Holzasche zurück in den Wald?

Wissenschaftler erproben ein Recycling von Nährstoffen


Wer heizt heutzutage noch mit Holz? Brennholz ist hierzulande kaum noch gefragt, obwohl sich mit diesem nachwachsenden Rohstoff durchaus auch Kleinkraftwerke und Heizanlagen betreiben lassen. Das demonstrieren unter anderem die Sägewerke, die auf diese Weise Sägespäne und andere Resthölzer verwerten. Übrig bleibt eine Asche, in der sich wertvolle Pflanzennährstoffe wie Kalium und Magnesium angereichert haben - eigentlich viel zu schade für die Mülldeponie. Forstwissenschaftler wollen deshalb untersuchen, ob Holzasche dazu taugt, versauerte Waldböden wieder mit Mineralstoffen anzureichern. Dabei hoffen sie, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen würde die Holzasche dem Wald zumindest einen Teil der Nährstoffe zurückgeben, die mit dem Holz herausgetragen wurden. Zum anderen könnte dieses Recycling dabei helfen, kostbaren Deponieraum einzusparen.

Die Anregung zu einem solchen Forschungsprojekt geht auf den Deutschen Holzwirtschaftsrat zurück, der im Zusammenhang mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz das Recycling von Holzasche ins Gespräch brachte. Die Leitung dieses Projektes hat das Forschungszentrum Waldökosysteme der Universität Göttingen übernommen. Dabei sind das Institut für Bodenkunde und Waldernährung der Universität Göttingen und die Niedersächsische Forstliche Versuchsanstalt ebenso beteiligt wie die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und das Wilhelm-Klauditz-Institut der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Holzforschung. Gefördert wird die Erprobung von Holzaschen im Wald über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Als Versuchsflächen ausgewählt wurden ein Fichtenwald und ein Buchenwald im Freiburger Raum sowie ein Fichtenforst im Solling und ein Kiefernforst in der Lüneburger Heide. Die beiden letzteren liegen in unmittelbarer Nähe von anderen Versuchsflächen des Forschungszentrums Waldökosysteme, so daß die Wissenschaftler dort schon auf langjährige Untersuchungen zurückgreifen können. Im Solling wie in der Lüneburger Heide sind die Waldböden stark versauert. Ein Teil der Säuren stammt aus dem Ökosystem selbst - beim Abbau der Nadelstreu entstehen beispielsweise organische Säuren. Doch der überwiegende Teil regnet aus der Luft auf die Wälder herab: Löst sich Schwefeldioxid in Wasser, so entsteht Schwefelsäure, und aus Stickoxiden kann sich Salpetersäure bilden. Diese Säuren waschen nicht nur wichtige Pflanzennährstoffe aus. Wo der Boden arm ist an basischen Mineralstoffen, werden zugleich auch Aluminium und Schwermetalle freigesetzt, die dann die Wurzeln der Bäume schädigen.

Vielerorts versuchen die Förster deshalb, die Bodenversauerung abzumildern, indem sie Kalk ausstreuen. Die basischen Mineralstoffe des Kalks sollen die Säuren im Waldboden neutralisieren und die Nährstoffversorgung der Bäume verbessern. Prinzipiell wäre für diesen Zweck auch Holzasche gut geeignet, denn sie enthält reichlich basische Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium und Magnesium, die teils auch wichtige Pflanzennährstoffe sind. So kann dem Wald das zurückgegeben werden, was ihm mit dem Holz verlorengegangen ist. Die Holzasche einfach unbesehen dort auszustreuen, scheint dennoch nicht ratsam, da die Nährstoffe in dieser Form viel schneller ins Erdreich gelangen, als wenn ein Baumstamm im Wald allmählich vermodert.

Leicht lösliche Mineralstoffe haben zwar den Vorteil, daß sie von den Pflanzenwurzeln rasch aufgenommen werden. Doch es besteht die Gefahr, daß sich die Chemie des Waldbodens allzu schnell verändert und ein Großteil der Nährstoffe ungenutzt verlorengeht. Wie sich Holzasche möglichst nutzbringend einsetzen läßt und wie sich dabei unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden lassen, das versuchen die Wissenschaftler nun herauszufinden.

Wenn fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas künftig knapper und teurer werden, könnten Holz- und Rindenreste wieder größere Bedeutung für die Energieerzeugung erlangen. Zumal solche Brennstoffe, wenn sie aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen, nicht zum sogenannten Treibhauseffekt beitragen. Zwar entsteht, wenn Holz verbrannt wird, das Treibhausgas Kohlendioxid - doch der stetig nachwachsende Wald nimmt dieses Kohlendioxid wieder auf, um es in neues Holz einzubauen.


[Zurück zum Anfang] [Zurück zur Homepage]