Maphryono Mor Baselius Paulose II.


Seine Seligkeit Mor Baselius Paulose II., der Katholikos des Ostens in Indien, ist am Sonntag, dem 1. September 1996 im Alter von 82 Jahren aus diesem Leben geschieden. Es geschah, als er von Piramadom Dayara zum Krankenhaus von Kolencherry gebracht wurde. Am selben Tag hatte der Katholikos vor, den Saal einer neu eingeweihten Kirche in Piramadom zu eröffnen. Noch am Tag seines Todes versammelten sich viele Menschen in Kollencherry, wo in der St. Peters-Kapelle sein Leichnam für ein paar Stunden aufgebahrt wurde, um von ihm Abschied zu nehmen. Später wurde er nach Piramadom Dayara und von dort zu seiner Residenz Aramana, Muvattupuzha gebracht. Dort wurde sein Leichnam in der Kapelle für die Gläubigen erneut aufgebahrt und die ganze Nacht mit Psalmen und Gebete bis zum Morgen begleitet, wie es syrischer Tradition entspricht, solange der Leichnam nicht bestattet ist. Nach der heiligen Eucharistiefeier wurde der Leichnam in einer großen Prozession von tausenden von Gläubigen von Aramana nach Malecruz Dayara in der Nähe von Puthencruz gebracht. Hier wurde der Leichnam Seiner Seligkeit Mor Baselius Paulose II. in Anwesenheit aller Metropoliten der syrisch- orthodoxen Kirche Indiens, Bischöfen der Schwesterkirchen, Priestern, Diakonen und über zehntausend Trauernden sowie von den Vertretern der indischen Regierung mit ehrwürdigem Respekt bestattet. Bei der Kondolenzfeier würdigten Mor Joseph Powathil, Präsident der katholischen Bischofskonferenz Indiens, Metropolit Mor Aprem aus der chaldäischen Kirche des Ostens, Mor Dionysius Thomas und Bischof George Punnakottil der katholischen Diözese Kothamangalam in ihren Ansprachen den Katholikos als guten Hirten der syrischen Kirche in Kerala. Die Beisetzungsliturgie leitete Mor Clemis Abraham mit den anwesenden syrischen Erzbischöfen ein: Mor Dionysius Thomas, Mor Severius Abraham von Angamaly, Mor Philoxenos Yuhanon von Malabar, Mor Timotheos Thomas von der Diözese außerhalb Kerala, Mor Gregorius Yuhanon von Kochi, Mor Osthatheos Benyamin von der Kirche von Simhasana und Mor Polycarpose Geevarghese vom evangelischen Bund. Nach der Abschiedszeremonie im Altarraum, die den Höhepunkt der Begräbnisliturgie der Bischöfe darstellt, wurde der Leichnam des Maphryono sitzend auf dem Thron, bekleidet mit den liturgischen Gewändern, in der linken Hand den liturgischen Hirtenstab und in der rechten Hand das Handkreuz, in einem besonderen Grab beigesetzt.

Katholikos Mor Baselius Paulose II. wurde am 12. Juni 1914 im Dorf Cherai in der Nähe von Cochin (Kerala) als Sohn des Pfarrers Puthusseri Joseph und seiner Ehefrau Elisabeth geboren. Er wurde P. J. Paulose genannt. Sein Vater war ein guter Kenner der syrischen Sprache und als Malphono, Lehrer am alten Priesterseminar und am M.D. Seminar in Kottayam sowie Herausgeber der Zeitschrift Malankara Rdavaka Deephti tätig. Als Schüler hatte der junge P.J. Paulose das Gymnasium in Ramawarma/Cherai, das CMS College und das Alwaye Union Christian College in Kottayam besucht. Später nahm er das Studium der Theologie im Priesterseminar von Manjinikkara Dayara unter der Leitung von Mor Julius Elias Koro ( 1962) vom Tur‘Abdin, dem Delegierten des apostolischen Stuhls von Antiochien in Malankara, auf. Schon als Kind hatte er begonnen, bei seinem Vater und dem Pfarrer Vellakunnathu Mathai Syrisch zu lernen. Seine Studien setzte er bei Rabban Abdulahad (verstorbener Patriarch Yakub III.) fort. Im Jahre 1934 wurde er zum Diakon in Kottayam Valiapally und 1938 zum Priester in Manjinikkara Dayara durch Mor Yulius Elias Qoro geweiht. Fr. Paulose diente als Pfarrer in den Kirchen von Ceylon, Madras, Bramhavar (Karnataka), Trivandrum, Parathode und Ponkunnam, später als Sekretär beim Erzbischof Mor Yulius Elias Qoro und als Malphono in Manjinikkara Dayara. Am 19. Oktober 1952 wird Fr. Paulose zum Erzbischof der Diözese Kandanad in Homs/Syrien durch den Patriarchen Mor Ignatius Ephrem Barsaum geweiht. Er bekam den Bischofsnamen Mor Philoxenos, den der Patriarch während der Weihe ‘spontan’ gibt. Für bestimmte Zeit leitete Mor Philoxenos auch die Diözesen von Kottayam und Quillon. Nach dem Kirchenschisma von 1958 in der syrisch- malankarischen Kirche bekam Mor Philoxenos nun die Aufgabe eines Assistenzbischofs beim Metropoliten Mor Timotheus Augen (späterer Katholikos) in der Diözese Kandanad. Als der Katholikos Augen unter dem Anathema stand, wurde Mor Philoxenos von der syrisch-orthodoxen Bischofssynode in Kerala zum Katholikos des Ostens gewählt und am 7. September 1975 duch den Patriarchen Mor Ignatius Yakub III. geweiht. Maphryono Mor Baselius Paulose II. bekleidete den zweithöchsten Rang der syrischen Kirche. Als der Patriarch abwesend war, stand er an der Spitze der Leitung der syrischen Kirche. Deswegen leitete er die Inthronisierung des gegenwärtigen Patriarchen Mor Ignatius Zakka I. Iwas am 14. September 1980. Damit war er der erste Katholikos in der Geschichte der syrisch-orthodoxen Kirche Indiens, der bei einer solchen Zeremonie zur Erhebung des Patriarchen von Antiochien mitgewirkt hat. Außerdem begleitete der Maphryono den Patriarchen bei offiziellen Besuch bei andern Kirchen, wenn es um theologische und pastorale Vereinbarung ging.

Das Amt des Maphryanats wird nur von einem einzigen Erzbischof getragen. Der Titel Maphryono", was der Befruchter" bedeutet, ist eine Bezeichnung für den Großmetropoliten des Orients. Dieser wird auch Katholikos genannt. Die Anfänge des Maphryanats werden auf die früheren christlichen Jahrhunderte zurückgeführt; aber das Amt tritt erst mit dem Maphryono Marutha von Tagrit (um 630) ins Licht der Geschichte. Das Maphryanat übte eigene Jurisdiktion aus, denn der Patriarch von Antiochien, dessen Residenz sich auf dem Territorium des byzantinischen Reiches befand, konnte aus politischen Gründen im persischen Reich nicht nach Osten reisen. Die Residenz des Maphryono war bis zum Jahre 1089 in Tagrit. Später wurde sie nach Mousul und dem Kloster Mor Mattai verlegt, wo auch der Maphryono Mor Gregorius Y. Bar‘Ebroyo ( 1286) begraben wurde. Das Maphryanat von Tagrit und des Ostens" - so der offizielle Titel - existierte so bis Ende des 19. Jahrhunderts. Nach Indien, wohin sich die Jurisdiktion des Patriarchats von Antiochien von Anfang an erstreckte, wurde das Maphryanat verlegt, als das Leben der dortigen syrischen Kirche durch die katholische Kirche zersplittert wurde, denn die Portugiesen zwangen nach ihrer Ankunft in Indien im Jahre 1594 viele Gläubige, zur katholischen Kirche zu konvertieren. Als die Holländer ihnen die Freiheit gewährten, nahm die dortige syrische Kirche wieder Kontakt mit dem Patriarchat von Antiochien auf. Der Patriarch Abdulmasih ( 1686) sandte ihnen 1665 erst Mor Gregorius Abdulgalil ( 1681), den Metropoliten von Jerusalem, als apostolischen Delegierten, dann 1685 den Katholikos des Ostens Mor Baselius Yaldo. Der Patriarch Elias III. ( 1932) weihte 1921 Mor Baselius I. zum ersten Katholikos des Ostens aus der Reihe der syrisch-malankarischen Bischöfe. Der Maphryono in Indien untersteht dem Patriarchat von Antiochien, ist aber Oberhaupt der dortigen syrisch-orthodoxen Kirche. Er beruft die Bischofssynode ein, kann Bischöfe weihen und Entscheidungen treffen, wenn es nicht um den Glauben der syrisch- orthodoxen Kirche geht. Sein Name wird im Gottesdienst nach dem des Patriarchen auch außerhalb Kerala erwähnt. Die syrisch-malankarische Kirche verfügt über ein eigenes Kirchenrecht. Sie zählt heute ca. zwei Millionen Gläubige und hat 12 Diözesen.
Seine Seligkeit Mor Baselius Paulose II. hat sechs Bischöfe innerhalb seiner Jurisdiktion geweiht. Nach Ansicht seiner Bekannten hat er ein asketisches Leben geführt, indem er die früheren syrischen und ägyptischen Asketen als Vorbild genommen hat. Er hat seine Kirche mit vielen Einrichtungen ausgestaltet und gut verwaltet.


Copyright 1996 / Autor: Gabriel Rabo
Veröffentlicht in: KS, Sept./Okt.1996

Die Grundinformationen dieses Textes entstammen der syrisch-malankarischen Zeitschrift VISION, Vol. V, Nr. 4, September 1996, S. 1; 15. Ferner bin ich Herrn Thomas Joseph in den USA zu Dank verpflichtet.

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