Wetterdienst für den Wald



 

Bestandesklima und atmosphärische Stoffeinträge in Mischwäldern und in Bereichen mit strukturellen Gradienten (z.b. Waldrändern).



Wissenschaftler des Forschungszentrums Waldökosysteme der Universität Göttingen verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: Sie möchten aktuelle meteorologische Kenngrößen auch für regionale Waldgebiete zur Verfügung stellen.

Solche spezifischen Klimainformationen helfen Forstleuten und Waldbesitzern, bei der Bewirtschaftung und Pflege ihrer Wälder optimierte Verfahren anzuwenden., erläutert Prof. Gode Gravenhorst vom Institut für Bioklimatologie der Universität Göttingen. Wird der Wald "umgebaut", das heißt z.b. von reinen Fichtenbeständen in Mischbestände aus Laub- und Nadelholz, oder auch bei anderen Formen der Landnutzung können dann verschiedene Szenarien durchgespielt werden, wie sich der Eingriff auf die Flächen auswirkt.

Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler in den Beständen des Solling ( Süd-Niedersachsen) ein erweitertes Netz von Messstationen aufgebaut. Mit Hilfe der Daten können genauere Aussagen über das Bestandesklima, die vorhandene Strahlung, den Gehalt an CO2 oder den Energie- und Wasserhaushalt eines bestimmten Waldgebietes gemacht werden.

Insgesamt sind 26 Kleinklimastationen und zwei meteorologische Messtürme, die in Buchen- und Fichtenbeständen auf Langzeituntersuchungsflächen stehen, ganzjährig in Betrieb. Alle 5 Sekunden werden in den Stationen die Lufttemperatur und die Luftfeuchte in 2 m Höhe, die Bodentemperaturen in 5 cm und in 20 cm Höhe sowie die Windgeschwindigkeit und die Windrichtung in 2,5 m Höhe, sowie die Globalstrahlung und die Niederschlagsmenge gemessen.

Bei der Modellierung des Bestandesklimas werden die Klimaparameter und Angaben über die vorhandene Vegetation und den Boden zusammengeschlossen. Diese regional ermittelten Witterungsdaten können dann auf ähnliche Waldstandorte übertragen werden.

Prof. Gravenhorst und Diplom-Physiker Heiner Kreilein wollen in dem Projekt auch der Frage nachgehen, ob kurzfristige Wettererscheinungen die räumliche Heterogenität in Waldbeständen genauso bestimmen wie langfristige Wetterbedingungen. Mit Hilfe dieses "forstlichen Wetterdienstes" ist es möglich, Orte und Zeitpunkte von extremen Wetter- und Klimaverhältnissen, wie beispielsweise Windspitzen, hohe Niederschlagsmengen oder Spätfröste zu bestimmen und diese bei der forstlichen Planung des Waldbestandes zu berücksichtigen. Genauere Angaben über die Wassernutzung oder das Strahlungsangebot auf bestimmten Flächen können helfen, bei der Pflanzung und Pflege von Beständen optimierte Verfahren zu finden. Detailliere Angaben über die Qualität des Wassers, das als Oberflächen-, Sicker- oder Grundwasser in Waldbeständen fließt, sind zudem für die Wasserwirtschaft von hohem Interesse.

Die Forschungsprojekte der Göttinger Wissenschaftler unterstützen die Bemühungen der Forstleute, Konzepte für eine naturnahe Bewirtschaftung umzusetzen. Mit dem Waldumbau hin zu mehr Mischbeständen wird versucht, die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes zu verbessern und auch zukünftig Holz in nachhaltiger Menge und Qualität zu erzeugen. In allen Bundesländern ist die naturnahe Bewirtschaftung für den Staatswald bereits seit einiger Zeit vorgegeben, dem Privat- und Körperschaftswald wird sie empfohlen. Beispielsweise sieht das niedersächsische Landesprogramm zur ökologischen Waldentwicklung (Löwe) vor, die Landesforsten mittelfristig auf 90% der Fläche in strukturreiche Mischwälder umzubauen und den Laubbaumanteil auf zwei Drittel zu verdoppeln. Gleichzeitig wird bei der Waldentwicklung versucht, sich auf künftige Umweltveränderungen und andere Nutzungsansprüche vorzubereiten. Noch gibt es für die Forscher viele offene Fragen, wie sich bestimmte räumliche Strukturen und menschliche Eingriffe auf die Stabilität von Mischwäldern auswirken.


Dr. Verena Sohns
Forschungszentrum Waldökosysteme
Büsgenweg 2

37077 Göttingen

Tel.:0551-393509
E-Mail:vsohns@gwdg.de
 
 

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