Seine
Heiligkeit der Patriarch Mor Ignatius Zakka I. Iwas machte zum zweiten
Mal in diesem Jahr, vom 1. bis zum 30. Juni 1999, seinen pastoralen Besuch
bei den Syrern in Mitteleuropa. Begleitet wurde das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen
Kirche von Antiochien von seinen zwei Sekretären Mor Julius Kyriakos
und Rabban Eliyo Bahe aus Damaskus. Nach der Landung auf dem Stuttgarter
Flughafen am 1. Juni wurde der Patriarch von den Erzbischöfen Mor
Julius Yeshu‘ Çiçek von Mitteleuropa und Mor Dionysius Isa
Gürbüz, Patriarchalvikar in Deutschland, herzlich empfangen.
Während
seines Besuches weihte der Patriarch am 13. Juni die Mor Barsaumo Kirche
in Pohlheim bei Gießen und am 20. Juni das Mor Augin Kloster in der
Schweiz ein. Vorher weihte er sieben Pfarrer zum Chorepiskopos, kurz auch
Chori genannt, fünf in Deutschland und jeweils einen in der Schweiz
und in Österreich, und zwar: am 3. Juli 1999 wurde Pfr. ‘Abdulahad
Kas Afrem in Bietigheim als erster Chorepiskopos in der syrisch-orthodoxen
Diözese in Deutschland geweiht. Am 5. Juni Chori Yakub Doganay in
Bebra, am 6. Juni Chori Yuhannun Teber in Berlin, am 12. Juni Chori Ibrahim
Gök in Gütersloh, am 13. Juni Chori Tuma Bilen in Bad Vilbel,
am 24. Juni Chori Sabo Isik in Amriswill (Schweiz) und zum Schluß
am 27. Juni Chori Emanuel Aydin in Wien.
Nach
seinem fast dreiwöchigen Aufenthalt in Deutschland reiste der Patriarch
in die Schweiz, zum Mor Augin Kloster in Arth. Zur Einweihung des Klosters
wurde er aus Damaskus offiziell vom Gastgeber, dem Metropoliten Mor
Julius Yeshu‘ Çiçek eingeladen. Dazu kamen auch sieben syrische
Metropoliten: Mor Severius Isaak Saka aus dem Irak, Mor Philoxenos Yusuf
Çetin aus Istanbul, Mor Klemis Augin Kaplan und Mor Kyrillos Afrem
Karim aus den Vereinigten Staaten, Mor Dionysius Isa Gürbüz aus
Deutschland und Mor Dioskoros Benjamen Atas aus Schweden. Mor Julius Kyriakos
kam bereits mit dem Patriarchen aus Damaskus. Aus den Schwesterkirchen
waren dort anwesend Bischof Amba Damian aus der Koptisch-Orthodoxen Kirche
in Deutschland, aus dem orthodoxen Zentrum des ökumenischen Patriarchats
Bischof Damaskinos in Chambésy und aus der katholischen Kirche der
Weihbischof der regionalen Diözese in der Schweiz. Zu den Feierlichkeiten
kamen auch viele Mönche, Priester, Diakone und über 5000 Syrer
aus den benachbarten europäischen Staaten nach Arth.
Die
feierliche Klostereinweihung begann am Sonntag, dem 20. Juni 1999 um 9.00
Uhr in der Klosterkirche. Der Patriarch weihte den Altar dem Namen des
heiligen Mor Augin mit dem heiligen Myron und vier Bischöfe die vier
Wände des Innenraums. Die Zeremonie wurde mit den Gesängen aus
dem dafür bestimmten Ritus der Kircheneinweihung begleitet. Nach der
Klostereinweihung zog der Patriarch feierlich mit den Bischöfen und
Diakonen-Chören aus der Kirche des Klosters in die überfüllte,
gegenüber liegende, große katholische Kirche ein. Um 10.00 Uhr
begann er dann mit der Feier der heiligen Eucharistie. Unterstützt
wurde er dabei von allen acht anwesenden syrischen Bischöfen.
In
seiner Predigt, die aus dem Arabischen ins Turoyo-Syrische durch Mor Klemis
Augin Kaplan übersetzt wurde, sprach das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen
Kirche über den historischen Tag der Einweihung und der offiziellen
Eröffnung des ersten Klosters in der Schweiz. Er würdigte dabei
den Metropoliten Mor Julius Yeshu‘ Çiçek wegen seines unermüdlichen
pastoralen Dienstes in seiner Diözese. Der Patriarch bezeichnete ihn
als „Gründer der Kirchen und Klöster“ und nannte ihn nochmals
„Jakob Burd‘ono des 20. Jahrhunderts“. Bereits 1992 erhielt Mor Julius
diese Ehrenbezeichnung zum ersten Mal bei der Einweihung der Mor Aho Kirche
in Paderborn. Mor Ignatius Zakka Iwas begründete die Titelverleihung
damit, daß Mor Julius seine Diözese mit großem Eifer leitet,
Gemeinden baut und das syrische Volk im Glauben stärkt. Daher sei
er würdig, daß sein Name mit „Buchstaben aus dem Licht“ in der
Historie geschrieben wird, betonte seine Heiligkeit vor Tausenden Gläubigen.
Außerdem unterstrich er auch das Verdienst des syrischen Volkes,
das gerne freiwillige Spenden für den Bau von Kirchen und den Erwerb
von Klöstern gibt. Aufgrund ihrer Großzügigkeit und Bewahrung
der Tradition und des Glaubens der syrischen Kirche nannte der Patriarch
die Syrer aus dem Tur‘Abdin „der Honig der Syrer“. Anschließend predigte
er über die Bedeutung der syrischen Klöster und damit auch des
Mönchtums für die Syrische Kirche. Das Mönchtum bewahre
das Erbe der Syrischen Kirche bis heute. "Und wir sind stolz darauf, daß
- trotz der zerstörten oder vakanten Klöster in der Heimat -
neue Klöster hier in der Diaspora gegründet werden", sagte der
Patriarch.
Anschließend
sprach Mor Julius Yeshu‘ Çiçek und dankte dem Patriarchen
für die Einweihung und Eröffnung des zweiten Klosters in seiner
Diözese. Seine Heiligkeit weihte bereits 1984 das erste syrische Mor
Ephrem der Syrer Kloster in Europa ein. Er bedankte sich ebenfalls bei
allen Syrern, die den Aufbau der Kirchen und Klöster großzügig
finanziell unterstützen. Mor Julius brachte auch den Dank und die
Anerkennung des Patriarchen in der Syrisch-Orthodoxen Kirche zum Ausdruck.
Aus dem von ihm geleiteten Theologischen Seminar in Damaskus sei eine große
Schar von Mönchen und Nonnen für die Syrische Kirche hervorgegangen,
betonte seine Eminenz. Dann erörtete er, warum der heilige Mor Augin
aus Ägypten großes Ansehen in der syrischen Kirche genießt.
Mor
Augin († 363) war ein Mönch und Wundertäter aus Klysma bei Suez
in Ägypten. Nach 25jähriger Askese trat Mor Augin in das Pachomios
Kloster ein, dann begab er sich mit 70 seiner Schüler nach Nisibis,
schließlich auf den Berg Izlo bei Tur‘Abdin, wo er 350 Mönche
um sich sammelte. Unter ihnen war auch sein Neffe Mor Malke, dessen Kloster
im Tur‘Abdin noch immer bewohnt ist. Das bedeutende Kloster Mor Augin aus
dem 4. Jh. war ein großes Zentrum, aus dem Tausende Mönche hervorgingen.
Sie spielten eine große Rolle im Tur‘Abdin und in der syrischen Kirche.
Seit ca. 1983 steht das Kloster unbewohnt und wurde zum Teil von den Kurden
zerstört.
Das
neue Mor Augin Kloster in Arth wurde vor 351 Jahren erbaut und gehörte
zu den katholischen Klöstern des Kapuzinerordens. Die syrisch-orthodoxe
Diözese von Mitteleuropa kaufte der katholischen Kirche am 29. März
1996 das Kloster für 500.000 Franken ab. Seit dem 15. Juli 1996 wohnen
dort syrische Mönche (heute zwei bis drei Mönche und vier Nonnen),
zum Teil aus dem Mor Ephrem Kloster in Holland.
Das
Kloster hat drei Etagen mit 24 Zimmer, eine große Kapelle und einen
Garten sowie eine Bibliothek mit ca. 8000 Büchern der westlichen Tradition.
Das Kloster soll ein geistliches und kulturelles Zentrum für die Syrer
in der Schweiz sein. In der Schweiz gibt es ungefähr 900 syrisch-orthodoxe
Familien zumeist aus dem Tur‘Abdin. Die ersten von ihnen kamen vor 30 Jahren
als Gastarbeiter und nachher als Asylbewerber. Heute gibt es dort ein Chori
und drei Priester, die die syrischen Gemeinden betreuen.
Gabriel
Rabo
Fotos 4-8: Anita Aydin
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