Suryoyo Online’s News
|
Metropolit der Syrisch-Orthodoxen
Diözese
Nach der Besatzung der Franzosen im Süden der Türkei
kehrte er mit seiner Mutter wieder in die Türkei zurück und blieb in Adana.
Hier ging Yeshue in die neu gegründete Schule für die vom Holocaust übrig
gebliebenen syrischen Waisenkinder, wo er zum ersten Mal Fr. Hanna Dolabani
(später Erzbischof von Mardin) als Lehrer kennen lernte. Die Schulzeit hielt
leider nicht lange an. Als man erfuhr, dass Adana wieder unter der türkischen
Herrschaft stand, wurde die Schule evakuiert. Yeshue und seine Mutter
flüchteten diesmal in das Heilige Land auf dem Weg von Homs, Damaskus und
Beirut und kamen in der Karwoche des Jahres 1923 in Jerusalem an. Yeshue
setzte seine Schulausbildung in der Schule des Klosters Mor Markus in
Jerusalem fort und erhielt dann im selben Jahr die Subdiakonatsweihe. Damals
war der Schuldirektor Pater Yakub Salahi. In dieser Schule traf er sich mit
einigen alten syrischen Schulkameraden von Adana wieder, wie Butrus und
Abrohom Saume, der heute in Brasilien lebt und als Autor der Reihe der mardutho d-suryoye anzunehmen ist, und
Bulus Cillif, der als Bischof später zu den Katholiken konvertiert sein
dürfte, und aber auch mit Pater Hanna Dolabani, seinem Lehrer in der
syrischen Waisenschule in Adana. Andere später bekannte Schulkameraden waren
u.a. Mor Estethaus Kyriakos, der verstorbene Erzbischof von Hassake, und
wahrscheinlich auch Mor Gregorius Circis Behnam von Aleppo. Pater Hanna
Dolabani kam 1926 in der Begleitung des Patriarchen Mor Ignatius Eliyas III.
Shakir nach Jerusalem. Der Patriarch wollte möglicherweise seine Residenz in
das Kloster Mor Markus aus Sicherheitsgründen wegen der türkischen Herrschaft
verlegen, weil sie damals wie auch heute die vom Massaker von 1915 übrig gebliebenen
Syrer und Armenier aus ihrem Territorium vertrieb.
Der Patriarch gründete nun nach der Erholung von der
massiven Verfolgung der Christen, durch die die syrische Kirche viel erlitten
hat und die Zahl der Kleriker dezimiert wurde, das Priesterseminar im Kloster
Mor Markus. Er ernannte Pater Hanna Dolabani zum Direktor. Der junge Yeshue
begann mit dem Studium der Theologie und der Vertiefung der syrischen
Literatur und entschied sich im Jahre 1927 zum Eintritt in den Orden des
Mönchtums. Die Ordensweihe spendete der Patriarch Eliyas Shakir. Nebenbei
kümmerte er sich auch um die Bibliothek des Klosters, wo er zum ersten Mal
die Beschäftigung mit den alten syrischen Manuskripten und wichtigen
Dokumente kennen lernte. Nach kurzer Zeit entschloss er sich, mit einigen
anderen Studenten für zwei Jahre im koptisch-theologischen Kolleg in Kairo zu
studieren. 1928 kehrte er wieder in das Kloster Mor Markus nach Jerusalem
zurück, in der Hoffnung, auch die christliche Archäologie zu studieren.
Möglicherweise wurde er dann mit Butrus Saume und Bulus Cillif zum Lehrer im
neu gegründeten Priesterseminar vom Patriarchen ernannt. Der
Erzbischof von Jerusalem und Rektor des Priesterseminars, Mor Kyrillos Anton,
stellte Fr. Yeshue als Sekretär für Patriarch Eliyas III. Shakir auf der
pastoralen Reise nach Indien zur Verfügung. So begleitete er ihn am 13.
Februar 1931 bis Kerala, wo es damals ca. drei Millionen Mitglieder der
syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien gab. Später löste sich ein geringer
Teil von ihnen und ist bis heute unabhängig. Genau nach einjährigem
Aufenthalt am 13. Februar 1932 verstarb dort unerwartet der Patriarch Eliyas
III. und wurde dort im Kloster Mor Ignatius beigesetzt. Damit ist er der
erste in Indien beigesetzte Patriarch der syrischen Kirche. Fr. Yeshue blieb
zunächst beim Erzbischof Mor Julius Eliyas Qoro († 1962), dem apostolischen Delegat bei der syrisch-orthodoxen Diözese
Indiens. Auf seine Anregung weihte er ihn am 4. April 1932 zum Priester. Im
selben Jahr verließ Pater Yeshue Indien und kam wieder in sein Kloster Mor
Markus zurück. Hier übernahm er die Arbeit der Herausgabe der
Patriarchalzeitschrift mgaltho
phatiryarkoyto und der Betreuung der westlichen Stipendiaten bzw.
Syrologen beim Studium der Handschriften und der syrischen Sprache. In dieser
Zeit verbrachte er auch einige Zeit als Forscher der syrischen Handschriften
im ehem. syrischen St. Katharinen-Kloster am Sinai (heute auf ägyptischem
Territorium). In der Klosterbibliothek befanden sich früher viele alte
syrische Handschriften und bis heute noch 257 Kodizes. Hier wurden die zwei
ältesten Bibelmanuskripte (NT), der sog. syrische Codex Syro-Sinaiticus (Syr.
30) aus dem 5. Jahrhundert von A.S. Lewis und M.D. Gibson 1892 und der griechische
Codex Sinaiticus aus dem 4. Jahrhundert von C. v. Tischendorf entdeckt. Das Kloster
gehört z.Zt. zu den Melkiten, also den Rum-Orthodoxen.
Nach dem Tode des Erzbischofs Mor Kyrillos Anton weihte
der Patriarch Mor Ignatius Ephrem Barsaum 1939 Pater Yakub Salahi als Philoxenos
zum Erzbischof von Jerusalem. Er leitete leider nicht lange seine Diözese,
denn er verstarb nach kurzer Zeit, d.h. vor dem Ende des 2. Weltkrieges. Nun
wurde Pater Yeshue wegen seines Engagements erst als Patriarchalvikar
ernannt, und er kümmerte sich um die Angelegenheiten der Diözese. Im
Jahre 1946 kurz vor Weihnachten wurde er in Homs, in der damaligen
Patriarchalresidenz, durch den Patriarchen Ephrem Barsaum als Nachfolger des
verstorbenen Mor Philoxenos Yakub Salahi als Athanasius zum Erzbischof von
Palästina und Transjordanien geweiht. Zum Weihespruch nahm er Jesus als
wahrer und mitfühlender Hohepriester aus dem Hebräerbrief 5,1-4. In dieser Zeit
arbeitete er hart als neues Oberhaupt sowohl in pastoralen als auch in
kulturellen Aktivitäten für seine neue Diözese im Heiligen Land. Leider
dauerte dort in Palästina der Friede nicht lange, da der Unabhängigkeitskrieg
aus-brach. Im Krieg zwischen Arabern und Juden litt die Diözese wie die ganze
Bevölkerung Palästinas. ·
Der Erwerb entdeckter Qumran-Rollen Während dieses Unabhängigkeitskrieges des Staates
Israels geschah etwas Neues im Leben des Erzbischofs Mor Athanasius, wodurch
er begonnen hat, weltweit bekannt zu werden. Die Qumran-Rollen wurden im
Februar oder März 1947 von einem 15jährigen Beduinenhirten in den Höhlen (1Q)
von Khirbit Qumran am Toten Meer zufällig entdeckt, als er einen Stein nach
seiner entlaufenen Ziege in eine Höhle warf und den Krug klirren hörte, der
die Handschriften aufbewahrte. Der
Hirte brachte erst die Schriftrollen zu einem Scheich seines Marktfleckens Bethlehems.
Dieser sah, dass die Schrift nicht arabisch war, und da er sie für syrisch
hielt, schickte er den Beduinen zu dem syrisch-orthodoxen Kaufmann Iskender
genannt „Kando", der auch einen
anderen syrischen Kaufmann George Isaiah in Jerusalem benachrichtigte. Der
letztere gab dann die Nachricht an den Erzbischof Mor Athanasius weiter. Als
die beiden eine der Schriftrollen in das Kloster Mor Markus brachten,
erkannte der Erzbischof sofort die Schrift, dass sie nicht Syrisch, sondern
Hebräisch war und zwar auf Leder oder Pergament sein müsse. Trotz der stark verschmutzten
Rollen konnte er das Geheimnis enthüllen und sie als Heilige Schrift
vermuten. Er sagte den beiden Syrern, er wolle die Schriftrollen kaufen. Nach
einigen Wochen, also im Juli, kamen die Beduinen zum Wochenmarkt nach
Bethlehem mit den Schriftrollen. „Kando" telefonierte sofort
mit dem Erzbischof über das Kommen der Beduinen in das Kloster. Als sie dort
ankamen, wurden sie leider von einem Mönch am Eingang des Klosters nicht zum
Erzbischof reingelassen, da dieser meinte, der Erzbischof kaufe diese
bedeutungslosen, schmutzigen und zerrissenen Rollen nicht. Als der Erzbischof
erfuhr, dass die Beduinen abgewiesen worden waren, rief er ziemlich aufgeregt
den „Kando". Dieser sagte zu
ihm, zwei davon sind wieder zurückgekommen und stellten ihre Rollen bei mir
ab, nachdem sie unterwegs mit einem jüdischen Kaufmann übereingekommen waren,
ihm die Schriftrollen zu verkaufen. George Isaiah, der sie angeblich bis zum
Kloster begleitete, überredete sie, das Angebot abzuschlagen. Der dritte
Beduine aber, der auch bei der Entdeckung der Rollen dort war, suchte einen
anderen Käufer und befand sich beim Scheich der Moslems in Bethlehem. Seinen
Teil der Schriften erwarb dann ein Professor der Hebräischen Universität.
Zwei Wochen später kamen die zwei Beduinen mit George Isaiah ins Kloster, und
der Erzbischof konnte erst jetzt von ihnen die fünf Schriftrollen, die noch
in ihrem Besitz waren, für 97,20 US-Dollar kaufen. Unter
diesen Rollen befanden sich u.a. das gut erhaltene Buch Jesajas (7,20 m), der
Kommentar zu Habakuk (1,5 m), das Handbuch der Unterweisung (1,80 m),
ein aramäischer Midrash zu Genesis und die Schriftrolle vom Krieg der Söhne
des Lichtes mit den Söhnen der Finsternis (über 2,75 m). Die Rolle der
Dankpsalmen hatte der jüdische Professor Sukenik schon vorher gekauft. Die
älteste Handschrift der Jesaia-Rolle wurde als aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.
datiert. Nachdem
Mor Athanasius Kontakt wegen des genauen Inhalts und Alters der Manuskripte
mit mehreren Wissenschaftlern in Jerusalem aufgenommen hatte, brachte er sie
Anfang September 1947 nach Syrien und zeigte sie dem Patriarchen Ephrem
Barsaum in Homs. Danach hat er sie wieder nach Jerusalem gebracht. Der Krieg
aber zwischen den Juden und Arabern hatte sich zugespitzt und man hatte Angst
davor, dass diese Handschriften vernichtet werden könnten. Mor Athanasius
versuchte daher, die Schriftrollen mit Pater Butrus Saume, Mönch des Klosters
Mor Markus, in ein anderes syrisch-orthodoxes Kloster außerhalb Palästinas in
Sicherheit zu bringen. Nach einigen Wochen, am 16. Mai, wurde jedoch das
Kloster Mor Markus durch Granatfeuer beschädigt und dabei Pater Butrus Saume getötet. Die
erste Pressenachricht der New-Yorker Zeitung The Times rüttelte die Welt auf, als sie den Bericht von Miller
Burrows, Professor im Amerikanischen Institut für Orientforschung in
Jerusalem, am Montag, den 12. April 1948, unter der Überschrift „Alte Handschriften in Palästina gefunden" brachte.
Die Nachricht verbreitete sich blitzschnell in den Medien der ganzen Welt. In
der Presse tauchte allerdings ein Irrtum auf, nämlich statt zu schreiben dass
„die Rollen vom syrisch-orthodoxen Kloster St.
Markus erworben wurden", war die Meldung noch aufreizender: Die Rollen
seien „viele Jahrhunderte lang in der
Bibliothek des syrisch-orthodoxen Klosters St. Markus in Jerusalem aufbewahrt
worden“. Die Medienberichte schätzten schon damals den Wert der
Fundrollen auf die Summe von einer Million Dollar. Mor Athanasius brachte die
Qumran-Rollen zur Sicherheit für acht Monate in eine Bank nach Beirut und
verschonte sie vor dem verwüstenden, palästinensisch-jüdischen Krieg. Das
war, als der Patriarch Ephrem Barsaum im Oktober 1948 an die
syrisch-orthodoxen Gläubigen in den Vereinigten Staaten und Kanada wegen
finanzieller Unterstützung der Gläubigen im Heiligen Land appellierte. Er
beauftragte Mor Athanasius, diese Hilfsaktion zu organisieren. Mor Athanasius
nützte diesmal bei seiner Reise in die USA die Gelegenheit, die
Qumranschriften nach Amerika zur Rettung und Erforschung zu bringen. Er
erreichte am 19. Januar 1949 auf dem Seewege Jersey City, New Jersey. Während
seiner ersten zwei Jahre in Amerika wurden sie untersucht und in einigen
Institutionen öffentlich ausgestellt, zuerst in der Kongressbibliothek in Washington
im Oktober und November 1949. Dann waren sie zu sehen in Yale, Harvard, Duke University,
University of Chicago, Walters Art Gallery in Baltimore, in Christian Zion
Research Library und im Kunstmuseum in Worchester, Massachussets. Allerdings
sind die Rollen nicht lange in seinem Besitz geblieben. Am 1. Juli 1954 musste
er sie wahrscheinlich aus Gründen der persönlichen Sicherheit an einen Herrn
Sidny Esteridge für nur 250.000 US-Dollar verkaufen. Vielleicht auch,
weil der sechs Jahre alte jüdische Staat Israel diese Qumran-Rollen zur
Rückgabe verlangt hatte. Später verkaufte Esteridge die Rollen wieder an
einen jüdischen Herrn namens Samuel Gottesmann für die neu gegründete
Hebräische Universität in Jerusalem. Nach anderen erwarb sie Sukeniks Sohn
Yigael Yadin, der frühere Stabschef der israelischen Armee, für den Staat
Israel. Auf jeden Fall wurde der Erwerb etwa ein Jahr später, am 13. Februar
1955, öffentlich bekannt gegeben. Der
Erlös aus dem Verkauf stiftete Mor Athanasius hauptsächlich als Archbishop Athanasius Trust für
wohltätige, kulturelle und religiösen Zwecke. Damit konnte u.a. das syrische
Kloster Mor Mattai bei Mosul (Irak), wo der große syrischen Theologe und Philosoph
Bar Ebroyo (1226-1286) begraben ist, restauriert, der Bau der drei großen und
mit syrischen Kunstmotiven versehenen schönsten Gebäude (Empfangssaal,
Bischofs- und Malfono-Räume) sowie der Kirchturm im Kloster Mor Gabriel
(Tur`Abdin) vollständig finanziert, ebenso die Gebäude des Priesterseminars
Mor Ephrem in Libanon und viele andere Einrichtungen der syrisch-indischen
Kirche Indiens gebaut werden. o
Gründung der Diözese und
Kircheneinweihung Die Anfänge der Auswanderung der Syrer aus ihrer Heimat,
Mesopotamien, Syrien und Palästina, in die Vereinigten Staaten und Kanada
dürften in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts liegen. Der Grund dafür
war die Verfolgung durch islamische Türken. Das Massaker von 1895 und der
Holocaust von 1915 haben die Syrer in Schutt und Asche gelegt. Daher mussten
viele Menschen fliehen und wurden in die Welt zerstreut. Damals kamen
Tausende nach Süd- und Nordamerika. Unter ihnen waren auch berühmte Persönlichkeiten
wie Na´um Faiq aus Diyarbakir im Jahre 1912. Diesen Leuten gelang es wahrscheinlich
aus sprachlichen Gründen nicht - da nicht alle ihre Muttersprache, das Syrische,
sprechen konnten, enge Kontakte miteinander zu knüpfen oder ausreichende Gemeinden
aufzubauen. Als Mor Athanasius dort ankam, existierten nur zwei Kirchen der
Gottesgebärerin, eine in West New York, New Jersey und die andere in
Worcester, Massachusetts. Er sah sich dafür verantwortlich, ihr Seelsorger zu
sein. Er begann, pausenlos für das zu sorgen, was ihnen fehlte. Er weihte die
erste neue Kirche, Mor Ephrem, am 3.4.1949 in Central Falls, Rhode Island,
ein und vier Monate später, nämlich am 28.8.1949, die zweite Kirche, Mor Iwannis
Chrysostomus in Detroit, Michigan. Außerdem bildete er mehrere Gemeinderäte
und schuf für sie katechetische und Gebetbücher. Dann kam man darauf, dass
man nun über die Gründung einer neuen Diözese in Nordamerika und Kanada
diskutieren musste. Der Patriarch Ephrem Barsaum ernannte ihn am 13.5.1952,
als er die Hilfsaktion für die Syrer im Heiligen Land organisierte, als
Patriarchalvikar für die syrischen Gemeinden der USA und Kanada. In East
Coast wählte er nun eine Wohnung als seine künftige Residenz, die am
18.10.1952 offiziell eröffnet wurde. Nach zweijährigen Erfahrungen wurde die
neue Erzdiözese gegründet und Mor Athanasius zum Diözesanerzbischof erhoben.
In Kanada weihte er am 31.8.1952 die erste Kirche dem heiligen Mor Ephrem in
Sheerbrooke, Quebec. Ein Gebäude in Fairmount und Grant Avenues in Hackensack
wurde zu einer Kathedrale umgewandelt und am 7.9.1958 dem Kloster Mor Markus
zu Jerusalem durch Mor Athanasius geweiht. Später jedoch baute die Diözese
Nordamerika und Kanada eine neue große Kathedrale, die ca. eine Million
US-Dollar kostete, in der Stadt Teaneck, sie wurde erst im April 1994
offiziell eröffnet . Mor Athanasius weihte am 9.6.1963 die Kirche Mor Ephrem
in Rhode Island, 1966 die Kirche Mor Ephrem in Los Angeles, California, am
7.4.1968 die Kirche der Gottesgebärerin in Paramus, New Jersey, 1968 die
Kirche Mor Petrus und Paulus in Southfield, Michigan. Im Sommer 1972
errichtete Mor Athanasius zwei Kirchen, Mor Yuhannun Ma´mdono in Chicago,
Illinois und Mor Yakub in Montreal, Kanada und holte dafür zwei Priester aus
Libanon. Als letzte Kirche weihte er am 25.12.1994 die Kirche Mor Athanasius
in San Beiter, Florida ein. o
Pastorale Weltreisen Mor Athanasius begleitete den neuen Patriarchen Yakub
III. auf einer viermonatigen apostolischen Reise in Südamerika zu den
Syrisch-orthodoxen, die dorthin aus dem Nahen Osten auswanderten. Sie kamen
am 13.3.1958 in Sao Paulo an und besuchten Rio de Janeiro, Belo Horizonte,
Campo Grande und Corumba. In Sao Paulo legte der Patriarch Ecksteine für die
zwei Kirchen Mor Yuhannon Ma´mdono und Mor Yakub. Von Brasilien setzten sie
ihre Reise nach Argentinien über Paraguay fort und kamen am 12.6.1958 in
Buenos Aires an. Dort weihte der Patriarch die neue Kirche Mor Ephrem ein.
Dann reisten sie nach La Plata weiter, wo er ebenfalls die Kirche Mor Petrus
einweihte. Der Patriarch Yakub unternahm 1960 mit Mor Athanasius eine andere
Reise in die USA zu allen syrischen Gemeinden. Zehn Jahre später, im Frühling
1971, empfing er wiederum den Patriarchen und wurde von ihm wegen seines
guten pastoralen Dienstes am Aufbau und der Erweiterung der Diözese und
anderen Organisationen gelobt. Anlässlich
der Konferenz des Weltkirchenrates in New Delhi, Indien beauftragte
ihn der Patriarch 1961, dort die syrisch-orthodoxe Kirche zu vertreten. Die
syrisch-orthodoxe Kirche ist seit 1960 ständiges Mitglied im Weltkirchenrat,
der aus fast allen christlichen Kirchen und Konfessionen mit Ausnahme der
römisch-katholischen Kirche besteht. Mor Athanasius machte Besuche auf dem
Weg nach Indien beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel (der
griechisch-orthodoxen Kirche), Athenagoras I. in Istanbul, (wahrscheinlich
bei der türkischen Regierung) in Ankara, der syrisch-orthodoxen Diözese
Diyarbakir, die seit dem Tode ihres letzten Erzbischofs Mor Dionysius
Abdul-Nur im Jahre 1933 der Diözese Mardin unterstellt ist. Er weilte in der
Kathedrale der Gottesgebärerin in der Altstadt, wo die Gräber der großen
Kirchenlehrer Mor Yakub von Sarug (451-521) und Mor Dionysius Y. Bar Salibi († 1171) sowie des Patriarchen Yakub II. (1800-1871) sind. Mor
Athanasius besuchte die Diözese Mardin und das Kloster Deyr Za`faran, das
seit dem 12. Jh. bis 1923 Residenz der syrisch-orthodoxen Patriarchen war.
Hier begegnete er seinem ehem. Spiritual und Lehrer aus der Zeit der
Waisenschule von Adana und des Klosters Mor Markus zu Jerusalem, Erzbischof
Hanna Dolabani. Ebenfalls reiste er nach Tur`Abdin, zuerst nach Midyat, der
Geburtsstadt seines Vaters, und nach dem Kloster Mor Gabriel, wo er prächtige
Gebäude bauen ließ. Er verließ die Türkei und begab sich über Beirut nach
Damaskus zu dem Patriarchen, der ihn genauer über seine Mission in New Delhi
informierte. Von dort flog er nach New Delhi zur 3. Konferenz des
Weltkirchenrates vom 19.11. bis 5.12.1961. Anschließend besuchte er die
syrische Kirche in Kerala. Mit dem apostolischen Delegat in Indien, Mor
Julius Eliyas Qoro, der ihn vor dreißig Jahren dort zum Priester geweiht
hatte, wurde er von Tausenden Gläubigen in den Gemeinden herzlich empfangen.
Damit beendete er seine Reise und kehrte in die USA zurück. Sechs Jahre
später repräsentierte er zum zweiten Mal die syrisch-orthodoxe Kirche im
Auftrag des Patriarchen bei der 4. Konferenz des Weltkirchenrates (4.-
20.7.1968), diesmal in Uppsala, Schweden. Einen Monat vorher besuchte Mor
Athanasius die aus dem Mittleren Osten emigrierten Syrer in Schweden und
betreute sie mit pastoralen Diensten, weil es dort damals noch keine
syrischen Geistlichen gab. Von dort schrieb der Erzbischof in einem Gutachten
über die Lage der zerstreuten Gläubigen an den Patriarchen über die Gründung
syrischer Gemeinden und anderer Organisationen in Schweden und bat ihn um
Sendung einiger Priester für ihre pastoralen Angelegenheiten. Den syrischen
Gemeinden wurden dann unmittelbar zwei Priester aus Beirut zur Verfügung
gestellt. Aus Schweden flog er zum ersten Mal nach seiner Auswanderung im
Jahre 1948 in das Heilige Land und wurde von seinen ehem. Diözesanmitgliedern
im Vorstand des Erzbischofs von Jerusalem Mor Dioskorus Luka empfangen. Zum ersten
Mal besichtigte er nach dem Verkauf auch die Qumran-Rollen an der Hebräischen
Universität zu Jerusalem, anschließend die Qumran-Höhlen am Toten Meer. Er
vertrat ebenfalls die syrisch-orthodoxe Kirche bei der 5. und 6. Konferenz
des Weltkirchenrates 1983 in Vancouver, Kanada und 1991 in Canberra,
Australien. An
die ersten Konferenz der orientalisch-orthodoxen Kirchen, die der Kaiser von
Äthiopien Haile Selassie I. am 25.1.1965 in Addis Abeba einberufen hatte,
hatte Mor Athanasius mit dem Patriarch Yakub III., Katholikos aus Indien und
anderen Erzbischöfe teilgenommen. Die Konferenz bestand nur aus der
syrischen, koptischen, äthiopischen und armenischen Schwesterkirchen, die
über die Rolle der orientalisch-orthodoxen Kirchen im Christentum und in der
Welt diskutierte. In
Europa: Nach
einer langjährigen Erfahrung des Mor Athanasius in der Außenpolitik der
syrischen Kirche begleitete er auch diesmal den Patriarchen Mor Ignatius
Yakub III. mit zwei anderen Erzbischöfen Mor Severius Zakka Iwas von Bagdad
und Basra (der gegenwärtige Patriarch) und Mor Gregorius Saliba Shem´un von
Mosul, auf seinen apostolischen Besuchen in Europa. Auf Einladung von Herrn
Prof. Dr. Werner Strothmann zu einem Vortrag an der Universität
Göttingen kamen sie am 2.10.1971 zum ersten Mal nach Deutschland. Nach
München und Frankfurt verweilten sie vom 4. bis zum 8. Oktober in Göttingen.
Der Patriarch hielt in der Göttinger Akademie der Wissenschaften im Rahmen
des ersten internationalen „Symposium Syriacum"
einen Vortrag über „The Syrian Orthodox Church of
Antioch“. Anschließend besuchte er syrische Gemeinden in Deutschland
und flogen am 17.10.1971 nach Genf, Schweiz, wo sie vom Generalsekretär des
Weltkirchenrates empfangen wurden. Bei
den Päpsten:
Nach einem Besuch der Schweiz kam der Patriarch mit seinen begleitenden
Erzbischöfen, unter ihnen immer auch Mor Athanasius, im Oktober 1971 nach Rom
zu einer historischen Begegnung der Oberhäupter der syrisch-orthodoxen und
der römisch-katholischen Kirche. Dieses offizielle Treffen der beiden „Petrusnachfolger" dürfte das erste seit genau 1520
Jahren sein, denn das von Leo, dem „Bischof von Rom"
einberufene Konzil von Chalkedon 451 verursachte das schmerzhafte Schisma
zwischen östlicher und westlicher Kirche. Durch diese ersten Begegnung und
die Aufnahme eines theologischen Dialoges versöhnten sich beide
Kirchenoberhäupter, der Patriarch Zakka Iwas und der Papst Johannes Paul II.,
im Juni 1984 miteinander und unterschrieben ein Kommuniqué über pastorale
Zusammenarbeit. Daran hat jedoch Mor Athanasius mitgewirkt, der schon vorher
im Oktober 1968 auf seiner Rückkehr von Israel in die USA den Papst Paul VI.
im Vatikan besucht hatte. Im November 1971 begleite Mor Athanasius wieder den
Patriarchen Yakub III. bei der Inthronisation des Papstes der
koptisch-orthodoxen Kirche Shenuda III. auf dem apostolischen Stuhl des Mor
Markus in Kairo. Mor Athanasius kehrte von dort nach Syrien zurück, wo er die
Diözesen Aleppo, Homs und Gezire zusammen mit Mor Dionysius Circis und Mor
Estethaus Kyriakos und anschließend den Tur Abdin besuchte. Er besuchte
ebenso Kuwait im Februar 1972 mit dem neuen apostolischen Delegat in Indien
Mor Timotheus Ephrem Abude, der vor einem Monat in seiner Anwesenheit in
Beirut zum Erzbischof geweiht wurde. Nach letzten Stationen in Basra und im
Libanon kam er am 4. März 1972 in seine Diözese in die USA zurück. Im Oktober
1972 flog er zum dritten Mal nach Kerala, Indien und repräsentierte den
Patriarchen bei der Feier des Inthronisationsjubiläums des antiochenischen
Patriarchen auf dem Stuhl Petri. Diese Zeremonie findet alle fünf Jahre in
Anwesenheit von hundert-tausenden Menschen statt. Damit zeigten die
syrisch-orthodoxen Inder im Gegenteil zu den zur syrischen Kirche gehörenden
Schismatikern ihre wahre Treue und Verbundenheit mit dem apostolischen Stuhl
von Antiochien. Nach fünfmonatigem Aufenthalt in Kerala kehrte er am 25. März
1973 in die USA zurück. 1981 besuchte er mit dem Patriarchen und anderen
Erzbischöfen während der ersten pastoralen Reise des neu inthronisierten Patriarchen
Mor Ignatius Zakka Iwas die syrisch-orthodoxe Kirche Indiens. Noch mehrmals
reiste er auch in den Nahen Osten und nahm an den Synoden der
syrisch-orthodoxen Kirche teil. 1984 weilte er im Kloster Mor Gabriel und
weihte dort fünf Nonnen zum Mönchsorden, darunter auch meine Schwester
Dayroyto Seyde Büyük. Als letzte pastorale Reise war er im August 1994 in
Mitteleuropa, als er an die Kathedral-Einweihung des Klosters Mor Ephrem der
Syrer in Holland teilnahm. ·
25jähriges Bischofs-Jubiläum Mor Athanasius feierte am 2. Juni 1973 sein 25jähriges
Jubiläum der Bischofsweihe in der Kirche der Gottesgebärerin in Paramus, New
Jersey. Als seine Gäste waren u.a. die Generalsekretäre der Bibelgesellschaft
und des Nationalen Kirchenrates Amerikas sowie der Vertreter des
Zentralkomitees des Weltkirchenrates anwesend. Als Ehrengäste waren auch der
Repräsentant des Patriarchen Mor Ignatius Yakub III., Mor Malatius Barnaba
aus Homs, die Oberbürgermeister der Städte Hackensack und Paramus sowie der
ehem. Senator des Bundesstaates New Jersey, Vertreter aus den maronitischen,
armenischen und koptischen Diözesen Amerikas und der Herausgeber der
arabischen Zeitung „al-Islaah" gekommen. Zum Anlass
dieses Jubiläums bekam Mor Athanasius Glückwünschbriefe vom Patriarchen und von
den Erzbischöfen der syrisch-orthodoxen Kirche.
Mor Athanasius nahm an die Wahl und Inthronisation von
zwei syrisch-orthodoxen Patriarchen teil. Nach dem Tode des berühmten
Patriarchen Ephrem I. Barsaum am 23. Juni 1957, der dem Mor Athanasius die
Bischofsweihe spendete, wurde der Patriarch Yakub III. am 14. Oktober 1957
zum Patriarchen gewählt und am 27. Oktober 1957 auf den apostolisch-patristischen
Stuhl von Antiochien erhoben. Nach seinem Tode am 25. Juni 1980 in Damaskus
wurde der Erzbischof von Bagdad und Basra Mor Severius Zakka Iwas am 11. Juli
1980 gewählt und am 14. September 1980 inthronisiert. Mor Athanasius war bei
der Wahl des letzten der älteste auch im Amt unter den 15 anwesenden Erzbischöfen.
Als junger Mönch verfasste Mor Athanasius ein
sechsbändiges Werk der Elementarlehre der syrischen Sprache unter dem
original syrischen Titel mhadyono d-sarwoyo l-leshono suryoyo, mit englischem Untertitel
Syriac, New Method Readers.
Der 1. Band erschien schon 1937, die 2. und 3. Bände. 1945. Die 4., 5.
und 6. Bände sind 1946 verfasst, aber erst 1984 im Kloster St. Ephrem der
Syrer, Holland, mit der zweiten Auflage der ersten drei Bände veröffentlicht.
Seine Autobiographie im originalen Arabisch und in englischer Übersetzung: Treasure of Qumran, my Story of the Dead Sea Scrolls,
Philadelphia, Westminster 1966; The Purchase of the Jerusalem Scrolls, in:
Biblical Archaeologist, 1949, 26-31. Herausgegeben hat er mit englischer
Übersetzung: The shorter Catechism of the Syrian
Orthodox Church, Patriarch Ephrem Barsaum, [New Jersey] 1950; The Golden Key
to Divine Worship,
Patriarch Ephrem Barsaum, [New Jersey] 1951; Anaphora, The divine
Liturgy of Saint James the first Bishop of Jerusalem, Hackensack, New Jersey
1967; Tekso da´modo qadisho:
The Sacrament of Holy Baptism,
According to the ancient Rite of the Syrian Orthodox Church of Antioch,
Jounieh, Libanon 1974; Tekso d-´uphoyo d-´anide: The Order for the Burial of
the Dead, According to the ancient Rite of the Syrian Orthodox Church of
Antioch, Jounieh, Libanon 1974; Tekso d-burok klilo d-hatne wad-kaloto: The Order of Solemnization
of the Sacrament of Matrimony,
According to the ancient Rite of the Syrian Orthodox Church of Antioch,
Jounieh, Libanon 1974; Ma´de´dono: The Book of the Church Festivals of the Syrian Orthodox
Church of Antioch, New Jersey 1984; Anaphoras: The Book of the divine Liturgies,
According to the Rite of the Syrian Orthodox Church of Antioch, [13 Anaphoren], New Jersey 1991. Er dürfte auch zahlreiche
Artikel in dem Patriarchal Journal während seines Aufenthalts in
Jerusalem veröffentlicht haben. Zum Anlass des 25jährigen Bischofs-Jubiläums
gab der Diözesanrat ein 25seitiges Heft unter dem Titel: Jubilee
Banquet: Celebrating the Twenty-fifth Year of Episcopal Consecration of his Eminence Archbishop Mar Athanasius Yeshue Samuel, Paramus,
N.J. 1973 heraus. Darin wurden die Glückwunschbriefe des Patriarchen und der
syrischen Erzbischöfe und eine kurze Autobiographie veröffentlicht, der ich
die meisten Grunddaten und Fakten meines Berichts entnommen habe.
Ehrungen: Ihm wurden verliehen: als höchste Auszeichnung des syrisch-orthodoxen Patriarchats das „Goldene Kreuz des Mor Ignatius Nurono" und der Titel „Ro´yo Shariro" (der wahre Hirte) 1983 vom Patriarchen Zakka Iwas, das goldene Kreuz und päpstliche Medaillon 1971 vom verstorbenen Papst Paul VI. während seines Besuchs mit Patriarch Yakub III, die kaiserliche Auszeichnung 1961 vom Kaiser Haile Selassie I. von Äthiopien und der Ehrendoktor der Theologie 1989 von der theologischen Fakultät der Universität New York; 1989 wurde er als Senior der Erzbischöfe der syrisch-orthodoxen Kirche bei der Heiligen Synode gewählt. Er war seit 1960 Mitglied im Weltkirchenrat und im Nationalrat der christlichen Kirchen in Amerika, 1971 Vizepräsident der ständigen Konferenz der orientalisch-orthodoxen Kirchen in Amerika. Gabriel Rabo |
Autor: Gabriel Rabo
First updated: 1.11.1998
Last updated: 1.5.2004
Copyright 1998-2004