Suryoyo Online's News

www.suryoyo-online.org


Schluß mit der Verfolgung der Christen in der Türkei !

Ein Völkermord an den Christen hat stattgefunden!

(Berlin, 17.02.2001) .. die Hintergründe der Demonstration:

Mit Bedauern stellen wir fest, daß es die „moderne“ Türkei mit der Demokratie nicht ernst meint. Dies zeigt sich im Falle eines aramäischen Priesters, syrisch-orthodoxen Glaubens, in der Türkei.

Der Pfarrer heißt Yusuf Akbulut und betreut eine kleine syrisch-orthodoxe Gemeinde in der Provinzhauptstadt Diyarbakir (Südosttürkei).

Am 5. Oktober 2000 wurde er in Folge eines Interviews mit der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ von der Polizei verhaftet. In dem Interview äußerte er sich über den Völkermord an den Christen, über die schrecklichen Geschehnisse in den Jahren 1914/15. In der Stellungnahme sagte der Priester: „Nicht nur Armenier, auch syrische Christen (Aramäer) wurden ermordet!

Deswegen wurde er auf Grundlage des § 312 des türkischen Strafgesetzbuches angeklagt! Demnach droht demjenigen eine Freiheitsstrafe von ein bis zu drei Jahren, der „die Bevölkerung unter Hinweis auf Unterschiede der Klasse, Rasse, Religion, Konfession oder Region öffentlich zu Haß und Feindschaft aufstachelt.“

Das besagte Interview wurde in der Tageszeitung mit der Überschrift „Der Verräter unter uns!“ betitelt. Auch das türkische Fernsehen zeigte provokative Bilder, in denen der schutzlose Geistliche ins Gefängnis abgeführt wird.

Wir fragen uns, welche Seite hier zu Haß und Feindschaft aufstachelt? Der Geistliche, der eine erschreckend dezimierte christliche Gemeinde von nur noch sieben Familien (!) zu betreuen hat, hat von Zeitzeugenberichten erzählt und das wiedergegeben, was ihm berichtet wurde.

Daß es nicht die Meinung einer einzelnen Person über die grausamen Geschehnisse der damaligen Zeit ist, zeigt das im Januar verabschiedete Gesetz in Frankreich, worin das französische Parlament den Genozid durch den jungtürkischen Staat offiziell anerkennt. Auch Frankreich ist hier kein Pionier, sondern nur einer von vielen Staaten, die die Türkei in diesem Punkt verurteilen. Ebenso wird dies von vielen renommierten Historikern bezeugt.

In der aramäischen Sprache und Literatur wird der Völkermord von 1914/15 „Seyfo“ (=Schwert) genannt. Über die aramäischen syrisch-orthodoxen Christen hat es in der Geschichte zwar viele solche Beispiele gegeben, doch die schrecklichsten Jahre waren die des „Seyfo von 1914/15“. In diesen Jahren fand das erste Massaker des 20. Jahrhunderts durch die Jungtürken (Jöntürkler) und kurdischen Kollaborateure an den christlichen Völkern statt, darunter auch die Aramäer Mesopotamiens (Anhänger der Syrisch-Orthodoxen, Syrisch-Katholischen, Syrisch-Protestantischen, Syrisch-Chaldäischen und Ost-Syrisch-Nestorianischen, die sich neuerdings Assyrische Kirche nennt).

Innerhalb weniger Wochen wurde der systematische Mordplan zur Vernichtung aller Christen im Osmanischen Reich vorbereitet. Christliche Intellektuelle, Kirchenoberhäupter, Patriarchen, Bischöfe, Priester wurden festgenommen, gefoltert und bestialisch ermordet. Das übrige Volk wurde auf unmenschlicher Weise ausgezogen, gesteinigt, drangsaliert und bei lebendigem Leibe enthauptet und getötet.

Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, zwangsverheiratet oder als Sklaven verkauft bzw. zwangsislamisiert. Wiederum andere wurden in die Nachbarländer durch die Wüste und unwegsame Berge und Straßen getrieben. Viele Kirchen und Klöster, aber auch ganze Dörfer wurden in Brand gesteckt und dem Erdboden gleichgemacht.

Bei diesem schrecklichen Völkermord haben auf aramäischer Seite rund 500.000 und auf armenischer 1,5 Millionen Menschen mit ihrem Leben bezahlt, so daß heute in der Südosttürkei nur noch ca. 3.000 (!) Aramäer verblieben sind. Mit diesem Völkermordsyndrom lebt heute jeder orientalischer Christ. Es stellt für uns eine historische Tatsache dar. Die Türkei leugnet diesen Holocaust leider bis heute ab und verurteilt jeden, der so etwas behauptet, wie auch im Falle unseres Priesters Yusuf Akbulut. Und weil dieser Völkermord heute trotzdem vielen Menschen unbekannt ist, wollen wir die ganze westliche Öffentlichkeit auf unser Schicksal aufmerksam machen.

Wir, die syrisch-orthodoxen Aramäer, sind tief erschüttert und empfinden dies als eine beispiellose Beleidigung der hunderttausenden Opfer des Völkermordes. Obwohl sein Gerichtstermin auf den 21.12.2000 festgesetzt war, wurde dieser aus unerklärlichen Gründen auf den 22. Februar 2001 verschoben.

Die Föderation, als die zivile Vertretung des aramäischen Volkes in Deutschland, verurteilt die Klage gegen den unschuldigen und wehrlosen Geistlichen der syrisch-orthodoxen Kirche in der Türkei und fordert die Türkei und das türkische Gericht auf, von einer Verurteilung abzusehen.

Unsere Forderungen:

1. Rücknahme der Anklage und Verfahrenseinstellung gegen den Priester Yusuf Akbulut

2. Freie Meinungsäußerung in der Türkei

3. Anerkennung des Völkermordes an die orientalischen Christen und dessen Wiedergutmachung

4. Anerkennung des aramäischen Volkes (Süryani Ulusu) in der Türkei als eine ethnischeMinderheit

5. Aufklärung aller politisch motivierten Mordanschläge in den letzten 20 Jahren, die in der Südosttürkei an Christen verübt wurden

6. Wiedereröffnung aller aramäischen Schulen und Förderung der aramäischen Sprache und Schrift

7. Ermöglichung, in unserer aramäischen Muttersprache unsere eigene Geschichte zu studieren

8. Gewährung der den Aramäern-Suryoye zustehenden Rechte, wie Kulturvereine, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Radio- und Fernsehsender in der Muttersprache

9. Renovierungen, aber auch Neugründungen christlicher Kirchen durch finanzielle Unterstützung des türkischen Staates

10. Förderung der Infrastruktur in unserer Heimat Turabdin

In diesem Sinne appelliert die Föderation der Aramäer gleichzeitig an die deutsche Öffentlichkeit, die Regierung, die Parteien im Parlament, sowie an die Europäische Union und an die Menschenrechtsorganisationen, sich für Pfarrer Yusuf Akbulut und den verfolgten und schutzlosen Christen in der Türkei, einzusetzen

Föderation der Aramäer (Suryoye) in Deutschland


Suryoyo Online
Webmaster: Gabriel Rabo
Updated: 16.02.2001
[HOME] [NEWS]