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Neue syrisch-orthodoxe Diözese für Deutschland

Von Gabriel Rabo

Eine weitere syrisch-orthodoxe Diözese in Mitteleuropa ist vor kurzem in Deutschland gegründet worden. Als Diözesanbischof wurde der ehemalige Patriarchalassistent Mor Dionysius Isa Gürbüz vom Patriarchen ernannt und am Sonntag, dem 18. Mai 1997, feierlich in der Mor Aho-Kirche in Paderborn in Anwesenheit von Tausenden Syrisch-Orthodoxen und von Vertretern der orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirche Deutschlands sowie der Stadt Paderborn in sein Amt eingeführt.

Die Zahl der Syrisch-Orthodoxen hat in Europa und vor allem in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Diese Entwicklung stellte die Leitung der aus sechs europäischen Staaten bestehenden Diözese vor bedeutende Aufgaben. Darum bat der Erzbischof von Mitteleuropa, Mor Julius Yeshu Çiçek, auf Wunsch der meisten Gemeindepfarrer in Deutschland in einem Schreiben an das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche, dem Patriarchen, Seiner Heiligkeit Mor Ignatius Zakka I. Iwas, eine neue Diözese für Deutschland einzurichten. Im Rahmen der Heiligen Synode der Syrisch-Orthodoxen Kirche, die unter der Schirmherrschaft des Patriarchen steht, hat dieser dem Wunsch entsprochen und die Einrichtung bestätigt. Für die Leitung der neuen Diözese, die offiziell als Patriarchalvikariat bezeichnet wird, ist der vor kurzem zum Bischof geweihte Mor Dionysius Isa Gürbüz bestimmt worden.

Der neue Diözeanbischof Mor Dionysius reiste am 15. Mai nach Deutschland, wo er vom Erzbischof Mor Julius Yeshu Çiçek, Mor Diyoskoros Benyamen Atas, Patriarchalvikar von Schweden, und von einigen Pfarrern und Gemeindemitgliedern am Frankfurter Flughafen herzlich empfangen wurde. Nach dem Besuch der syrischen Gemeinde in Wiesbaden wurde er am 17. Mai in Begleitung der erwähnten Würdenträger in der Mor Aho-Kirche in Paderborn von syrischen Pfarrern, ihren Gemeinderäten und vielen Syrern sowie den Bürgermeistern der Städte Paderborn und Warburg und den Vertretern der koptischen, katholischen und evangelischen Kirche Deutschlands begrüßt.

In seiner Empfangsansprache dankte Mor Dionysius Isa Gürbüz dem Patriarchen, dem Erzbischof Mor Julius Y. Çiçek, und dem gesamten Klerus in Deutschland, die sich um die Gründung dieser neuen Diözese für Deutschland bemüht und ihn als ihren Leiter vorgeschlagen haben. Für diese Diözese", so der Bischof, sind wir alle verantwortlich, dafür, gemeinsam ihre Aufgaben zu erfüllen und der syrischen Kirche von ganzem Herzen zu dienen. Ihr habt die Aufgabe, die Stimme Eures Hirten zu hören, und Euer Hirte, Eure Wünsche ernst zunehmen." Dabei gab er mit nachdrücklichen Worten das Versprechen, ein theologisches Seminar zu gründen, in dem künftig Priester sowie Religions- und Sprachlehrer zeitgemäß ausgebildet werden können. Denn das theologische Seminar baue die Kirche auf, schenke ihr das Leben und lasse sie blühen. Mor Dionysius bedankte sich ebenfalls bei dem Bürgermeister und den deutschen Kirchen, die den Syrern gegenüber freundlich und hilfsbereit seien.

Der Bürgermeister Wilhelm Lücke, der seit dem Besuch des Patriarchen 1992 bei den Syrern großes Ansehen wegen seines Engagements für ihre Belange genießt, begrüßte in seiner Rede den neuen Bischof, auch im Namen des Hochstiftsrates und aller Bürger der Stadt Paderborn. Er sagte: Wir freuen uns sehr darüber, daß die Weitergabe des Bischofsamtes der neuen syrisch-orthodoxen Diözese für Deutschland in unserer Stadt Paderborn stattfinden wird. Wir stehen Ihnen und den syrischen Bürgern gern bei der Erfüllung Ihrer Wünsche zur Verfügung." Er bedankte sich bei dem Erzbischof Julius Y. Çiçek für seine bisherige Arbeit in Paderborn und in ganz Deutschland und lud den Bischof Dionysius I. Gürbüz zu einem offiziellen Treffen in der Stadt Paderborn ein. Außerdem begrüßten der Dekan der katholischen Diözese von Paderborn und der Pfarrer Strumpf vom Arbeitskreis der Christlichen Kirchen (ACK) den Bischof Dionysius. Sie erwähnten auch, daß die katholische Diözese und die ACK gute Kontakte zu den Syrern in Paderborn pflegen, und bedankten sich für die gute Zusammenarbeit.

Sonntag, der 18. Mai 1997, war ein historischer Tag und wird als solcher seinen Platz in der syrischen Kirchengeschichte Deutschlands finden. An diesem Tag wurde die neue syrisch-orthodoxe Diözese für Deutschland offiziell gegründet und ihr neuer Bischof feierlich durch die Inthronisationszeremonie in sein Amt eingeführt. In der Mor Aho-Kirche Paderborns, die 1992 von dem Patriarchen eingeweiht wurde, versammelten sich die Syrer wieder aus vielen Städten Deutschlands und benachbarten europäischen Ländern, um der historischen Inthronisation in der neuen Diözese, beizuwohnen. Darunter waren ebenfalls Vertreter der Paderborner Kirchen und der Stadt Paderborn. Die Inthronisation des neuen Diözesanbischofs Mor Dionysius Isa Gürbüz fand während der Feier des göttlichen Qurobo (der Eucharistie) unter der Leitung des bisherigen Erzbischofs Mor Julius Y. Çiçek statt. Sie ist wesentlicher Teil der Bischofsordination, die feierlich bei der Amtsübernahme eines neuen Bischofs vollzogen wird. Mor Dionysius trug auf dem Thron sitzend die Lesung über denguten Hirten" aus dem Heiligen Evangelium vor, während er von den Diözesanpriestern getragen wurde. Danach erhoben sie ihn drei Mal singend mit den Worten: „Oksius, würdig ist Mor Dionysius [auf dem Thron der Diözese Deutschlands]", während oben die Diakone mitsangen und die liturgischen Fächer über ihm bewegten und unten die Gemeinde klatschte und jubelte. Danach wurde das auf die Gründung der neuen Diözese und den neuen Bischof bezogene Systatikon (Pontifikalbrief) des Patriarchen von Antiochien vom Bischof Mor Diyoskoros Benyamen feierlich vorgetragen. Darin wandte sich der Patriarch an alle Diözesanmitglieder in Deutschland mit den Worten: „Nachdem unser Herr die Amtsbefugnis [über seine Kirche] dem Apostelfürsten Petrus und Uns, den Patriarchen von Antiochien, übergeben hatte, haben Wir gemäß dem Beschluß der Heiligen Synode von Antiochien beschlossen, daß eine Diözese für Deutschland gegründet und Mor Dionysius Isa Gürbüz als Patriarchalvikar" zuständiger Bischof wird. Darum geben wir ihm den Thron und die Leitung der neuen Diözese in Deutschland. Wir bitten Sie, ihn mit Freude zu empfangen und ihm zu gehorchen. Er ist also der Vermittler zwischen Uns und Ihnen." Der Patriarch stellte den neuen Bischof offiziell in seinem Schreiben vor, in dem er ihn mit Personalien, Ausbildung und der bisherigen Arbeit bekannt machte. Anschließend sprach der Erzbischof Mor Julius Y. Çiçek: Aufgrund des Versprechens unseres Herrn Seiner Kirche gegenüber, immer bei ihr zu sein, übergebe ich Dir mit Erlaubnis unseres Patriarchen und der Heiligen Synode die Diözese von Deutschland mit ihren Priestern, Diakonen, Gemeinderäten und den Kirchengebäuden. Bitte leite sie mit Deinem ganzen Herzen!" Mor Julius überreichte dem Mor Dionysius Isa Gürbüz das bischöfliche Handkreuz und den liturgischen Hirtenstab und versprach weitere Zusammenarbeit der beiden Diözesen. Mor Dionysius, der seine Predigt mit dem Bibelspruch aus Joh 10.11, von dem guten Hirten, der sein Leben für seine Schafe gibt, einleitete, bedankte sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und versprach, seiner ihm übergebenen Diözese von ganzem Herzen zu dienen. Er lud seine Priester und alle Jugendlichen zur Zusammenarbeit ein und wies nochmals auf die Einrichtung eines theologischen Seminars hin.

Der katholische Weihbischof der Diözese Paderborn war sehr erfreut über die Einrichtung der syrischen Diözese in Deutschland und betonte, daß die syrische Kirche, deren Wurzeln auf die Apostel zurückgehen, von großer Bedeutung sei. Er erwähnte das von den Kirchenoberhäuptern von Antiochien und Rom unterzeichnete Kommuniqué zur pastoralen Zusammenarbeit, das eine Annäherung beider Kirchen ermöglicht hat. Anschließend überreichte er dem neuen Diözesanbischof Mor Dionysius ein Geschenk des Papstes. Für die Evangelische Kirche ergriff der Bielefelder Superintendent das Wort.

An dem selben Tag traf Mor Dionysius mit den meisten dort versammelten syrischen Pfarrern aus Deutschland und deren Kirchenräten zusammen und plante seine erste pastorale Visite. Mor Dionysius besuchte am darauf folgenden Tag das Zentrum der syrisch-orthodoxen Erzdiözese von Mitteleuropa in Holland, wo er von Mor Julius Y. Çiçek und den syrischen Gemeinden Hollands im Mor Ephrem-Kloster mit choralischen Ehren herzlich empfangen wurde. Mor Julius wiederholte auch dort das Angebot seiner Zusammenarbeit auf allen Diözesanebenen und ehrte den Bischof. Mor Julius Yeshu hat seit der Gründung der Erzdiözese von Mitteleuropa vor 20 Jahren viel Energie und Mühe aufgewendet für deren Betreuung und in der Folgezeit die meisten syrischen Gemeinden in Deutschland gegründet, eine große Zahl der Priester und Diakone geweiht und alle Kirchengebäude errichten lassen. Die syrischen Gemeinden Deutschlands möchten ihm ihren Dank aussprechen und ehren ihn für seine bisherige Arbeit. Der neue Bischof Mor Dionysius möge als würdiger Nachfolger seiner Aufgabe als Guter Hirte gerecht werden.

Wer ist Mor Dionyisus Isa Gürbüz?

Mor Dionyisus Isa Gürbüz wurde 1964 in Kfarze, im Tur Abdin, geboren. Seine theologische Ausbildung absolvierte er im Priesterseminar des Klosters Mor Gabriel, während er zugleich das türkische Lyzeum in Midyat besuchte. Dort trat er in den Mönchsorden ein und erhielt später die Priesterweihe durch den Erzbischof von Tur Abdin, Mor Timotheus Samuel Aktas. Ende der 80er Jahre wurde er nach Damaskus geschickt und lehrte am Theologischen Patriarchal Seminar Mor Ephrem vor allem Syrisch und die liturgischen Fächer. Als Mönch betreute er eine Weile auch die syrischen Gemeinden in Ägypten. Später ernannte ihn der Patriarch Mor Ignatius Zakka Iwas zum Spiritual und Direktor des Seminars, bis er im September 1996 zum Bischof geweiht und damit Sekretär des Patriarchen wurde. Zum Zweck des Studiums der englischen Sprache hielt er sich für ein Jahr in den USA auf. Neben dem Syrischen spricht er Türkisch, Kurdisch, Arabisch und nicht zuletzt Englisch.


Autor & Web Master: Gabriel Rabo
Fist Updated: 23.06.1997
Updated: 21.7.2004
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