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In memoriam
Mor
Athanasius Yeshue Samuel ist am 16. April 1995 um 16 Uhr nach der
Pontifikal-Gottesdienstfeier des Palmsonntags in seiner erzbischöflichen
Residenz in Lodi, New Jersey im Alter von 88 Jahren gestorben und wurde am 5.
Mai 1995 im Kloster Mor Ephrem der Syrer, Niederlande beigesetzt. Am „vierzigsten Tag" nach seinem Tod wurde Seiner auch
in der Diözese von Mitteleuropa gedacht. Die
Nachricht über den Tod des ehrwürdigsten Erzbischofs Mor Athanasius Yeshue Samuel
hat alle Gläubigen der syrisch-orthodoxen Kirche erschüttert und sie mit
Trauer erfüllt. Er war eine Persönlichkeit, die sowohl von den Syrern als
auch von anderen Orientalen und Syrologen aller Welt durch seinen großartigen
Eifer, seine Nächstenliebe und seinen ausgezeichneten Dienst hoch angesehen
war. Damit verliert die syrische Kirche und v.a. seine Diözesanangehörigen
einen großen und bedeutenden aktiven Erzbischof, Hirten und Leiter seiner
Kirche.
Um ihm das letzte Geleit zu geben und ihn in Würde und
Ehre beizusetzen, flog seine Heiligkeit, der Patriarch Mor Ignatius Zakka I.
Iwas, Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, in Begleitung seines
Patriarchalassistenten Mor Klimis Augin Kaplan aus Damaskus und des
Erzbischofs Mor Julius Yeshu Çiçek aus Amsterdam am 25. Mai 1995 in die USA.
Sie wurden in New York von Mor Nikolaus Zakarya, Metropolit der malankara-syrisch-orthodoxen
Diözese Turnek, New Jersey, Diözesanklerikern und Diözesanräten sowie
zahlreichen Trauergästen am 26. April empfangen. Am Samstag, dem 29. April,
kam der Patriarch am Trauerort an, wo er ihm, als dem Oberhaupt der Kirche,
alle Geistlichen, syrischen und syrisch-indischen Gläubigen der Diözese ihr
Beileid äußerte. Am Montag, dem 1. Mai, von 11 bis 21 Uhr wurde der Sarg des
Diözesanerzbischofs in der Kathedrale Mor Markus aufgestellt. Mehrere
Gläubige konnten mit ihren Geistlichen und vielen Repräsentanten
verschiedener Kirchen, Institutionen und der amerikanischen Regierung das
letzte Geleit ihrem Hirten und Diözesanoberhaupt geben und sich von ihm
verabschieden. Diese Abschiedszeremonie wurde den ganzen Tag mit Hymnen,
Psalmen und Gebeten begleitet. Unter Assistenz der Erzbischöfe, Mor Julius Y.
Çiçek und Mor Clemis A. Kaplan begann der Patriarch am 2. Mai in der Mor
Markus Kathedrale mit dem ersten Teil der Beisetzungsliturgie. Der Heilige
Vater predigte über „Tod und Leben" mit dem
Zitat aus Ps 89, 49: „Welcher Mensch wäre derjenige,
der lebt und nicht den Tod sähe, und seine Seele aus der Hand der
Unterwelt „Sheul" errette?".
Darin sprach er dann über seinen Lebensgang, angefangen mit der traurigen
Zeit seiner Kindheit: zwölf Jahre vor seiner Geburt wurden Tausende von den
Syrern in Diyarbakir und acht Jahre nach seiner Geburt Zehntausende in
Mesopotamien wegen ihres christlichen Glaubens von den Türken massakriert.
Als Kind hatte Mor Athanasius viel gelitten. Später wurde er wegen seiner
guten Leistung und Mitwirkung als Erzbischof in der Kirche Christi gelobt. Am
Geburtstag Christi ist er geboren und kurz vor Christi Tod, am Hosannasonntag,
gestorben. Er ging zum Herrn in der Stunde der Feier der Lichter, in der die
fünf klugen Jungfrauen ihre Lichter für die Ankunft des Bräutigams trugen. Er
beendete seine Reise in diesem Leben am Tage der Feier der Ankunft im Hafen
und landete sein Schiff im Hafen des Friedens. Nach dem Gottesdienst nahm der
Patriarch mit den Bischöfen und Trauergästen an dem “Totenmahl" teil, das Mor Athanasius als Wunsch in
seinem 1994 erneuerten Testament geäußert hatte.
In seinem Testament wünschte er, im Zentrum der
syrischen Diözese von Mitteleuropa im Kloster Mor Ephrem der Syrer,
Niederlande, beigesetzt zu werden. So wurde sein Sarg mit zahlreichen
Geistlichen und Gliedern seiner Diözese am 4. Mai von New York nach Amsterdam
geflogen und in das Kloster Mor Ephrem gebracht. Einen Tag zuvor flogen
dorthin der Patriarch sowie die Erzbischöfe Mor Julius Y. Çiçek, Mor Clemis
A. Kaplan aus den USA, Mor Severius Isaak Saka des theologischen Seminars aus
dem Irak, Mor Estethaus Matta Rohum der Diözese Gezire und Firat, Mor Iwannis
Bulus Soki, Patriarchalvikar in Damaskus aus Syrien und Mor Theophilos George
Saliba der Diözese Tur-Lebnon aus Libanon. Die Feier der Beisetzung begann am
Freitag, den 5. Mai, um 14 Uhr im Kloster Mor Ephrem der Syrer. Anwesend
waren sechs Erzbischöfe, siebzig Priester und Mönche, Tausende von Syrern aus
verschiedenen Ländern Europas, Amerika und des Nahen Ostens und Regierungs-
und Kirchenvertreter. Der Einzug des mit liturgisch-bischöflichen Gewändern
verhüllten Sarges in die neue, im August 1994 eingeweihte Kathedrale der
Gottesgebärerin wurde in einer außerordentlichen Zeremonie vollzogen. Er
wurde mit Kreuz, Weihrauchgefäß, liturgischen Fächern und Diakonenchor sowie
Zug der Geistlichen vom Klosterhof bis zum „königlichen
Tor" hingeführt. Nach der syrischen Tradition der Beisetzungsliturgie in
der Heimat setzt man eigentlich den mit liturgischen Gewändern bekleideten
Leichnam des Bischofs auf den bischöflichen Thron im Altarraum gegenüber der
Gemeinde mit dem Handkreuz in der rechten und dem liturgischen Hirtenstab in
der linken Hand. Das war jedoch nach der „säkularisierten Zeit" im
Westen und aus Transportgründen nicht möglich. Während der Zelebration der
Eucharistie durch den Patriarchen begann der Schluss des Ritus der Beisetzung
der Bischöfe. Der Sarg mit dem Leichnam des Erzbischofs, getragen von vier
Geistlichen, wurde in den Altarraum gebracht. Dort sprach der Patriarch
anstelle des verstorbenen Erzbischofs den Abschiedsgruß zu dem Altar, zur
Kirche, zu den Bischöfen, Äbten, Priestern, Diakone und zu der Gemeinde in
jede der vier Himmelsrichtungen: „Bleibe in Frieden, heiliger
Altar", „Bleibet in Frieden heilige
Bischöfe" usw. Die Kleriker antworteten: „Geh
in Frieden Priester Gottes", und nach jedem weiteren Vers des
Patriarchen mit einem der folgenden Sätze: „Geh
in Frieden Diener der Mysterien", „Geh in Frieden wahrer Verwalter",
„Geh in Frieden Verkündiger der Wahrheit"
usw. Anschließend predigte Mor Ignatius Zakka Iwas, beginnend mit dem Beisetzungsspruch
aus Mt 25, 21: „Sehr gut, du guter und getreuer
Diener, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen;
geh hinein in die Freude deines Herrn!". Er betonte nochmals die Taten
und Verdienste des Mor Athanasius und dessen Fleiß bei der Gründung der neuen
Diözese der ausgewanderten Syrer in den Vereinigten Staaten und Kanada.
Danach wurde er in der unter dem Altarraum befindlichen neuen Grabkammer der
Kirchenväter beigesetzt. Damit ist Mor Athanasius der erste beigesetzte Erzbischof
in der neuen Kathedrale und der zweite im Kloster Mor Ephrem. Mor Philoxenos
Eliyas Çankaya, Erzbischof vom Tur`Abdin, der nach der Klosterweihe im Juli
1984 bei einem Autounfall dort verunglückt war, wurde bereits vorübergehend
im Friedhof des Klosters beigesetzt. Das Leben des Erzbischofs Mor Athanasius Mor
Athanasius wurde auch am so genannten „vierzigsten Tag" nach
seinem Tode in der Kathedrale der erzbischöflichen Residenz gedacht. Zum
Gottesdienst kamen viele Syrer aus den um das Kloster Mor Ephrem liegenden
Gemeinden in Holland und Deutschland. Der Erzbischof Mor Julius Y. Çiçek
zelebrierte die heilige Eucharistie und brachte in seiner Predigt wiederum
Mor Athanasius als Vorbild für viele Bischöfe. Nach einem Hirtenbrief des Mor
Julius an seine Diözese gedachten Seiner auch alle syrischen Gemeinden in der
Liturgie.
Mor Athanasius scheint immer mit seinem Tod gerechnet zu
haben. Daher hat er sein Testament geschrieben. Zum letzten Mal hat er es vor
einem Jahr verbessert, indem er sein Eigentum genau vererbte. Daraus ergibt
sich, dass er eine große Summe von Geld an das Kloster Mor Markus
verschenkte, wo er studierte, zum Mönch und zum Bischof geweiht wurde. Er
liebte sein Kloster, deswegen hat er auch seine Kathedrale in den USA nach
ihm benannt. Er machte Zuwendungen u.a. an das theologischen
Patriarchalseminar in Damaskus, an das Kloster Mor Ephrem der Syrer, an die
syrische Kirche Indiens, an den zukünftig nachfolgenden Erzbischof in Amerika
und an die anderen kulturelle und religiöse Institutionen. Außerdem schenkte
er seine drei Kopien der Qumran-Rollen dem Patriarchat, dem Kloster Mor
Ephrem sowie seiner Diözese. Gegründet hat er eine Stiftung unter seinem
Namen „Athanasius-Yeshue-Samuel
Stiftung" von seinen Geldern für Publikationen und der Herausgabe der
syrischen religiösen und kulturellen Bücher sowie für die Belebung der
syrisch-aramäischen Sprache. Mor Athanasius hat große Verdienste für seine Kirche
erworben. Er weihte sowohl in seiner als auch in anderen Diözesen mehrere
Priester, Mönche und Nonnen, Diakone und sogar 22 Kirchen. Außerdem erhob er
mehr als 6 Priester zum Chorepiskopat. Er war ein guter Hirte, unermüdlicher Verkündiger des
Evangeliums Jesu Christi und ein erfahrener Erzbischof, der fünf Patriarchen,
viele Erzbischöfe, Mönche und Priester der syrischen Kirche erlebte. Durch
seinen Abschied von dem Rest seiner kollegialen Mitbrüder, Priester, Diakone
und Glieder seiner Diözese bleiben seine Taten und Worten immer in Erinnerung
bei allen, die ihn kannten. Gabriel Rabo |
Web Master Gabriel Rabo
Veröffentlicht in KS 1995
First updated: 1.11.1998
Last updated: 1.5.2004
Copyright 1998-2004
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