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Meine Anschrift:

Christian Lemburg

Institut für Zoologie und Anthropologie

Abtlg. Morphologie, Systematik und Evolutionsbiologie

Berliner Str. 28 

D-37073 Göttingen

Tel.: ++49-0551-395517 
Fax: ++49-0551-395448 
Email: clembur@gwdg.de

 

 

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Autapomorphien der Teiltaxa der Nemathelminthes.

Unten

1. Nemathelminthes Gegenbaur, 1859 zurück zum System
  • 2-schichtige Cuticula mit basaler Schicht und trilamellärer Epicuticula
  • dorsale und laterale Bewimperung reduziert
  • terminale Mundöffnung
  • von Cuticula ausgekleideter (ektodermaler) Vorderdarm (Pharynx) mit subepithelialer Ring- und Längsmuskulatur
  • kurzer, gerader, cuticularisierter Oesophagus mit verdickten Epidermiszellen als Verschluß zum Mitteldarm
  • Einwegdarm mit ventralem After

2. Gastrotricha Metschnikoff, 1864

  • multilamelläre Epicuticula
  • Pharynx mit multisarcomeren Myoepithelzellen
  • Zwittergonade
  • direkte Spermaübertragung mit innerer Besamung
  • filiforme Spermien mit modifiziertem Cilium

3. Cycloneuralia Ahlrichs, 1995

  • Cuticula 3-schichtig, basale feinfibrilläre Schicht mit Chitin
  • mehrfache Häutungen bis zum Adultus
  • auch ventral vollständige Reduktion epidermaler lokomotorischer Cilien
  • circumpharyngealer Nervenring
  • Nervenring in Perikaryen-Neuropil-Perikaryen gegliedert
  • paarige ventrale Hauptlängsnervenstränge dicht zusammen gelagert
  • cuticularisierter Enddarm mit rectalem Sphinkter und H-förmigen Enddarmdilatator

4. Nematoida Schmidt-Rhaesa, 1996 (Rudolphi, 1808)

  • Körper sehr lang und dünn
  • basale Cuticula-Schicht beim Adultus sekundär frei von Chitin
  • Körperringmuskulatur reduziert
  • Mitteldarmmuskulatur weitgehend reduziert
  • Protonephridialsystem reduziert
  • ventrale Nervenstränge caudal verschmolzen
  • dorsaler unpaarer Nervenstrang
  • ventrale und dorsale Nervenstränge in Epidermisleisten
  • Muskulatur mit dicken Paramyosinfilamenten
  • Männchen und Weibchen mit Kloake
  • aciliäre Spermien ohne akzessorisches Centriol
  • innere Besamung?

5. Nematoda Rudolphi, 1808

  • laterale Epidermisleisten, darin die Epidermiszell-Perikaryen konzentriert
  • 6+6+4 Kopfsensillen, ein Paar lateraler Amphiden
  • Y-förmiges, dreikantiges Pharynxlumen mit interapikalen monosarcomeren Myoepithelzellen und apikalen Epithelzellen
  • subepidermale Ring- und Längsmuskulatur um den Pharynx reduziert
  • Weibchen mit ventraler Vulva, nach frontal in die Körpermitte verlagert
  • Ovarien nach anterior und posterior umgeschlagen
  • Männchen mit paarigen Spiculae
  • direkte Spermaübertragung vermittels Kopulation
  • Spermien ohne Acrosom, amoeboid beweglich
  • konstant 4 Juvenilstadien

6. Nematomorpha Vejdovsky, 1886

  • vergrößerter Körper
  • parasitische Phase im Lebenszyklus
  • Adultcuticula mit gekreuzten Fasern, ohne trilamelläre Epicuticula
  • Gehirn mit subpharyngealem Hauptteil und schwacher dorsaler Kommissur
  • Perikaryen gleichmäßig um Gehirn verteilt
  • subterminale Mundöffnung
  • Muskulatur polymyar und coelomyar
  • Pharynxmukulatur vollständig reduziert
  • Larve mit einstülpbarem Vorderende mit Hakenkränzen

7. Scalidophora Lemburg, 1995

  • Körpergliederung in Introvert, Hals und Abdomen
  • Introvert einstülpbar, als Lokomotionsorgan
  • Introvert mit radiärsymmetrisch angeordneten Scaliden besetzt
  • Scaliden aus Cuticula, Epidermiszellen und einigen Rezeptorzellen, z. T. mit apikalem Porus
  • vorstreckbarer Mundkonus mit (8-10) scalidenartigen Sensillen (Oralstyli, Buccalpapillen)
  • vorderer Pharynx mit 3-4 Kreisen aus jeweils fünf pentaradiärsymmetrisch angeordneten Zähnen (Pharyngealstyli)
  • circumpharyngealer Nervenring in frontaler Position zwischen Mundkonus und Introvert
  • 8 oder 16 lange (‘äußere’) Introvertretraktoren
  • 6 oder 10 Pharynxprotraktoren
  • oesophagealer Sphinkter aus einer kräftigen Ringmuskelzelle
  • Tanycyten (= spezielle Epidermiszellen, die mit tonofilament-haltigen Ausläufern das Nervensystem durchziehen und den Zug der Retraktormuskeln zur Cuticula vermitteln)
  • erhabene Flosculi mit einem Kreis cuticularer Papillen, einem centralen Porus und wenigstens einer Rezeptorzelle

8. Vinctiplicata Lemburg, 1999

  • indirekte Entwicklung über Larven- und Postlarvalstadien zum Adultus
  • Larven mit rechteckig gefelderter Halsregion, die als Verschluß-Apparat dient
  • Abdomen der Larven von längs gefalteter Lorica bedeckt (aus ca. 20 Platten?), mit primären und sekundären Längskanten
  • 9? kurze Introvertretraktoren
  • wenigstens die Larven mit großen, mehrzelligen dorsocaudal gelegenen Caudaldrüsen
  • Protonephridien münden in Gonodukte bzw. sind in die Gonade integriert (= Urogenitalsystem)
  • ältere Stadien mit einigen Kanalzellen, die zumindest teilweise gemeinsam das Lumen umschließen
  • Urogenitalsystem durch Ligament (Mesenterium) an der Körperwand befestig

9. Priapulida Delage & Héruard, 1897

  • Oberfläche der Introvertcuticula mit dichtstehenden spitz-konischen Erhebungen
  • Larvenlorica mit zusätzlicher Exocuticula III*
  • Epidermiszellen stark verzahnt, mit sehr langen septate junctions
  • regellos in der Epidermis verstreute ‘acidophile’ epidermale Drüsenzellen, die in die Cuticula münden*
  • spezifische Anordnung der Scaliden in 25 Längsreihen mit Kreisen aus jeweils 8, 9, 8+8+9, ... Scaliden
  • Scaliden mit einem apikalen Terminal- und einem Paar Lateraltubuli mit entsprechenden Rezeptor- und Hüllzellen
  • Introvert beim Adultus mit 50 äußeren Scalidenlängsmuskeln, frühe Larvenstadien evtl. mit nur 25 Scalidenlängsmuskeln
  • 2-3 Kreise octaradiärsymmetrisch angeordneter Buccalpapillen
  • vollständig bezahnter Pharynx mit cuspidaten, pentaradiärsymmetrisch angeordneten Zähnen
  • erster Zahnkreis wenigstens bei den Larven ohne Mediandentikel
  • sekundäre Zahnbildung in geschlossener Gewebefalte am Pharynxende mit simultaner Genese zahlreicher Zähne
  • zumindest um den zweiten (?) Zahnkreis eine caudalwärts stark erweiterte Ringmuskelmanschette, die den vorderen Pharynx schlauchförmig umgibt
  • pharyngeales Nervensystem aus zahlreichen, durch ein diagonales Nervennetz verbundenen Zahnganglien*
  • Larven mit 6 kräftige Pharynxretraktoren, die vor dem oesophagealen Sphinkter am Pharynx inserieren und an das Abdomenende ziehen
  • mehrere (5-6) kurze Pharynxprotraktoren*
  • Oesophagus in Form einer U-förmig umgeschlagenen, trichterförmig in den Mitteldarm ragenden Gewebefalte mit mehrzelligen oesophagealen Sphinkter
  • Enddarm mit einer vom Mitteldarm- und Enddarmepithel gemeinsam gebildeten Rectaltasche
  • Rectum mit vielzelligen rectalen Sphinkter aus einschichtiger Ringmuskulatur und labyrinth-artig aufgefalteter Cuticula
  • stark erweiterte primäre Leibeshöhle
  • im Abdomen weitgehend geschlossener Hautmuskelschlauch
  • Lokomotion durch zusätzliche peristaltische Bewegung des Hautmuskelschlauches
  • Larven mit (zahlreichen?) Loricatubuli, diese mit einer Drüsenzelle und einer Vertikalwurzel-Rezeptorzelle
  • ventraler Nervenstrang vollständig unpaar
  • paarige Protonephridien als stark verzweigte Solenocytenbäumchen mit zahlreichen Terminalzellen ausgebildet
  • Filter der Protonephridien aus interdigitierenden Cytoplasmafortsätzen gebildet*
  • Erythrocyten mit Haemerythrin*

(Die mit * gekennzeichneten Merkmale sind nur für wenige Arten nachgewiesen, stellen aber aufgrund ihrer Verteilung innerhalb der Priapulida wahrscheinlich autapomorphe Grundmustermerkmale dar).

 

10. Loricifera Kristensen, 1983

  • Mundkonus teleskopartig einziehbar
  • winzige Mundöffnung und lange cuticularisierte Buccalröhre
  • Y-förmiges dreikantiges Pharynxlumen mit monosarcomeren interapikalen und disarcomeren apikalen Myoepithelzellen, subepidermale Längsmuskulatur des Pharynx reduziert
  • Halsregion mit 15 Trichoscaliden in spezifischer Anordnung
  • Spinoscaliden mit basalem Gelenk und Muskulatur
  • Loricaplatten mit spezifischer Gelenkcuticula
  • Larve mit einem Paar beweglicher Zehen
  • innere Besamung?
  • modifizierte Spermien

11. Kinorhyncha (Reinhard, 1881)

  • Abdomen in 11 Zonite untergegliedert
  • Introvert mit drei verschiedenen Scalidentypen (Spinoscaliden 1 und 2, Trichoscaliden)
  • Hals mit 16 Plakiden als Verschluß-Apparat
  • zonital paarige Dorsoventralmuskeln und Längsmuskeln
  • zonital paarige Ganglien
  • zonital angeordnete Drüsen
  • Cuticula der Segmente 5-13 mit ventraler Sutur
  • bewegliche paarige Lateralstacheln und unpaare Dorsalstacheln an Segment 3-12
  • Zonit 13 mit Mitterminalstachel, paarigen Lateroterminal- und paarigen akzessorischen Lateroterminalstacheln
  • Mundkonus mit 9 äußeren Oralstyli und 10+5+5 inneren Pharyngealstyli
  • Mundkonus mit terminalem? und basalem Nervenring
  • Pharynx mit multilamellärer Epicuticula, Längsmuskulatur zu Radiärmuskeln modifiziert
  • Mitteldarm mit monociliären sensomotorischen Zellen
  • Enddarm im Querschnitt abgeflacht schlitzartig
  • Enddarm mit spezifischem System von Dilatatormuskeln
  • direkte Spermaübertragung mit innerer Besamung
  • modifizierte Spermien

nach:

Lemburg, C (1999): Ultrastrukturelle Untersuchungen an den Larven von Halicryptus spinulosus und Priapulus caudatus. Hypothesen zur Phylogenie der Priapulida und deren Bedeutung für die Evolution der Nemathelminthes. Cuvillier Verlag, Göttingen. 1-393

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  © Christian Lemburg, 2000
Letzte Änderung: 06.08.2008