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Presseerklärung zu Mel Gibsons Film "Die Passion Christi"

von Gerd Lüdemann

Der Film spielt die letzten Stunden im Leben von Jesus von Nazareth nach - von der Verhaftung im Garten Gethsemane bis hin zur Abnahme seines Leichnams vom Kreuz - und prägt visuell eindrücklich die äußerste Brutalität seines Leidens und Sterbens ein. Gibson, ein gläubiger katholischer Christ, setzt in der Zeichnung der gegen das Opfer Jesus ausgeübten Gewalt historisch zutreffend um, welchen Qualen ein von den Römern zum Kreuzestod Verurteilter ausgesetzt war. Die so inszenierte Orgie von gezielter Misshandlung, die an politischen Aufrührern und Sklaven geübt wurde, war im römischen Imperium zehntausendfach blutige Realität. Gibsons Film bietet daher ein heilsames Korrektiv gegen alte und neue Verzärtelungen des Heilandes, welche die Grausamkeit seiner Hinrichtung vergessen machen, und eine Erinnerung daran, dass der "Herr" der zahlenmäßig größten Religion auf dieser Erde vor 2000 Jahren den Verbrechertod am Kreuze starb.

Historische Grundlagen für den Film sind vor allem die Leidensgeschichten der vier Evangelien aus dem Neuen Testament. All das, was sie über die Umstände des Prozesses gegen Jesus sagen - angefangen vom Hass der jüdischen Führer und des jüdischen Volkes gegen Jesus bis zu dessen Unschuldserklärung durch Pilatus - ist im Film geschickt inszeniert. Mel Gibson setzt also nichts anderes in Handlung um als den Inhalt der biblischen Berichte. Und hier beginnt das Problem. Es ist seit langem bekannt, dass die frühen Christen zu Unrecht den "ungläubigen" Juden die Schuld an Jesu Tod in die Schuhe geschoben haben. Indem Gibson diese theologische Deutung in mächtigen Bildern filmisch umsetzt, fördert er, gewollt oder ungewollt, Antisemitismus.

Die Diskussion um den Film sollte dreierlei berücksichtigen: a) Die Leidensgeschichten des Neuen Testaments haben in ihrer Spitzenaussage von der jüdischen Schuld am Tode Jesu keine historische Grundlage, sondern wurzeln in christlicher Propaganda. b) Die meisten Einzelheiten der Passionserzählungen gehen auf nachträgliche "theologische" Deutungen zurück und sind an der historischen Wahrheit nicht interessiert. c) Jesus wollte gar nicht für die Sünden der Welt sterben. Er hat das Reich Gottes erwartet, gekommen ist die Kirche.

Göttingen, den 02. 03. 2004.

Siehe auch: Workshop: Wer war schuld an Jesu Tod?


Dr. Gerd Lüdemann, Georg-August-University Göttingen, Germany

Some Critical Comments on Mel Gibson's movie The Passion of Christ in the Light of Historical Criticism

In memoriam Paul Winter

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Letzte Aktualisierung am 7. Juli 2016
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