek in Washington im Oktober und November 1949. Dann waren sie zu sehen in Yale, Harvard, Duke University, University of Chicago, Walters Art Gallery in Baltimore, in Christian Zion Research Library und im Kunstmuseum in Worchester, Massachussets. Allerdings sind die Rollen nicht lange in seinem Besitz geblieben. Am 1. Juli 1954 musste er sie wahrscheinlich aus Gründen der persönlichen Sicherheit an einen Herrn Sidny Esteridge für nur 250.000 US-Dollar  verkaufen. Vielleicht auch, weil der sechs Jahre alte jüdische Staat Israel diese Qumran-Rollen zur Rückgabe verlangt hatte. Später verkaufte Esteridge die Rollen wieder an einen jüdischen Herrn namens Samuel Gottesmann für die neu gegründete Hebräische Universität in Jerusalem. Nach anderen erwarb sie Sukeniks Sohn Yigael Yadin, der frühere Stabschef der israelischen Armee, für den Staat Israel. Auf jeden Fall wurde der Erwerb etwa ein Jahr später, am 13. Februar 1955, öffentlich bekannt gegeben.

Der Erlös aus dem Verkauf stiftete Mor Athanasius hauptsächlich als Archbishop Athanasius Trust  für wohltätige, kulturelle und religiösen Zwecke. Damit konnte u.a. das syrische Kloster Mor Mattai bei Mosul (Irak), wo der große syrischen Theologe und Philosoph Bar Ebroyo (1226-1286) begraben ist, restauriert, der Bau der drei großen und mit syrischen Kunstmotiven versehenen schönsten Gebäude (Empfangssaal, Bischofs- und Malfono-Räume) sowie der Kirchturm im Kloster Mor Gabriel (Tur`Abdin) vollständig finanziert, ebenso die Gebäude des Priesterseminars Mor Ephrem in Libanon und viele andere Einrichtungen der syrisch-indischen Kirche Indiens gebaut werden. 

o        Gründung der Diözese und Kircheneinweihung

Die Anfänge der Auswanderung der Syrer aus ihrer Heimat, Mesopotamien, Syrien und Palästina, in die Vereinigten Staaten und Kanada dürften in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts liegen. Der Grund dafür war die Verfolgung durch islamische Türken. Das Massaker von 1895 und der Holocaust von 1915 haben die Syrer in Schutt und Asche gelegt. Daher mussten viele Menschen fliehen und wurden in die Welt zerstreut. Damals kamen Tausende nach Süd- und Nordamerika. Unter ihnen waren auch berühmte Persönlichkeiten wie Na´um Faiq aus Diyarbakir im Jahre 1912. Diesen Leuten gelang es wahrscheinlich aus sprachlichen Gründen nicht - da nicht alle ihre Muttersprache, das Syrische, sprechen konnten, enge Kontakte miteinander zu knüpfen oder ausreichende Gemeinden aufzubauen. Als Mor Athanasius dort ankam, existierten nur zwei Kirchen der Gottesgebärerin, eine in West New York, New Jersey und die andere in Worcester, Massachusetts. Er sah sich dafür verantwortlich, ihr Seelsorger zu sein. Er begann, pausenlos für das zu sorgen, was ihnen fehlte. Er weihte die erste neue Kirche, Mor Ephrem, am 3.4.1949 in Central Falls, Rhode Island, ein und vier Monate später, nämlich am 28.8.1949, die zweite Kirche, Mor Iwannis Chrysostomus in Detroit, Michigan. Außerdem bildete er mehrere Gemeinderäte und schuf für sie katechetische und Gebetbücher. Dann kam man darauf, dass man nun über die Gründung einer neuen Diözese in Nordamerika und Kanada diskutieren musste. Der Patriarch Ephrem Barsaum ernannte ihn am 13.5.1952, als er die Hilfsaktion für die Syrer im Heiligen Land organisierte, als Patriarchalvikar für die syrischen Gemeinden der USA und Kanada. In East Coast wählte er nun eine Wohnung als seine künftige Residenz, die am 18.10.1952 offiziell eröffnet wurde. Nach zweijährigen Erfahrungen wurde die neue Erzdiözese gegründet und Mor Athanasius zum Diözesanerzbischof erhoben. In Kanada weihte er am 31.8.1952 die erste Kirche dem heiligen Mor Ephrem in Sheerbrooke, Quebec. Ein Gebäude in Fairmount und Grant Avenues in Hackensack wurde zu einer Kathedrale umgewandelt und am 7.9.1958 dem Kloster Mor Markus zu Jerusalem durch Mor Athanasius geweiht. Später jedoch baute die Diözese Nordamerika und Kanada eine neue große  Kathedrale, die ca. eine Million US-Dollar kostete, in der Stadt Teaneck, sie wurde erst im April 1994 offiziell eröffnet . Mor Athanasius weihte am 9.6.1963 die Kirche Mor Ephrem in Rhode Island, 1966 die Kirche Mor Ephrem in Los Angeles, California, am 7.4.1968 die Kirche der Gottesgebärerin in Paramus, New Jersey, 1968 die Kirche Mor Petrus und Paulus in Southfield, Michigan. Im Sommer 1972 errichtete Mor Athanasius zwei Kirchen, Mor Yuhannun Ma´mdono in Chicago, Illinois und Mor Yakub in Montreal, Kanada und holte dafür zwei Priester aus Libanon. Als letzte Kirche weihte er am 25.12.1994 die Kirche Mor Athanasius in San Beiter, Florida ein.

o        Pastorale Weltreisen

Mor Athanasius begleitete den neuen Patriarchen Yakub III. auf einer viermonatigen apostolischen Reise in Südamerika zu den Syrisch-orthodoxen, die dorthin aus dem Nahen Osten auswanderten. Sie kamen am 13.3.1958 in Sao Paulo an und besuchten Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Campo Grande und Corumba. In Sao Paulo legte der Patriarch Ecksteine für die zwei Kirchen Mor Yuhannon Ma´mdono und Mor Yakub. Von Brasilien setzten sie ihre Reise nach Argentinien über Paraguay fort und kamen am 12.6.1958 in Buenos Aires an. Dort weihte der Patriarch die neue Kirche Mor Ephrem ein. Dann reisten sie nach La Plata weiter, wo er ebenfalls die Kirche Mor Petrus einweihte. Der Patriarch Yakub unternahm 1960 mit Mor Athanasius eine andere Reise in die USA zu allen syrischen Gemeinden. Zehn Jahre später, im Frühling 1971, empfing er wiederum den Patriarchen und wurde von ihm wegen seines guten pastoralen Dienstes am Aufbau und der Erweiterung der Diözese und anderen Organisationen gelobt. 

Anlässlich der Konferenz des Weltkirchenrates in New Delhi, Indien beauftragte ihn der Patriarch 1961, dort die syrisch-orthodoxe Kirche zu vertreten. Die syrisch-orthodoxe Kirche ist seit 1960 ständiges Mitglied im Weltkirchenrat, der aus fast allen christlichen Kirchen und Konfessionen mit Ausnahme der römisch-katholischen Kirche besteht. Mor Athanasius machte Besuche auf dem Weg nach Indien beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel (der griechisch-orthodoxen Kirche), Athenagoras I. in Istanbul, (wahrscheinlich bei der türkischen Regierung) in Ankara, der syrisch-orthodoxen Diözese Diyarbakir, die seit dem Tode ihres letzten Erzbischofs Mor Dionysius Abdul-Nur im Jahre 1933 der Diözese Mardin unterstellt ist. Er weilte in der Kathedrale der Gottesgebärerin in der Altstadt, wo die Gräber der großen Kirchenlehrer Mor Yakub von Sarug (451-521) und Mor Dionysius Y. Bar Salibi ( 1171) sowie des Patriarchen Yakub II. (1800-1871) sind. Mor Athanasius besuchte die Diözese Mardin und das Kloster Deyr Za`faran, das seit dem 12. Jh. bis 1923 Residenz der syrisch-orthodoxen Patriarchen war. Hier begegnete er seinem ehem. Spiritual und Lehrer aus der Zeit der Waisenschule von Adana und des Klosters Mor Markus zu Jerusalem, Erzbischof Hanna Dolabani. Ebenfalls reiste er nach Tur`Abdin, zuerst nach Midyat, der Geburtsstadt seines Vaters, und nach dem Kloster Mor Gabriel, wo er prächtige Gebäude bauen ließ. Er verließ die Türkei und begab sich über Beirut nach Damaskus zu dem Patriarchen, der ihn genauer über seine Mission in New Delhi informierte. Von dort flog er nach New Delhi zur 3. Konferenz des Weltkirchenrates vom 19.11. bis 5.12.1961. Anschließend besuchte er die syrische Kirche in Kerala. Mit dem apostolischen Delegat in Indien, Mor Julius Eliyas Qoro, der ihn vor dreißig Jahren dort zum Priester geweiht hatte, wurde er von Tausenden Gläubigen in den Gemeinden herzlich empfangen. Damit beendete er seine Reise und kehrte in die USA zurück. Sechs Jahre später repräsentierte er zum zweiten Mal die syrisch-orthodoxe Kirche im Auftrag des Patriarchen bei der 4. Konferenz des Weltkirchenrates (4.- 20.7.1968), diesmal in Uppsala, Schweden. Einen Monat vorher besuchte Mor Athanasius die aus dem Mittleren Osten emigrierten Syrer in Schweden und betreute sie mit pastoralen Diensten, weil es dort damals noch keine syrischen Geistlichen gab. Von dort schrieb der Erzbischof in einem Gutachten über die Lage der zerstreuten Gläubigen an den Patriarchen über die Gründung syrischer Gemeinden und anderer Organisationen in Schweden und bat ihn um Sendung einiger Priester für ihre pastoralen Angelegenheiten. Den syrischen Gemeinden wurden dann unmittelbar zwei Priester aus Beirut zur Verfügung gestellt. Aus Schweden flog er zum ersten Mal nach seiner Auswanderung im Jahre 1948 in das Heilige Land und wurde von seinen ehem. Diözesanmitgliedern im Vorstand des Erzbischofs von Jerusalem Mor Dioskorus Luka empfangen. Zum ersten Mal besichtigte er nach dem Verkauf auch die Qumran-Rollen an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, anschließend die Qumran-Höhlen am Toten Meer. Er vertrat ebenfalls die syrisch-orthodoxe Kirche bei der 5. und 6. Konferenz des Weltkirchenrates 1983 in Vancouver, Kanada und 1991 in Canberra, Australien. 

An die ersten Konferenz der orientalisch-orthodoxen Kirchen, die der Kaiser von Äthiopien Haile Selassie I. am 25.1.1965 in Addis Abeba einberufen hatte, hatte Mor Athanasius mit dem Patriarch Yakub III., Katholikos aus Indien und anderen Erzbischöfe teilgenommen. Die Konferenz bestand nur aus der syrischen, koptischen, äthiopischen und armenischen Schwesterkirchen, die über die Rolle der orientalisch-orthodoxen Kirchen im Christentum und in der Welt diskutierte.

In Europa: Nach einer langjährigen Erfahrung des Mor Athanasius in der Außenpolitik der syrischen Kirche begleitete er auch diesmal den Patriarchen Mor Ignatius Yakub III. mit zwei anderen Erzbischöfen Mor Severius Zakka Iwas von Bagdad und Basra (der gegenwärtige Patriarch) und Mor Gregorius Saliba Shem´un von Mosul, auf seinen apostolischen Besuchen in Europa. Auf Einladung von Herrn Prof. Dr. Werner Strothmann  zu einem Vortrag an der Universität Göttingen kamen sie am 2.10.1971 zum ersten Mal nach Deutschland. Nach München und Frankfurt verweilten sie vom 4. bis zum 8. Oktober in Göttingen. Der Patriarch hielt in der Göttinger Akademie der Wissenschaften im Rahmen des ersten internationalen Symposium Syriacum" einen Vortrag über The Syrian Orthodox Church of Antioch“. Anschließend besuchte er syrische Gemeinden in Deutschland und flogen am 17.10.1971 nach Genf, Schweiz, wo sie vom Generalsekretär des Weltkirchenrates empfangen wurden. 

Bei den Päpsten: Nach einem Besuch der Schweiz kam der Patriarch mit seinen begleitenden Erzbischöfen, unter ihnen immer auch Mor Athanasius, im Oktober 1971 nach Rom zu einer historischen Begegnung der Oberhäupter der syrisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche. Dieses offizielle Treffen der beiden Petrusnachfolger" dürfte das erste seit genau 1520 Jahren sein, denn das von Leo, dem Bischof von Rom" einberufene Konzil von Chalkedon 451 verursachte das schmerzhafte Schisma zwischen östlicher und westlicher Kirche. Durch diese ersten Begegnung und die Aufnahme eines theologischen Dialoges versöhnten sich beide Kirchenoberhäupter, der Patriarch Zakka Iwas und der Papst Johannes Paul II., im Juni 1984 miteinander und unterschrieben ein Kommuniqué über pastorale Zusammenarbeit. Daran hat jedoch Mor Athanasius mitgewirkt, der schon vorher im Oktober 1968 auf seiner Rückkehr von Israel in die USA den Papst Paul VI. im Vatikan besucht hatte. Im November 1971 begleite Mor Athanasius wieder den Patriarchen Yakub III. bei der Inthronisation des Papstes der koptisch-orthodoxen Kirche Shenuda III. auf dem apostolischen Stuhl des Mor Markus in Kairo. Mor Athanasius kehrte von dort nach Syrien zurück, wo er die Diözesen Aleppo, Homs und Gezire zusammen mit Mor Dionysius Circis und Mor Estethaus Kyriakos und anschließend den Tur Abdin besuchte. Er besuchte ebenso Kuwait im Februar 1972 mit dem neuen apostolischen Delegat in Indien Mor Timotheus Ephrem Abude, der vor einem Monat in seiner Anwesenheit in Beirut zum Erzbischof geweiht wurde. Nach letzten Stationen in Basra und im Libanon kam er am 4. März 1972 in seine Diözese in die USA zurück. Im Oktober 1972 flog er zum dritten Mal nach Kerala, Indien und repräsentierte den Patriarchen bei der Feier des Inthronisationsjubiläums des antiochenischen Patriarchen auf dem Stuhl Petri. Diese Zeremonie findet alle fünf Jahre in Anwesenheit von hundert-tausenden Menschen statt. Damit zeigten die syrisch-orthodoxen Inder im Gegenteil zu den zur syrischen Kirche gehörenden Schismatikern ihre wahre Treue und Verbundenheit mit dem apostolischen Stuhl von Antiochien. Nach fünfmonatigem Aufenthalt in Kerala kehrte er am 25. März 1973 in die USA zurück. 1981 besuchte er mit dem Patriarchen und anderen Erzbischöfen während der ersten pastoralen Reise des neu inthronisierten Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas die syrisch-orthodoxe Kirche Indiens. Noch mehrmals reiste er auch in den Nahen Osten und nahm an den Synoden der syrisch-orthodoxen Kirche teil. 1984 weilte er im Kloster Mor Gabriel und weihte dort fünf Nonnen zum Mönchsorden, darunter auch meine Schwester Dayroyto Seyde Büyük. Als letzte pastorale Reise war er im August 1994 in Mitteleuropa, als er an die Kathedral-Einweihung des Klosters Mor Ephrem der Syrer in Holland teilnahm.

·               25jähriges Bischofs-Jubiläum 

Mor Athanasius feierte am 2. Juni 1973 sein 25jähriges Jubiläum der Bischofsweihe in der Kirche der Gottesgebärerin in Paramus, New Jersey. Als seine Gäste waren u.a. die Generalsekretäre der Bibelgesellschaft und des Nationalen Kirchenrates Amerikas sowie der Vertreter des Zentralkomitees des Weltkirchenrates anwesend. Als Ehrengäste waren auch der Repräsentant des Patriarchen Mor Ignatius Yakub III., Mor Malatius Barnaba aus Homs, die Oberbürgermeister der Städte Hackensack und Paramus sowie der ehem. Senator des Bundesstaates New Jersey, Vertreter aus den maronitischen, armenischen und koptischen Diözesen Amerikas und der Herausgeber der arabischen Zeitung al-Islaah" gekommen. Zum Anlass dieses Jubiläums bekam Mor Athanasius Glückwünschbriefe vom Patriarchen und von den Erzbischöfen der syrisch-orthodoxen Kirche.

  • Bei der Wahl der Patriarchen

Mor Athanasius nahm an die Wahl und Inthronisation von zwei syrisch-orthodoxen Patriarchen teil. Nach dem Tode des berühmten Patriarchen Ephrem I. Barsaum am 23. Juni 1957, der dem Mor Athanasius die Bischofsweihe spendete, wurde der Patriarch Yakub III. am 14. Oktober 1957 zum Patriarchen gewählt und am 27. Oktober 1957 auf den apostolisch-patristischen Stuhl von Antiochien erhoben. Nach seinem Tode am 25. Juni 1980 in Damaskus wurde der Erzbischof von Bagdad und Basra Mor Severius Zakka Iwas am 11. Juli 1980 gewählt und am 14. September 1980 inthronisiert. Mor Athanasius war bei der Wahl des letzten der älteste auch im Amt unter den 15 anwesenden Erzbischöfen.

  • Werke und Publikationen

Als junger Mönch verfasste Mor Athanasius ein sechsbändiges Werk der Elementarlehre der syrischen Sprache unter dem original syrischen Titel mhadyono d-sarwoyo l-leshono suryoyo, mit englischem Untertitel Syriac, New Method Readers. Der 1. Band erschien schon 1937,  die 2. und 3. Bände. 1945. Die 4., 5. und 6. Bände sind 1946 verfasst, aber erst 1984 im Kloster St. Ephrem der Syrer, Holland, mit der zweiten Auflage der ersten drei Bände veröffentlicht. Seine Autobiographie im originalen Arabisch und in englischer Übersetzung: Treasure of Qumran, my Story of the Dead Sea Scrolls, Philadelphia, Westminster 1966; The Purchase of the Jerusalem Scrolls, in: Biblical Archaeologist, 1949, 26-31. Herausgegeben hat er mit englischer Übersetzung: The shorter Catechism of the Syrian Orthodox Church, Patriarch Ephrem Barsaum, [New Jersey] 1950; The Golden Key to Divine Worship, Patriarch Ephrem Barsaum, [New Jersey] 1951;  Anaphora, The divine Liturgy of Saint James the first Bishop of Jerusalem, Hackensack, New Jersey 1967; Tekso da´modo qadisho: The Sacrament of Holy Baptism, According to the ancient Rite of the Syrian Orthodox Church of Antioch, Jounieh, Libanon 1974; Tekso d-´uphoyo d-´anide: The Order for the Burial of the Dead, According to the ancient Rite of the Syrian Orthodox Church of Antioch, Jounieh, Libanon 1974; Tekso d-burok klilo d-hatne wad-kaloto: The Order of Solemnization of the Sacrament of Matrimony, According to the ancient Rite of the Syrian Orthodox Church of Antioch, Jounieh, Libanon 1974; Ma´de´dono: The Book of the Church Festivals of the Syrian Orthodox Church of Antioch, New Jersey 1984; Anaphoras: The Book of the divine Liturgies, According to the Rite of the Syrian Orthodox Church of Antioch, [13 Anaphoren], New Jersey 1991. Er dürfte auch zahlreiche Artikel in dem Patriarchal Journal  während seines Aufenthalts in Jerusalem veröffentlicht haben. Zum Anlass des 25jährigen Bischofs-Jubiläums gab der Diözesanrat ein 25seitiges Heft unter dem Titel: Jubilee Banquet: Celebrating the Twenty-fifth Year of Episcopal Consecration of his Eminence Archbishop Mar Athanasius Yeshue Samuel, Paramus, N.J. 1973 heraus. Darin wurden die Glückwunschbriefe des Patriarchen und der syrischen Erzbischöfe und eine kurze Autobiographie veröffentlicht, der ich die meisten Grunddaten und Fakten meines Berichts entnommen habe.

  • Schlussbemerkungen 

Ehrungen: Ihm wurden verliehen: als höchste Auszeichnung des syrisch-orthodoxen Patriarchats das Goldene Kreuz des Mor Ignatius Nurono" und der Titel Ro´yo Shariro" (der wahre Hirte) 1983 vom Patriarchen Zakka Iwas, das goldene Kreuz und päpstliche Medaillon 1971 vom verstorbenen Papst Paul VI. während seines Besuchs mit Patriarch Yakub III, die kaiserliche Auszeichnung 1961 vom Kaiser Haile Selassie I. von Äthiopien und der Ehrendoktor der Theologie 1989 von der theologischen Fakultät der Universität New York; 1989 wurde er als Senior der Erzbischöfe der syrisch-orthodoxen Kirche bei der Heiligen Synode gewählt. Er war seit 1960 Mitglied im Weltkirchenrat und im Nationalrat der christlichen Kirchen in Amerika, 1971 Vizepräsident der ständigen Konferenz der orientalisch-orthodoxen Kirchen in Amerika.

Gabriel Rabo

Zum Nachruf und Tod von Mor Athanasius Yeshue Samuel

Autor: Gabriel Rabo
First
updated: 1.11.1998
Last
updated: 1.5.2004
Copyright 1998-2004

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