Symposium Syriacum ´96


an der Universität Uppsala/Schweden

Die traditionelle wissenschaftliche Tagung der Syrologen, das sogenannte Symposium Syriacum, hat zum siebenten Mal in diesem Jahr vom 12-14 August an der Universität Uppsala/Schweden stattgefunden. Daran nahmen mehr als 150 (125 angemeldete) Teilnehmer aus 22 Ländern teil: aus Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, dem Vatican, Irak, Israel, Libanon, Syrien, Azarbeidgan, Polen, Rußland, USA, Kanada, Australien und Indien. Darunter waren ca. 40 Syrer bzw. zum syrischen Ritus gehörende Personen. In den drei Hörsälen wurden 73 Vorträge über syrische Kirche und syrische Literatur meisten in Englisch dann in Deutsch und Französisch gehalten. Das Symposium eröffnete der Rektor der Universität Uppsala am Sonntag, den 11. August in Anwesenheit auch zahlreicher sich interessierender Syrer aus Schweden und anderen europäischen Staaten. Dabei hat er in einer Einführung die Geschichte und die Rolle der Universität Uppsala, über die Bedeutung einer solchen wissenschaftlichen Tagung berichtet. Nach der Bekanntgabe, der seit der letzten vier Jahre verstorbenen regulären Teilnehmer des Symposiums, hat diesmal der Neutestamentler Prof. J.F. Coakly den Festvortrag über "Syriac printing types 1840-1960" gehalten. Hier demonstrierte er die syrischen Fonts auf Dia, wie man mit ihnen damals syrische Schrift publizierte. Danach wurden die Gäste des Rektors der Universität", also alle Symposiumsteilnehmer, in einem erlesenen Restaurant empfangen, begleitet von syrischer Live- Musik. Am Montag begannen nun planmäßig die Vorträge bis Mittwoch nachmittag, jeweils vom 9.00 bis 17.00. Jeder Vortragende hatte 20 Minuten Zeit, seine neuen Ideen oder Anregungen zu angekündigten Themen vorzustellen und zudem 10 Minuten für eine eventuell darauffolgende Diskussion.

Um diese Möglichkeit zum Denken über die Syrologie auszunutzen, hatte sich die syrisch- aramäische Föderation (Syrianska Riksförbundet) in Schweden engagiert, indem sie alle Vorträge auf Video zur eventuellen Veröffentlichung aufgenommen hatte. Aber auch noch manch anderes: Sie hat alle Gäste am Montag abend zu einer syrischen Ausstellung über die Kultur und die Tradition im Tur`Abdin oder in Mesopotamien in das Föderationsgebäude in Södertälje eingeladen. Dort wurden sie mit Willkommenstrunk und Geschenken, wie syrischen Musikkassetten, die in der Diaspora von den jungen Gesellen über ihre weite Heimat komponiert wurden, und mit beschrifteten Stiften zur Erinnerung sowie herausgegebenen Heften ihrer Zeitschrift Bahro Suryoyo empfangen. In der Ausstellung konnte man von den alten Handschriften und liturgischen Geräten bis hin zu Spindel und Wasserkrügen alles sehen. Anschließend wurden sie in die syrische Kirche Mor Ephrem, in dem am dichtesten von den Syrern bewohnten Viertel, eingeführt. Dabei präsentierte sich der Frauenchor mit seinen schönsten kirchlichen und nationalen Melodien. Der Höhepunkt des Abends lag jedoch in dem syrischen Festsaal, wo die Wände mit den Völkermordszenen aus dem Jahre des Schwertes von 1915 bemalt sind. Hier bescherte man sich zum Teil mit syrischen Spezialitäten, wieder bei syrischer Live-Musik und Tänzen. Am darauffolgenden Abend erging auch eine Einladung von der syrisch- aramäischen Föderation an die ca. 30 syrischen Symposiumsteilnehmer in den aramäischen Kulturverein in Uppsala. Leider sind nicht viele erschienen. Dabei ging es um die Frage über die Erhaltung der syrisch-aramäischen Sprache überhaupt. Es wurde diskutiert, wie die Lehrkräfte ausgebildet und wie die Sprachkurse für Erwachsene abgehalten werden sollten. Am Abend des 13. August wurden alle Syrologen von dem Rektor der Universität Uppsala in der prächtigen Aula magnificus´room" empfangen, wo der Rektor in seiner Ansprache seine Freude über das erste in seiner Universität stattgefundene syrische Symposium äußerte. Danach feierte man das Abendessen auf dem Schiff Kung Carl Gustaf" bis in die Nacht. Am Abschluß des Symposiums am 14. August wurde der durch Freunde des Tur`Abdin" gedrehte Film über Ostern am Berg der Knechte Gottes: bedrängte Christen im Tur`Abdin" gezeigt. Anschließend wurde über das Resume diskutiert und mehrheitlich beschloßen, das nächste Symposium Syriacum im Jahre 2000 in Sydney/Australien abzuhalten.

Die Geschichte der Geburt des "Symposium Syriacum" begann vor 25 Jahren. Im Rahmen des Symposiums Synkretismus im syrisch-persischen Kulturgebiet" wurden im Jahre 1971 auf Initiative des Prof. W. Strothmann ( 1996) viele westliche Akademiker, die sich mit orientalischen vor allem aber mit syrischen Studien beschäftigen, zur Georg-August-Universität nach Göttingen eingeladen. An der Konferenz nahm auch der verstorbene Patriarch Mor Ignatius Ya`kub III. mit drei weiteren syrischen Erzbischöfen, dem gegenwärtigen Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas, Mor Athanasius Y. Samuel ( 1995) und Mor Gregorius S. Shemun teil. Dort hielt der Patriarch den Festvortrag über The Syrian Orthodox Church of Antioch". Im darauffolgenden Jahr 1972 hat das erste Symposium Syriacum im Pontifitio Instituto Orientale in Rom unter der Schirmherrschaft des Konferenzsekretärs Prof. Ortiz de Urbina ( 1984), diesmal in Anwesenheit des syrisch-katholischen Patriarchen Mor Ignatius Antoine Hayek II. stattgefunden. Dann tagte das Symposium alle vier Jahre einmal. Jedes Mal vermehrten sich die Teilnehmer nicht nur aus europäischen oder westlichen Staaten, sondern auch aus dem Nahen Osten und aus Indien. Die zweite Tagung dieser Reihe war 1976 in Chantilly/Frankreich, die dritte 1980 in Goslar/ Deutschland, die vierte 1984 in Groningen/Holland, die fünfte 1988 in Leuven/Belgien und die sechste 1992 in Cambridge/England.

Die Vorträge dieses Jahres wurden über folgende Themen gehalten:
Balicka-Witakowska, E., Remarks on the decoration and iconography of the Gospels Brit. Libr. Rich. 7174; Blois, F. de, The Life of Mar Yabhallaha and ist source in Persian"; Briquel- Chatonnet, F., A manuscript of syriac apocrypha in Trichur, Kerala; Brock, S.P., A monastic anthology from twelfth-centuary Edessa; Bruns, P., Bischof Rabbula von Edessa - Dichter und Theologe; Calvet, Y., Monuments paléo-chrétiens à Koweit; Canuti, G., Mosaics in the Syro- Palestinian churches: some notes on the analysis of the Christian attitude towards the physical world; Chekalova, A., Greek and Syriac sources on Byzantine and Persian relations in the early 6th century; Drijvers, H.J.W., The Likeness of Christ which the Jews of Tiberias made of mock at; Edris, S., Das Paradies von Eden des Abdisho´ Bar Brikha: zur formalen und inhaltlichen Analyse; Emlek, I., Welcher Quellen bedient sich der Pseudo-Georg von Arbel?; Esbroeck, M. van, The Syriac Andrew legend attributed of Ephrem; Eshkult, M., On Syro-Roman Law and local juridical tradition; Frishman, J., Thomas of Edessa´s liturgical homilies; Gawlikowski, M., The last kings of Edessa; Gignoux, Ph., Remarques sur la Syriac Book of Medicines" publié par E.A.W. Budge (1913); Ginkel, J. van, Making history: Michael the Syrian´s use of sources for the sixth century; Haar Romeny, B. ter, Eusebius of Emesa and the early history of the Peshitta: an assessment of the Syros readings; Harrak, L., Arabism in the Chronicle of Zuqnin; Hofstra, J.D., The sources used by Isho´dad of Merw in his Commentary on St. John, ch.1; Hunter, E.C.D., Syriac ostraca from Mesopotamia; Hutter, M., Shirin, Nestorianer und Monophysiten: königliche Kirchenpolitik in späten Sasanidenreich; Jones, F.S., Early Syriac pointing: Br.M. Add 12,150; Joosten, J., Greek words in the Peshitta Pentateuch: first soundings; Karukaparampil, Ou.J., The spritual world view of St. Ephrem compared to Vedanta; Kiraz, G., Morphology: from a linguistic model to a computational implementation; Klein, W., Syrische Inschrieften in Zentralasien: ein Expeditionsbericht; Knudsen, E.E., Lexical innovations in Modern Literary Syriac: the Norwegian Tur`Abdin project; Koonammakkal, Th., Ephrems imagery of chasm; Kronholm, T., The figure of Moses in the genuine hymns of Ephrem the Syrian; Kruisheer, D., Towards an edition of Jacob of Edessa´s exegetical work; Lala Comneno, M.-A., Christian archeology of Central Asia: a new approach; Lane, D.J., The Well of Life: Subhalmaran and Scripture; Merras, M., The date of the earliest Syriac lectionry Br.M. Add. 14528; Muraviev, A., La partie syriaque du dossier hagiographique de St Basile le Grand; Murre-van den Berg, H., A Syrian Awekening: Alqosh and Urnia as centres of Neo-Syriac writing; Nuro, A., Les quatre pionniers de la langue syriaque en voie de modernisation: G. Kardahi, T. Audo, A. Manna, Y. Dolabani; Palmer, A.N., Feminine and masculine spirituality: Hymns X and XXV on Faith by Saint Ephrem; Papoutsakis, E., Formulaic Language in the mimre of Jacob of Sarough; Qozi, Y., Comparaison du 3éme memra de `Abdisho` d-Suba avec la 16éme maqamah d´Al-Hariri; Quaschning-Kirsch, M., Die Frage der Benennbarkeit Gottes in den syrischen Version des Corpus Dionysiacum Areopagiticum; Rabo, G., Die eucharistische Hostie (tab`o) in der Syrisch-Orthodoxen Kirche; Reinink, G. (in absentia), The Book of Questions of Cyrus the Greek; Ri, A.S.-M, La Caverne des Trésors et Mar Éphrem; Russel, P.S., A first look at the Christology of Ephrem; Sader, Y., Les colonnes des stylites maronites syriaques au Liban (VI-VIIe s.); Sahas, D., Saracens and Syrians in the Byzantine anti-Islamic literature; Salvesen, A., An edition of Jacob of Edessa´s version of I-II Samuel; Sanders, J., A unique witness of ascetic life in Mar Bishoi (Beh-Yeshu), Eastern Turkey; Sauma, A., Commentary on the biography of Bar Hebraeus; Shahid, I., The Syriac sources for the history of the Arabs before the rise of Islam: an evaluation; Smidt, A., Die armenische Übersetzung des Michael Syrus; Smine, R., The illuminations of Syriac lectionaries Vatican Syr. 559 and Brit. Libr. Add. 7170; Suermann, H., Johannes von Ephesus; Suh, W., From the Syriac Ephrem to the Greek Ephrem: a study of the forgery; Takeda, F.F., The Syriac version of the Life of Antony: a meeting point of Eagyptian monasticism with Syriac native asceticism; Tamcke, M., Idee und Praxis der Islammission bei den "Lutherischen Nestorianern"; Taylor, D.G.K., The Psalter commentary of Daniel of Salah; Teixidor, J., L´introduction au ‘De interpretatione chez’ Proba et Paul le Perse; Teule, H., Les florilèges spirituels dans la traditions syriaque; Tubach, J., Die christliche Gemeinde von Merw in der ausgehenden Sasanidenzeit; Varghese, B., Early history of the preparation rites of the Syrian Orthodox anaphora; Vellian, J., Syriac on the Christian marriage folklore of Kerala; Villagomez, C., The role of patronage in East Syrian monastism in the late Sasanian and early Islamic periods; Voigt, R., Über griechische Lehnwörter im Syrischen; Watt, J.W., Philosophy and rhetoric in the Christian Orient: from Synesius to al-Farabi; Winkler, D., Remarks on the contemporary theological dialogue with the Assyrian Church of the East; Zonta, M., Bar Hebraeus´"practical philosophy" in his Cream of Science: structure and sources; Im Bereich der SyrCom-96: Jasim, P., Multimedia instructional software of Syriac; Kiraz, G., Project Meltho (Syriac Wordprocessing under Windows) and other Projects of the Syriac Computing Institute; Kitchen, R., Syriac hypertext project; Williams, T., SEDRA III: from ASCII to Access.
Diese Vorträge werden wie die von den anderen Jahren in der Zeitschrift Orientalia Christiana Analecta (OCA) in Rom veröffentlicht.


Autor Gabriel Rabo
Copyright 1996
Veröffentlicht in: KS, Sept./Okt. 1996


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