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Leserbrief, 7. Okt.

im Göttinger Tageblatt

Betr.: Buchtipp Prof. Lüdemann vom 31.08.2000

Es ist nicht nur völlig unrichtig, daß die Amtskirche Professor Lüdemann "mit Zensur" belegt hat, sondern rechtlich unmöglich. Da Lüdemann gar kein ordinierter Geistlicher ist, könnte die Hannoversche Landeskirche kein Lehrbeanstandungsverfahren gegen ihn anstrengen. Evangelische Theologie-Professoren unterliegen - als konfessionsgebundene Staatsbeamte - keiner kirchlichen Lehraufsicht (wie ihre katholischen Kollegen). Richtig ist dagegen, daß die Hannoversche Landeskirche Professor Lüdemann nach seinen kraß diffamierenden öffentlichen Aussagen über das Erste Kirchliche Examen, bei dem weithin Universitätstheologen prüfen, zu ihren Examina nicht mehr als Prüfer eingeladen hat. Seine staatliche Prüfungsberechtigung blieb davon unberührt.

Ebenso unzutreffend ist die Behauptung, daß "die Kirche" Professor Lüdemann aus der Göttinger Theologischen Fakultät "zu entfernen" versuchte. Auch das steht überhaupt nicht in ihrer Kompetenz. Richtig ist hingegen, daß das Ministerium für Wissenschaft und Kultur von sich aus erklärt hat, Professor Lüdemann könne bei seinen publizierten Ansichten über das Christentum als Betrug und bei seiner öffentlichen Lossagung vom christlichen Glauben nicht länger als Lehrer des Faches Neues Testament zukünftige Pfarrer und Religionslehrer ausbilden und die Fakultät müßte daher seinen Lehrstuhl neu besetzen. Professor Lüdemann lehrt seitdem ein nicht-theologisches Fach, ist aber, da eine andere Fakultät der hiesigen Universität ihn nicht übernehmen wollte, weiterhin der Theologischen Fakultät verwaltungsrechtlich zugeordnet.

Man ersieht aus diesen Fakten, daß es nicht Lüdemanns eigenwillige historische Hypothesen über Auferstehung und Grab Jesu und die Anfänge des Christentums sind, die zu seiner Versetzung geführt haben - über diese ist wissenschaftlich zu diskutieren -, sondern allein der Umstand, daß er sich zu seinen Aufgaben als theologischer Lehrer in einer konfessionsgebundenen Fakultät in Widerspruch gesetzt hat, ohne daraus selber Konsequenzen zu ziehen.

Was das neu erschienene Buch angeht, so sind an der Empfehlung eine Reihe von Fragezeichen anzubringen. Diese betreffen mehr die allgemeine Einschätzung des Buches als Lüdemanns historische Einzelthesen. Diese enthalten so gut wie gar nichts Neues, das nicht im Laufe der seit ca. 250 Jahren betriebenen kritischen Bibelforschung immer wieder schon geäußert worden wäre. Erstaunlich ist nur, daß sie dem Publikum mit dem Gestus vorgestellt werden als sage hier jemand endlich einmal, wie es wirklich war. Davon sind Lüdemanns historische Thesen in vielen Fällen aber weit entfernt.

(Professor Dr. E. Mühlenberg)

Dekan

(Homepage der Theologischen Fakultät Göttingen, Aktuelles)


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Letzte Aktualisierung am 10. Mai 2017
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